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Asyllager mit 3400 Plätzen: Bamberg fühlt sich überfordert

Bald 3400 Flüchtlinge in ehemaliger US-Kaserne - 15.07.2017 12:02 Uhr

In die ehemalige Kaserne in Bamberg sollen weitere Flüchtlinge einziehen. Die Stadt sieht sich angesichts der hohen Zahlen überfordert. © dpa


In der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Bamberg ist deutlich mehr Platz geschaffen worden – die Kapazität steigt von 1450 auf 3400 Plätze. In den vergangenen Monaten richtete die Regierung von Oberfranken neue Räumlichkeiten ein, um bei Bedarf deutlich mehr Flüchtlinge als bisher mit Essen, Medikamenten und Hygieneartikeln versorgen zu können.

Die Unterkunftsgebäude selbst waren schon weitgehend vorhanden, denn die Aufnahmeeinrichtung befindet sich in einer ehemaligen US-Kaserne. Die Erweiterung auf 3400 Plätze stieß in der Stadt Bamberg auf Kritik: "Das überfordert eine Stadt in einer Größenordnung von 73.000 Einwohnern", sagte Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD).

„Wir vermissen bei der Staatsregierung das vernünftige Augenmaß.“ Der Stadtrat habe sich für eine maximale Belegung mit 1500 Flüchtlinge ausgesprochen und werde weiterhin dafür kämpfen. 2015 zogen die ersten Flüchtlinge auf das ehemalige Kasernen-Areal - es war ursprünglich als Unterkunft für Menschen eingerichtet worden, deren Asylantrag sowieso kaum Chancen auf Erfolg hatte. Im September 2016 wurde auf dem früheren Militärgelände aber auch eine reguläre Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge untergebracht. Nach Angaben der Bezirksregierung fungiert die Bamberger Unterkunft somit als erste Anlaufstelle für Asylsuchende in Oberfranken.

Das für die Flüchtlingsunterbringung verantwortliche Sozialministerium wies die Kritik aus Bamberg am Ausbau zurück. 2015 seien sogar 4500 Plätze vereinbart worden. Der Stadt Bamberg seien im Gegenzug viele Zugeständnisse gemacht worden, wie beispielsweise der rasche Erwerb anderer Flächen auf dem früheren Militärgelände. "Im letzten Jahr haben wir die geplante Kapazität von 4500 Plätzen bereits auf 3400 Plätze reduziert", sagte eine Sprecherin. Der aktuelle Bedarf und aktuelle Kapazitäten würden laufend überprüft. Derzeit leben knapp 1200 Asylbewerber in Bamberg.

Regierung setzt auf Transparenz

Der Ausbau auf 3400 Plätze bedeute nicht, dass mit einem Schlag plötzlich so viele Menschen dort untergebracht würden, betonte ein Regierungssprecher. Aber: "Wir wappnen uns mit Augenmaß für alle Eventualitäten." Die Logistik in der Aufnahmeeinrichtung sei nun so ausgelegt, dass 3400 Menschen versorgt werden könnten. Zudem liege der Regierung viel an Transparenz: Man stehe im Austausch mit der Kommune und auch der Polizei. "Hier findet nichts hinter verschlossenen Türen statt." 

dpa, nn

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