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Ein Ventil für die Gefühle

Musiktherapie in der Krebsnachsorge - 10.10.2007

In der Praxis der Therapeutin Ulrike Haffa-Schmidt warten viele einfach zu spielende Instrumente auf Musiker. © Gerullis


NZ: Wie hilft Musiktherapie Krebspatienten in der Nachsorge?

Haffa-Schmidt: Musik ist ein Medium, das die Gefühle, die Emotionen berührt. Gefühle oder Gedanken, über die wir nicht sprechen möchten oder über die es uns schwerfällt zu sprechen, finden einen Ausdruck im Musik-Machen. Platt ausgedrückt: Wenn ich einen Druck oder Spannungen verspüre, kann ich den beim Trommeln rauslassen. Wenn ich merke, ich fühle mich traurig und schwach, finde ich auch da einen Ausdruck in den verschiedenen Instrumenten. Über die Musik finden Emotionen ein Ventil. Das andere ist, dass man in der Foschung festgestellt hat, dass es das Abwehrsystem stärkt, wenn man sich kreativ betätigt. Das betrifft nicht nur die Musik-, sondern auch die Kunsttherapie.

NZ: Dieser Ansatz ist aber nicht auf die nachsorgende Krebstherapie beschränkt.

Haffa-Schmidt: Nein, aber Musiktherapie erobert sich einfach in den letzten Jahren immer mehr diese klassisch-somatischen Bereiche. Früher war Musiktherapie beschränkt auf Psychiatrie und auf die Arbeit mit behinderten Kindern. Jetzt gibt es die neueren Bereiche Onkologie und auch Neurologie. Ambulante Musiktherapie in der Krebsnachsorge gibt es mit meinem Kurs zum ersten Mal in Nürnberg.

NZ: Sie arbeiten seit 15 Jahren im Klinikum mit Krebspatienten.

Haffa-Schmidt: Musik unterstützt die Patienten, mit der Krankheit und den langen Krankenhausaufenthalten zurechtzukommen und für sich selber Lebensperspektiven zu entwickeln. Ich mache auch viel Entspannungsmusik mit den Patienten, wobei ich immer selber spiele, es ist nie Musik vom Band. Manchmal wird auch ganz konkret an einem Thema gearbeitet. Auch Alltägliches. Zum Beispiel, wenn die Zimmernachbarin nervt, kann man eine Improvisation zu diesem Thema machen. Oder wenn jemand starke Schmerzen hat oder es ihm nicht gut geht, weil die Haare ausfallen, dann gibt es auch da Musik dazu. Oft versuchen wir aber, den Fokus nicht auf die Krankheit zu richten, sondern zu gucken, wo es gesunde Anteile gibt, wo Ressourcen sind. Und das geht in der Musik wunderbar. Und um auf den Kurs zu kommen: Auch dort geht es darum, die gesunden, starken und guten Seiten an sich zu entdecken.

NZ: Wie ist der Ablauf des Kurses?

Haffa-Schmidt: Wir gucken, welche Musik uns gut tut. Das kann eine freie Musik sein, wo ich mich nicht eingeengt fühle durch so ein rhythmisches Korsett; es kann aber auch sein, dass gerade so ein gemeinsamer Rhythmus in der Gruppe als angenehm erlebt wird, weil ich das Gefühl habe, der trägt mich. Rhythmus kann einengen, aber auch Halt geben. Ähnlich ist es mit der Lautstärke: Sie kann Kraft und Sicherheit vermitteln, oder als Bedrohung wirken.

NZ: Geben Sie ein Thema vor oder wird frei improvisiert?

Haffa-Schmidt: Beides. Ich werde vorher drüber sprechen und ein Thema vorgeben, aber auch freie Improvisationen machen. Durch ein einfaches Ausprobieren kann eine Musik entstehen. Es gibt auch Klangreisen mit Musik, wo nur ich spiele und die Teilnehmer zuhören. Das verstärkt deren Gefühle, weckt Erinnerungen, bringt Bilder hervor.

NZ: Muss man ein Instrument beherrschen, um am Kurs teilnehmen zu können?

Haffa-Schmidt: Nein, weil ich lauter Musikinstrumente in der Praxis habe, die ich vielleicht kurz erklären muss, die aber bis auf das Klavier und die Gitarre jeder ohne Vorkenntnisse spielen kann. Sie haben aber trotzdem wunderschöne Klangeigenschaften, es ist also nicht so wie mit Kochtöpfen. Zum Beispiel habe ich eine Schlitztrommel, eine Leier, eine Kalimba, ein Glockenspiel, ein Cajon und ein afrikanisches Balaphon.

NZ: Braucht man Rhythmusgefühl?

Haffa-Schmidt: Gar nicht. Auch jeder, der sich für total unmusikalisch hält, kann teilnehmen. Ich denke, Voraussetzung ist nur ein bisschen Lust und eine gewisse Neugierde, die Instrumente auszuprobieren.

NZ: Welche Instrumente beherrschen Sie?

Haffa-Schmidt: Richtig gelernt habe ich Klavier und Gitarre. Aber da die anderen Instrumente ja jeder spielen kann, kann ich die natürlich auch spielen. Fragen: Marco Puschner

Die Teilnahmegebühr beträgt 35 Euro. Der Kurs findet ab dem 23. Oktober an acht Abenden im 14-tägigen Turnus (18.30-20 Uhr) in der Praxis von Ulrike Haffa-Schmidt statt (Rennweg 17). Anmeldung unter 09 11/4 95 33. 

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