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Jenaplan-Schule zieht ins Quelle-Gebäude

20.02.2010

Wo einst die Quelle ihren Sitz hatte, liegen die Hallen nun öd und leer. Doch wenn alles klappt, sprudeln im Herbst 2010 neue Quellen des Lernens, der Wissens- und Wertevermittlung, gemäß der Jenaplan-Pädagogik. Mit dem Ausblick aus der Fensterfront (im Bild links oben) überblicken die künftigen Schüler auf jeden Fall den weitesten Horizont. © Sippel


«Wir hatten 16 Standorte für die Schule in der Metropolregion besichtigt», erklärt Bernd Beisse, Vorstand des Trägervereins, «und viele Investoren standen bereit.» Den Ausschlag für das Quelle-Haus gaben aber ein Gespräch mit OB Ulrich Maly (SPD), die innenarchitektonischen Riesenchancen, die das Haus bietet, sowie die angestrebte Belebung der Stadtteile Eberhardshof und Muggenhof.

Wo sich im fünften Stock einst Artikel im Lager stapelten, da herrscht nun gähnende Leere – oder luxuriös viel Platz, wie geschaffen für Klassenzimmer. Der Blick aus der Fensterfront gen Osten bietet Traumaussichten auf die Burg, die Türme von St. Sebald, die Kuppel des Opernhauses, und der Pausenhof auf dem Dach lässt die Phantasie schweifen.

Doch nicht zum Träumen sollen die Schüler dort einziehen, sondern zum Lernen. Das Lernen nach Jenaplan sieht anders aus als der althergebrachte Frontalunterricht. Zunächst einmal werden 100 Schüler der fünften, sechsten und siebten Klassen in vier Stammgruppen zusammengefasst. Der Unterricht ist jahrgangsübergreifend, das heißt, in jeder Stammgruppe befinden sich Fünft-, Sechst- und Siebtklässler gemischt. Der Lehrer steht nicht vor, sondern gewissermaßen neben den Schülern und leitet sie zum selbstständigen Lernen an. Und auch die Fächer werden (ab der elften Klasse) nicht mehr säuberlich voneinander getrennt, sondern miteinander kombiniert, so etwa Deutsch und Geschichte.

Die Basis dieser pädagogischen Strategie verstärken neueste Erkenntnisse der Hirnforschung, die sich auf den Wissenserwerb konzentriert. Dieser läuft in vier Stufen ab: Am Anfang steht die Neugier; es folgt die aktive Erarbeitung, sodann die Verankerung durch Erfahrung, und zum Schluss das «Einbrennen» der Information durch einen selbstständig gehaltenen Vortrag vor der Klasse, also durch die Präsentation.

Der Ältere lehrt den Jüngeren

Wenn nun ein 13-jähriger Siebtklässler einem elfjährigen Fünftklässler den Lernstoff erklärt, so profitieren davon beide: Der Ältere vertieft sein Wissen durch seine eigene Erklärung, der Jüngere erhält seinen Wissenszugang nicht nur vom Lehrer, sondern von einem Klassenkameraden. Und all das zusammen soll auch noch die Sozialkompetenz stärken.

Das Jenaplan-Gymnasium beginnt seinen Unterricht im September mit der untersten Klassenstufe (5. bis 7. Klasse). Diese Schüler rücken später in die zweite Stufe auf (8. bis 10. Klasse) und schließlich in die oberste Stufe (11. und 12. Klasse gemeinsam). 300 Anmeldungen liegen bereits vor, dennoch können Eltern ihre Kinder noch anmelden. Die Auswahl der 100 Schüler findet als «Screening» statt, mittels eines ausführlichen Elterngesprächs und eines Probeunterrichts. Das Schulgeld beläuft sich auf 325 Euro im Monat. Erst im siebten Jahr hat das Jenaplan-Gymnasium Anspruch auf staatliche Förderung.

«Wir wollen keine Eliteschule, aber auch keine Förderschule sein», betont Bernd Beisse. Legastheniker und Hochbegabte, die im traditionellen Unterricht auf Hürden stoßen, erhalten ihre Chance. Musik und Sport sollen verstärkt geboten werden, da diese Aktivitäten das Gehirn zur Aufnahmebereitschaft stimulieren.

Wie sieht nun der Bezug des Quelle-Versandhauses konkret aus? Zunächst erfolgt die Belegung von 3000 Quadratmetern im vierten und fünften Stock formell als Zwischennutzung. Danach erfolgen der Ausbau und die Dauernutzung von insgesamt 20 000 Quadratmetern Schulfläche.

Doch «nicht auf Teufel komm raus» (Beisse): Die Elterninitiative will sich immer noch ein Hintertürchen offenhalten, falls die Verhandlungen mit dem Fonds-Inhaber des Versandhauses sich zu verzwickt gestalten sollten. Der Zugang zum Gymnasium befindet sich seitlich in der Adam-Klein-Straße; ein Vorbau soll sich – ähnlich dem des Dokuzentrums – auf die Straße erstrecken und die Schüler mit Fahnen und Logos in Empfang nehmen. Vielleicht siedeln sich in baldiger Zukunft noch weitere Schulen im Quelle-Versandhaus an. Platz dafür ist mehr als genug.

Anmeldung via Internet unter www.jenaplangymnasium.de 

Reinhard Kalb

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