Mittwoch, 14.11.2018

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Taxizentrale droht "myTaxi"-Nutzern mit Funksperre

Handy-Anwendung in Nürnberg erfolglos - 30.01.2012 10:28 Uhr

Auch Smartphones sind kältempfindlich. © dpa


Wer die kostenlose Anwendung auf sein Smartphone herunterlädt, sieht auf einer virtuellen Karte, wo sich die Taxis in diesem Moment befinden – allerdings nur, wenn der Fahrer sich registriert hat. Während es in Berlin, München, aber auch in vergleichbar großen Städten wie Stuttgart nur so vor „T“-Symbolen wimmelt, sind in Nürnberg am Samstagnachmittag gerade mal zwei registrierte Taxis unterwegs. Die Chance, dass eines dieser Taxis in der Nähe ist, ist gering. Umso größer ist die Chance, dass man über die Taxizentrale schneller an einen Fahrer kommt.

Ein Erfolg für die Nürnberger Taxizentrale, die sich denn auch von „myTaxi“ nicht bedroht sieht, wie Vorstand Ulrich Romeike betont: „Die App ist nur dort erfolgreich, wo die bestehenden Strukturen nicht so gut sind. In Nürnberg sind sie aber so gut, dass die Fahrer es gar nicht nötig haben, sich dort zu registrieren. Da würden sie ja doppelt zahlen.“ Pro Fahrt zahlt der Fahrer 79 Cent netto an „myTaxi“. Solange nur wenige mitmachen, lohne sich die Registrierung nicht, erzählt ein Nürnberger Taxifahrer, der anonym bleiben möchte: „Da fährt man zu viele Leerkilometer, bis man überhaupt beim Fahrgast ist.“

Doch schließlich hat sich die Anwendung in anderen Städten wie Berlin, München, Frankfurt und Stuttgart auch mit der Zeit etabliert – warum also nicht in Nürnberg? Liegt das wirklich allein an den „guten Strukturen“, die die Taxizentrale bietet? Ja, er bekomme genügend Aufträge über die Zentrale, bestätigt der Taxifahrer. „Ich habe so schon genug zu tun.“ Andererseits birgt die Nutzung von „myTaxi“ für die Fahrer kein Risiko: Sie ist zunächst kostenlos, gezahlt wird lediglich, wenn es eine erfolgreiche Fahrt gibt. Aufträge, die über die Anwendung kommen, können auch abgelehnt werden – etwa, wenn dem Fahrer der Weg zum Fahrgast zu weit ist.

Ein weiterer Hinderungsgrund könnte sein, dass nicht jeder Fahrer ein Smartphone besitzt. Das braucht er jedoch, um „myTaxi“ zu nutzen. Der anonyme Nürnberger Taxifahrer kennt aber noch ein weitaus gewichtigeres Argument: „Wenn die von der Taxizentrale mitbekommen, dass einer ihrer Fahrer registriert ist, muss er mit einer Funksperre rechnen. Und wenn man 30 Tage lang keine Aufträge über die Zentrale bekommt, tut das richtig weh.“

In einigen Wochen, kündigt Ulrich Romeike an, bringen mehrere Taxizentralen gemeinsam die App „Dein Taxi“ heraus. Auch Nürnberg ist dabei. Die Funktionen sollen denen von „myTaxi“ ähneln: „Der Fahrgast kann das Taxi per SMS bestellen und auf der Karte sehen, wie es sich nähert.“ Allerdings läuft die Bestellung über die Taxizentrale. Der Taxifahrer braucht kein Smartphone, die Aufträge laufen wie gewohnt über sein System. Auch der Datenschutz sei besser gewährleistet, sagt Ulrich Romeike: „Bei ,myTaxi‘ wird gespeichert, wo sich der Fahrgast bewegt. Das gibt es bei uns nicht.“

Ein wenig ärgert es Romeike, dass die Zentralen mit ihrer Anwendung so spät kommen. „Ich hatte die Idee schon vor einigen Jahren. Wir waren ja 1998 auch die erste Taxizentrale in ganz Europa, die GPS zur Ortung der Fahrer genutzt hat. Nur gab es da noch keine Smartphones.“ Er habe aber den Anspruch, „Dein Taxi“ als bundesweites Portal anzubieten. „Und da gibt es Zentralen in anderen Städten, die man erst zum Jagen tragen muss. So haben wir viel Zeit vergeudet.“ 

Stephanie Siebert E-Mail

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