Dienstag, 11.12.2018

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Braucht Nürnberg ein kulturhistorisches Museum?

Stadt bevorzugt Wechselausstellungen - 12.11.2011 08:00 Uhr

Die Kulturreferentin wundert sich über Griebs Aussagen: „Ich muss in Chefetagen lange über Spendensummen in der Größenordnung von 10000 Euro verhandeln, das ist mein täglich Brot. © Katharin Flassak


Auf dem Podium sitzen auf der einen Seite Manfred Grieb, der den Stein mit seinem 2009 ins Leben gerufenen Förderverein für ein kulturhistorisches Museum ins Rollen brachte, und eines seiner Vereinsmitglieder: der Historiker Peter Fleischmann, früher am Staatsarchiv Nürnberg tätig, jetzt Leitender Direktor des Staatsarchivs München.

Die Gegenseite vertritt Kulturreferentin Julia Lehner. Moderiert wird das Streitgespräch von André Fischer, Lokalchef und stellvertretender Chefredakteur der NZ.

Grieb hat eigentlich ein klares Ziel: Es muss endlich ein Museum her, das die Einzigartigkeit darstellt, durch die sich Nürnberg ein halbes Jahrtausend lang in Europa auszeichnete, und zwar aufgrund der Leistungen seiner Kunsthandwerker – von den Rotschmieden bis zu den Münzprägern.

Stadt zeigt sich nicht begeistert von diesem Angebot

Griebs Vorwurf lautet: Weder die städtischen Museen noch das Germanische Nationalmuseum (GNM) würdigen diese Bedeutung angemessen.

So hat der Verfasser des „Nürnberger Künstlerlexikons“ (Kunst-)Historiker, Geschichtsinteressierte und Sammler um sich geschart, die ihn auf dem Weg zu einem eigenen Museum unterstützen – ideell wie finanziell.

Sie wären bereit, ihre Sammlungen oder zumindest Teile davon einem solchen Haus zu übergeben. Oder sie möchten sich durch Spenden am Bau eines Museums beteiligen bzw. ihr Vermächtnis in den Dienst dieser Sache stellen.

Doch die Stadt reagiert nicht eben begeistert auf dieses Angebot. Das macht die Kulturreferentin erneut deutlich. Sie räumt ein, dass es schwierig sei, mit dem umfangreichen Depot-Bestand der städtischen Museen umzugehen.

Neues Ausstellungskonzept eröffnet neue  Möglichkeiten

Aber: „Nicht alles, was im Depot schlummert, ist es wert, gezeigt zu werden.“ Für ein neues Museum habe Nürnberg kein Geld. Sie könne sich allerdings eine flexible Halle „für Wechselausstellungen unterschiedlichen Formats“ vorstellen.

Manfred Grieb ist das nicht genug. Andere bayerische Städte hätten vorgemacht, wie es geht – wenn auch meist mit staatlichem oder privatem Geld. Auch an das GNM richtet er seine Kritik: Es habe seinen Schwerpunkt zu sehr auf die Forschung verlegt und bringe zu wenig Ausstellungen mit Nürnberger Inhalten.

Das auf der Kaiserburg geplante neue Ausstellungskonzept eröffnet nach Meinung Peter Fleischmanns zwar neue Möglichkeiten, die reichsstädtische Geschichte zu zeigen. Doch das genüge nicht, um „das singuläre Profil, das Nürnberg einst in Deutschland hatte, zu zeigen“.
 

Stadt bäckt in Sachen Museen zu kleine Brötchen

Letztlich wirft Grieb der Stadt vor, in Sachen Museen zu kleine Brötchen zu backen: „Nürnberg müsste anfangen, in anderer Größenordnung zu denken.“ Sein Verein würde nicht nur für den Bau eines neuen Museums aufkommen, sondern sich auch am Unterhalt beteiligen, „aber dafür muss der Stadtrat ein Zeitfenster beschließen, damit überhaupt eine Aussicht für uns besteht.“

Die Kulturreferentin wundert sich über Griebs Aussagen: „Ich muss in Chefetagen lange über Spendensummen in der Größenordnung von 10000 Euro verhandeln, das ist mein täglich Brot. Und ich kann nicht sagen, dass bei uns die Stifter Schlage stehen.“

Etwas ratlos verlässt der Zuhörer den Fabersaal. Wer auf dem Heimweg am U-Bahnhof Lorenzkirche vorbeikommt, muss zugeben, dass die städtischen Museen zumindest dort nicht gerade mit ihren Pfunden wuchern: Zwei Drittel der für Museumswerbung vorgesehenen Vitrinen an den U-Bahngleisen werden vom GNM genutzt.

Von den vier für die Stadt verbleibenden Schaukästen ist einer leer. Die Reklame für das Tucherschloss verpufft, weil man den Museumsnamen nirgends vermerkt hat, und in der Vitrine für das Albrecht-Dürer-Haus ist ein Prospekt nicht lesbar – er steht auf dem Kopf!
  

Ute Wolf

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