Mittwoch, 16.01.2019

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Lehrreiche Rechenstunden

Keine Beißhemmung: Volker Pispers gastierte in Nürnberg - 07.10.2013

Volker Pispers mit Merkel-Raute. © tts


Kürzlich, beim Abschied von der „Anstalt“, sorgte vor allem Volker Pispers mit einem grandiosen Auftritt für Wehmut über das Aus der ZDF-Satire-Sendung. Die Markenzeichen des Vollbartträgers, der über 30 Jahre im Kabarett-Geschäft ist: fundierte Recherche, pointierte Sprache, glasklare Analysen mit Schlussfolgerungen, die wehtun. „Wenn wir an den EU-Außengrenzen Mauern aufbauen, müssen wir sie auch irgendwann verteidigen. Es werden nicht alle freiwillig kentern.“

Politiker, Medien, das Bankenschmarotzerpack und orakelnde Wirtschaftsexperten kriegen schwer eins drüber. Pispers rechnet vor, warum Riestern „Volksverarsche“ ist, dass 40 Prozent der Bürger ab 2030 von Altersarmut bedroht sind und konterkariert Merkels Selbstlob von der ach so erfolgreichen Regierung mit nüchternen Fakten: „Sechs Millionen haben eine volle Stelle, verdienen aber weniger als 10000 Euro im Jahr.“ Mitunter geraten seine Argumentationsketten arg zahlenlastig, knüpfen aber immer wieder Überraschendes zusammen — Rechenstunden mit Erkenntniswert. Da kommt der ehemalige Lehrer durch.

Und weil der 55-Jährige weiß, dass der Kabarettbesucher erwartet, dass ihm auch der eigene Lebenswandel um die Ohren gehauen wird, macht er vor Otto Normalbürger nicht Halt. So hat der Deutsche ja offenbar kein Problem, wenn jemand seine E-Mails mitliest. „Aber wenn Pferdefleisch in der Lasagne ist, hört der Spaß auf.“ Sind wir nicht alle ein bisschen schizo? Wie anders ist die legendäre Umfrage zu erklären, wonach 70 Prozent die Regierung beschissen und ebenso viele Merkel gut finden.

Pispers zieht eine traurige Bilanz des Wirkens der „Blockparteien“, bricht eine Lanze für die „Piraten“ und plädiert für eine Koalition mit der Linken. Wohl wissend, „dass die SPD dafür keine Eier in der Hose hat“. Er fordert mehr Streitkultur und eine Umverteilung von Reich zu Arm. Auch der brillante Polit-Satiriker selbst spart — an Bühnenauftritten. In den nächsten Monaten ist er nur einmal in der Region, am 30. November in Würzburg.

 

BIRGIT RUF

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