Sonntag, 18.11.2018

|

Der Herr der Scheren wohnt in Katzwang

In Michael Wolfingers Keller tummeln sich Tausende von Garnelen - 01.08.2008

Michael Wolfinger kam durch Zufall zur Garnelen- und Krebszucht (in den Händen hält er einen ziegelroten Flusskrebs). Mittlerweile verschickt er seine lebende Ware bis ins europäische Ausland. © Niklas


Sie punkten auch in anderen Kategorien: Sie brauchen viel weniger Platz - können im Gegensatz zum Goldfisch damit auch im traditionellen Goldfischglas artgerecht gehalten werden - und sind schon für weniger Geld zu haben.

Das scheint lange niemandem aufgefallen sein. «Doch jetzt sind sie im Trend», sagt Michael Wolfinger. Deshalb ist der Nürnberger auch mit einem eigenen Laden groß eingestiegen ins Garnelengeschäft. Im Keller seiner Eltern in Katzwang hat er mehrere Räume bis zur Decke mit Aquarien ausgerüstet, in denen sich tausende Zwerggarnelen, aber auch größere Krabben, Krebse sowie Minifische tummeln. Die Tiere importiert Wolfinger aus Ländern wie Indonesien oder Thailand.

Die Preise für Garnelen fangen an bei 99 Cent, nach oben sind fast keine Grenzen gesetzt. Für einige japanische Züchtungen muss der Sammler mittlerweile um die 1000 Euro pro Tier hinlegen. Die teuerste der 70 Sorten, die Wolfinger in seinem Laden derzeit vorrätig hat, kostet gut 30 Euro pro Stück. Krabben und Krebse werden weltweit nicht so hoch gehandelt: Die wertvollsten Exemplare bringen es gerade einmal auf 30 Euro.

Vom Hobby-Aquaristen zum absoluten Garnelen-Profi

Michael Wolfinger hat sich vom Hobby-Aquaristen zum Profi-Garnelen-Händler entwickelt, selbst Zeitschriftenartikel und ein Buch über die kleinen Kerlchen hat er schon geschrieben - und alles entstand durch Zufall. «Ich wollte im Internet Pflanzen für mein Aquarium ersteigern», erzählt er. «Doch die Firma hatte Lieferschwierigkeiten.» So kam er mit dem Händler ins Gespräch - und der erklärte ihm, wie man einen Onlineshop aufzieht. «Anfangs habe ich Zubehör verkauft.» Pflanzen, Futter und Filter. Irgendwann nahm Wolfinger dann Garnelen ins Programm auf, «spaßeshalber», wie er sagt. «Und die Kunden wollten immer mehr.» Wolfinger spezialisierte sich auf die «Nanoaquaristik» - auf kleine Tiere wie Zwerggarnelen und Minifische. Bald reichte der Onlineshop nicht mehr aus, ein Laden musste her.

«Irgendwann wohnen wir wahrscheinlich auf dem Dach», sagt Hannelore Wolfinger. Denn «Aqua Tropica», so heißt das Geschäft ihres Sohnes, breitet sich im Keller immer weiter aus. «Mein Hobbyraum und mein Fitnessraum mussten schon dran glauben», sagt Vater Heinz Wolfinger. Dank des Geschäfts bleibt den Eheleuten Wolfinger ohnehin nicht viel Zeit für Hobbies.

Die meisten Kunden sind private Aquaristen, mittlerweile wenden sich aber auch viele Händler an Michael Wolfinger. Er liefert europaweit, weshalb ständig Paketdienste vorbeikommen und die lebendige Fracht abholen. «Meistens dauert es zwei Tage bis sie ankommt», sagt Michael Wolfinger. «Es waren aber auch schon Garnelen eine Woche lang nach Österreich unterwegs - und kamen alle gut an.» Verpackt werden sie in Fischtransportbeutel, die zu einem Drittel mit Wasser, zu zwei Dritteln mit Luft sowie mit einem Stück Schaumstoff oder Netz, an dem sich die Tiere festhalten können, befüllt sind.

Regelmäßig ist Michael Wolfinger, der zwei Tage die Woche noch als Heizungsbauer arbeitet, bis spät in die Nacht am Werk. Denn tausende Aquariumsbewohner wollen gefüttert werden, kranke Tiere müssen aus den Becken heraus, und einmal die Woche sollten etwa 4000 bis 5000 Liter Wasser gewechselt werden. 

Wolfgang Kerler

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Stadtleben