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Verein "Fränkische Museums Eisenbahn" bietet Dampflokfahrten

Wo Passagiere noch den Wind im Gesicht spüren - 17.12.2011 09:00 Uhr

Zwölf Stunden muss die Lok vor ihrer Reise angeheizt werden, beschenkt die Nürnberger Bahnfans aber mit schönen Bildern. © Claudia Urbasek


Sie ist das Glanzstück des in Nürnberg sitzenden Vereins „Fränkische Museums Eisenbahn“. Mehrmals im Jahr brechen die Vereinsmitglieder mit ihrem historischen Zug auf. An diesem Tag zieht die Lok die Waggons nach Meiningen.

Die thüringische Residenzstadt ist nicht nur berühmt für ihr Theater, sondern auch für das Dampflokwerk, in dem alte Loks und Waggons restauriert werden. Auch der Nachbau des Adlers, der im Jahr 2005 bei einem Brand im Verkehrsmuseum beschädigt wurde, wurde 2007 in Meiningen hergerichtet.

Im Morgengrauen geht die Reise in Nürnberg los, der Dampf aus der Lok vermischt sich mit den letzten Nebelschwaden, die sich gerade den Sonnenstrahlen ergeben. Im Zug ist für die Passagiere alles zu haben – von der Holzklasse bis zum mondänen 1.-Klasse-Wagen, der aus dem Jahr 1929 stammt und der älteste Waggon ist.

Dort bieten weiche Polstersessel so viel Platz, dass man sich wie ein Zwerg vorkommt. Die alten Wagen sind von Mitgliedern des Vereins liebevoll aufpoliert worden. Und dabei geht es nicht nur darum, mal ein Polster auszutauschen. Einer der Waggons war schrottreif, als der Verein ihn kaufte. Zwei Jahre lang restaurierten ihn die Mitglieder komplett.

Heißer Arbeitsplatz: der Führerstand der Dampflok 52 81 95-1. Jedes einzelne Kilo Kohle wird per Hand in den Ofen geschaufelt, wie hier von Sebastian Pfaller. © Claudia Urbasek



Es ist Zeit für einen Zwischenstopp, die Türen des Zuges öffnen sich, und von allen Seiten, aus jedem Winkel werden Lok und Wagen abgelichtet.

Wer mit der Museumsbahn mitfährt, erlebt, wie schön Bahnfahren sein kann. Es sind Entschleunigung und Technik, die der Reise eine besondere Stimmung verleihen. Türen, die man noch mit der Hand öffnen muss; Wagen, in denen man die Fenster noch weit herunter schieben kann, um hinauszublicken und den Wind zu spüren. Und es ist das Kraftvolle der Maschinen, das unmittelbare Erleben der Technik, die auch Sebastian Pfaller begeistert.

Der 29-Jährige ist schon seit seinem 13. Lebensjahr Mitglied im Verein, ein Freund hatte ihn damals mitgenommen. Inzwischen ist Pfaller bis zum Lokführer aufgestiegen. „Ich bin stolz, dass ich die Technik noch so unmittelbar beherrschen kann“, sagt er über die Faszination Dampflok. Wenn er nicht gerade Zug fährt, promoviert der Nürnberger im Fach Maschinenbau über moderne Kunststoffe.

Pfaller gehört zu einer Generation, die das Dampflokfahren aus Leidenschaft erlernt, Horst Schäfer zu einer, deren Broterwerb es war. Eigentlich hatte der Zittauer Schmied gelernt, doch als in der DDR das Handwerk vor die Hunde ging, wurde er Lokführer. Bis Ende der 80er Jahre steuerte er unter anderem die Dampflok 52 81 95-1 durch Ostdeutschland. Der 72-Jährige ist extra nach Nürnberg gekommen, um die Lok nach Meiningen zu fahren.

Wer einmal in dem Führerstand einer Dampflok gestanden hat, wird das nicht wieder vergessen. Wenn das Stampfen der Kolben den Stahlkoloss vibrieren lässt und Heizer und Lokführer hochkonzentriert arbeiten – Unachtsamkeit dürfen sie sich nicht leisten, denn unterstützende Elektronik gibt es nicht. Jeder Handgriff, jede Bewegung ergänzt die des anderen. Pfaller sitzt links, Schäfer rechts, dazwischen Ventile, Drehregler, Leitungen, Ölkännchen.

Alles ist mit einem rußigen Ölfilm überzogen und aus der geöffneten Ofenklappe schlägt glühende Hitze. Sebastian Pfaller ist ständig in Bewegung, mal zieht er einen Regler, dann schaufelt er wieder Kohle in den Ofen und hastet zurück auf seinen Hocker. Eine Dampflok hat kein Frontfenster. Sie hat nur zwei Gucklöcher, groß wie Schießscharten. Durch die beobachten Pfaller und Schäfer die Strecke, alle paar Sekunden rufen sie einander Signale zu wie „Ausfahrt frei!“

Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 60 km/h fuhr die Nürnberger Lok 528195-1 nach Meiningen und war dort der Star bei den Dampfloktagen. © Claudia Urbasek



In der Zwischenzeit dampft es auch an einer anderen Stelle im Zug – im Speisewagen. „Willkommen in unserer gemischten Sauna“, sagt Koch Harald Wächter lachend. Er rührt kräftig in großen Töpfen, die in der voll ausgestatteten Küche auf dem sechsflammigen Herd stehen. Der Speisewagen ist aus dem Jahr 1975, stammt von der Deutschen Reichsbahn – der DDR-Bahngesellschaft – und ist für den modernen Bahnreisenden eine Sensation.

Wächter und seine Helfer Sonja Hofer-Wankel und Katrin Schulze kochen hier frisch, Rühreier zum Frühstück, später saure Zipfel oder, wie an diesem Tag, Kasseler mit Sauerkraut. „Wir bereiten einfache Gerichte zu, auch was Vegetarisches.“ Rund 70 Portionen gehen pro Fahrt raus, gegessen wird in Schichten auf den 24 Plätzen des Mitropa-Wagens.

Nachwuchssorgen hat der Verein nicht: Auch der 28-jährige Mathias Schenkel ist seit 1995 Mitglied. Im Jahr 2000 arbeitete er als Rangierer, mit 18 Jahren machte er erste Prüfungen, inzwischen hat er sich vom Heizer über Zugführer zum Lokführer ausbilden lassen und darf Diesel- und Dampfloks fahren. „Das Tolle an der Dampflok ist, dass die Maschine lebt, und nur wenn man gutmütig mit ihr ist, macht sie, was sie soll.“ Zweimal in der Woche arbeitet er bei der

Museumseisenbahn mit. Es wird geschraubt, gepflegt, geplant. Bis zu zehn Wochen dauert die Vorbereitung für eine Ausfahrt, die Hälfte der Zeit geht für die Verwaltung und die Abstimmung mit der Deutschen Bahn drauf. „Der Lohn der Arbeit sind die Fahrten.“

Bis April geht die Lok nun in den Winterschlaf am Nordostbahnhof. Dort wird sie unter einem Zeltdach untergebracht. Eine Halle ist in Planung, sie soll die wertvolle Lok besser vor Schnee und Regen schützen.
 

Dampflok rollt 2012 nach Dresden

Die Dampflok 52 81 95-1 des Vereins „Fränkische Museums Eisenbahn“ fährt an Ostern 2012 (5. bis 9. April) nach Dresden. Es gibt ein Programm, das die Besichtigung Dresdens, der Porzellanmanufaktur Meißen und des Eisenbahnmuseums Löbau und eine Fahrt mit der Schmalspurbahn von Zittau nach Oybin enthält. Zudem fährt die Lok 99 586 mit Wagen aus den Jahren 1898 bis 1930 nach Moritzburg. Mit einer Nachtfotoparade im Bahnwerk Dresden Altstadt endet die Reise. Preise, Infos und Tickets: 09127/90 22 28, per Mail: info@fraenkische-museumseisenbahn.de und unter www.fraenkische-museumseisenbahn.de  

Claudia Urbasek

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