Mittwoch, 26.09.2018

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«Scheene Leit’ ham a scheene Woar!»

Nürnberger Florist begeistert seine Kunden auch mit Musik - 06.09.2008

Kein Tag vergeht ohne Blumen und Musik: Kai Harold Fischer in seinem Blumenladen in der Tetzelgasse. © Sippel


Zu seinem Geschäft kam er auf Umwegen. Zuerst sah es so aus, als ob Fischer Karriere als Musiker machen würde. Er fing an, Alte Musik, Cembalo und Gesang zu studieren. Doch dann brach er sich die Hand. «Aber ich habe nie lamentiert», sagt Fischer lächelnd. Man nimmt es ihm tatsächlich ab. Zumal er seine Kunden auch mit seinem musikalischen Talent beglückt.

Konzert als Weihnachtsgeschenk

Zu Weihnachten lädt er sie zu einem Konzert ein - so sieht sein Weihnachtsgeschenk an die Kunden aus. «Es ist etwas Persönliches», sagt Fischer. Außerdem spielt der 31-Jährige regelmäßig Orgel bei Gottesdiensten und hat auch einen eigenen Chor, der mehrmals im Jahr auftritt. Und wenn erwünscht ist, liefert er zur Hochzeit nicht nur Blumen, sondern singt auch bei der Trauung.

Er ist nun mal ein musizierender Florist - oder doch eher ein Blumen bindender Musiker? Egal, denn die Ergebnisse seiner Arbeit, die der Nürnberger unters Volk bringt, bezeichnet er eher philosophisch: als Glück und Freude. «Ich bin ein glücklicher Mensch und will das Glück an die Menschen weitergeben.»

Ein großes Schild, viele Blumentöpfe und Schnittblumen schön nebeneinander in Eimern vor dem Laden aufgereiht sucht man bei Fischer vergeblich. Das Gewöhnliche ist nicht das, wofür Fischers Laden steht. Spätestens wenn man die Türklinke berührt, wird es deutlich - und lustig: In kleinen weiß-glitzernden Buchstaben wie aus einem Poesiealbum steht dort: Herr Kai oder «scheena Leit ham a scheene Woar».

Sich nicht zu wichtig nehmen und alles mit einem Augenzwinkern betrachtet, das kann Fischer gut. Dieser Lebenseinstellung blieb er treu auch beim Namen seines Ladens. «Herr Kai», so nannte ihn jahrelang eine ältere Kundin als er noch in einem anderen Blumenladen als Angestellter arbeitete. «Wie sie es ausgesprochen hat, ist es bis ins Rückenmark gekrochen», erinnert sich der Florist an die nervige Ansprache, die aber an ihm kleben blieb. «Es hat sich zu einem Künstlernamen entwickelt.» So heißt nun sein Geschäft.

Wenn die Tür zu «Herr Kai» aufgeht, fällt das Auge zuerst auf einen überdimensionalen Blumenstrauß. Eigentlich ist es gar kein richtiger Blumenstrauß: Aber der Florist arrangiert fast alle seine Blumen so, dass sie zusammen eine Komposition ergeben.

Und direkt darunter sitzt ein Krokodil, aus Kunststoff versteht sich. «Tiere gibt es bei mir immer. Es ist ein Gesamtkonzept: Menschen, Pflanzen und Tiere sind ja die Schöpfung», erklärt Fischer. Tatsächlich, in vielen Ecken seines Ladens befinden sich Tiere. Auch die dicken, buntgeflickten Stoffschweinchen, die die Größe einer Hand haben und sich hinter den Glastüren eines Wohnschrankes verstecken. «Es sind so Sachen, die niemand außer mir kauft», scherzt Fischer. Ab und an werden auch die Schweinchen, wie viele andere Tiere, in die Sträuße eingebunden. «Ich habe sie in Mexiko adoptiert. Und es tut mir jedesmal weh, wenn eins davon verkauft wird», sagt der 31-Jährige und muss schon wieder lachen.

Fischer wagt es auch, Blumen auf ungewöhnliche Art und Weise miteinander zu kombinieren. «Vielfältigkeit ist wichtig. Und Blumen sind unempfindlich, wenn man weiß, wie man mit ihnen umgehen muss.» Das Richtige Gespür für die Kunden zu entwickeln ist auch eine Kunst für sich, eine, die sehr wichtig ist, so der Florist: «Ich will ein Verhältnis zum Menschen aufbauen.» Es sei wichtig zu erfahren, wie der Kunde ist. Nur dann gelinge der Blumenstrauß. Der Nürnberger, der auch am Marktplatz einen Stand hat, erfüllt auch andere Wünsche: «Ich bepflanze Gärten und Terrassen. Es macht mir Spaß, draußen zu sein.»

Fischers Herzstück bleibt jedoch der Laden: «Ich habe mich hier gefunden. Es ist immer ein bisschen Chaos, alles ist in Bewegung. Es ist eben eine One-man-show hier.» Bald will der Florist den Raum umdekorieren. «Es wird ganz anders» - nur so viel verrät er. Dann wird vielleicht auch der goldene Glanz an den Wänden etwas Neuem weichen. «Es sind eigentlich Rettungsdecken, aber ich erzähle immer, es sind große Schokoladetafeln.» Außerdem verspricht Fischer, ab Herbst Konzerte direkt im Laden zu veranstalten. Und vor Weihnachten will er seine Hand nicht nur an Blumen anlegen: Er will Glas gravieren und Porzellan bemalen. «Jedes Stück soll ein Kunstwerk werden.» 

Ella Schindler

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