Mittwoch, 20.09. - 04:13 Uhr

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Weniger Platz, aber mehr Licht

Das Deutsch-Amerikanische Institut ist umgezogen - 14.09.2007

große Fenster zur Straße hin sorgen für Ausblicke und Einblicke. Heidemarie Börnke steht in der Mitte des Raumes und betrachtet die Regale, in denen die Schätze des DAI stehen: 9000 Bücher - Politik, Gesellschaft, Kunst, Unterhaltung, Geographie, Geschichte... «Wir sind sehr zufrieden mit unserem neuen Domizil. Es hat ein schönes Ambiente», sagt sie. «Durch die großen Fenster wirkt alles viel offener. Da werden vielleicht noch mehr Leute verleitet, zu uns zu kommen.»

Natürlich war ein bisschen Wehmut dabei, als zwei Häuser weiter die Umzugskartons gepackt werden mussten. «Man hängt irgendwie an dem alten Haus», sagt Börnke, die seit 25 Jahren für das DAI im Einsatz und für die Programmorganisation zuständig ist. «Es ist einem doch ans Herz gewachsen.»

Mehr als 50 Jahre lang lag das Amerikahaus in der Gleißbühlstraße 13 - eine Zeit, in der sich so einiges angesammelt hat, was jetzt ausgemustert werden musste - alte Bücher, Stühle (250 hat ein Ballettstudio gekauft), ein Feldbett, antiquierte Kopierer, Projektoren, Scheinwerfer, Stahlschränke. «Wir hätten ein Amerikahaus-Museum aufmachen können», sagt Andreas Falke, der Leiter des DAI.

So üppig Platz wie die Nummer elf bietet die Nummer neun nicht mehr. Die Fläche ist von 856 Quadratmetern auf 240 geschrumpft - ein beachtlicher Unterschied. Aber Platz kostet Geld, und das ist seit Jahren knapp bemessen. «Wir sparen durch den Umzug etwa 30 000 Euro Miete im Jahr», sagt Heidemarie Börnke und fügt hinzu: «Natürlich ist es bedauerlich, dass wir den Saal nicht mehr haben.» Trotzdem werde das DAI auch in Zukunft Theaterabende und Konzerte veranstalten. «Wir arbeiten schon jetzt gut mit dem Gostner Hoftheater und der Stadtbibliothek zusammen.» Und für Lesungen, sagt sie, sei schließlich immer noch genug Platz - außerdem für Computerarbeitsplätze, eine Lese-Ecke, Zeitschriften und Informationsmaterial, Filme, eine kleine Empfangstheke und einen Seminarraum.

Auch DAI-Chef Falke ist zufrieden. «Das ist eine schöne, lichte, transparente Kulturstätte», sagt er. «Freilich, wir haben den großen Saal verloren. Das ist schade. Aber es gibt ja viele Säle in Nürnberg, die man mieten kann.» Als Übergangslösung betrachtet das DAI-Team sein neues Zuhause nicht. Ursprünglich war ein Umzug ins Internationale Haus am Hans-Sachs-Platz geplant, das 2009 eröffnet werden soll. Aber daraus wird wohl nichts. «Ich denke, wir werden hier bleiben», sagt Falke. «Wir sind hier in dieser Ecke schon so lange präsent, sie ist ein Teil unserer Identität geworden.» Und noch einen Umzug würde das DAI kaum überstehen.

Vier Bücher-Kartons müssen noch ausgepackt werden, das neue Neonschild über dem Eingang fehlt - ansonsten ist das DAI für seinen Neustart gerüstet. Und bei allen Finanzsorgen, an Ideen fehlt es dem Team nicht. «Im Dezember findet eine Umwelt- und Klimakonferenz statt», sagt Andreas Falke. «Ab Februar wird uns dann der US-Wahlkampf beschäftigen, der sicherlich spannend wird.»

Und das DAI wird sich auch auf gänzlich neues Terrain begeben: Es wird sich dem Thema Integration widmen, dem Dialog mit dem Islam - ein Bereich, auf den auch Washington großen Wert legt. «Das ist für uns Neuland», sagt Falke. Kontakt zu Medina, der «Begegnungsstube für den Dialog zwischen den Kulturen» in Gostenhof habe man bereits aufgenommen. «Wir sind dort auf große Offenheit gestoßen», sagt Falke. «Das wird sicher eine interessante Zusammenarbeit.» Gabi Seitz 

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