Mittwoch, 14.11.2018

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Welcher Ring am Schönen Brunnen ist denn nun der richtige?

Wer hier dreht, darf sich etwas wünschen – doch: - 09.09.2009

Beim Wünschen schwören die einen auf den eisernen Ring . . . © Fengler


«Aber ich dachte, das lässt sich überhaupt nicht sagen.» Der Nürnberger Künstler und Designer Sven Weihreter ist irritiert. Der 42-Jährige hat sich vom Ring am Schönen Brunnen inspirieren lassen und vor sieben Jahren einen «Nürnberger Wunschring» kreiert, den man am Finger tragen kann. Dass einem der beiden Ringe am Brunnen der Vortritt vor dem anderen gebührt, glaubt er nicht.

Beide drehbare Ringe stammen aus dem 20. Jahrhundert

Und damit hat er Recht. Andreas Strohmeyer von den Altstadtfreunden ging bereits 1977 in den Nürnberger Altstadtberichten der Frage nach der Herkunft der beiden Ringe nach. Gleich vorneweg stellt Strohmeyer fest, dass beide drehbare Ringe aus dem 20. Jahrhundert stammen.

Fest steht aber auch, dass es bereits früher einen drehbaren Ring am Schönen Brunnen gab. Zurückverfolgen lässt sich die Existenz dieses Rings zumindest in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts. Auf einem Kupferstich aus dem Verlag von Paulus Fürst aus jener Zeit, so Strohmeyer, sei der Ring deutlich zu erkennnen. «Ein Bub ist sogar das Gitter hinaufgeklettert und dreht ihn, und zwei etwas entfernter stehende Personen betrachten die Szene», beschreibt Strohmeyer das Bild. Zwischen 1821 und 1824 sei der schadhafte Brunnen überholt worden. Dabei sei der obere Teil des Gitters abgenommen und durch einen neugotischen Aufsatz ersetzt worden. «Seitdem ist der berühmte Ring verloren», schreibt Strohmeyer. «Seine sagenhafte Bedeutung war aber offenbar so groß, dass auch im neuen Gitterteil wieder ein ähnliches Stück, angeblich durch Schlossermeister Pickel, angebracht wurde.»

Um 1900 war eine weitere Brunnenrenovierung fällig. Aus mündlicher Überlieferung wisse er, so führt Strohmeyer aus, dass der Gitteraufsatz von den zwei damals führenden Schlosserfirmen Leibold und Sohn sowie Gustav Frey ausgeführt wurde. «Dabei ist in der erstgenannten Firma, gefertigt von dem Werkmeister Otto Wohlgemuth, der drehbare Messingring entstanden. Offenbar fügte dann auch die Firma Frey, sicher unbestellt, auf der Nordostseite den ebenfalls drehbaren eisernen Konkurrenzring ein, vielleicht nach dem Motto: Was die können, können wir schon lange!»

Wichtig war Strohmeyer an dieser Stelle, auf die Herstellungsweise der beiden Ringe einzugehen - möglicherweise unter dem Eindruck der Legende, die sich um den «Wunschring» spinnt. Der sagenhaften Geschichte nach soll ein Lehrling, der seinem Meister sein Können beweisen wollte, den drehbaren Ring so ins Gitter eingefügt haben, dass keine Nahtstelle erkennbar war.

Der Messingring ist laut Strohmeyer «vermutlich ohne neuzeitliche Hilfsmittel gefertigt». Otto Wohlgemuth, der in der Werkstatt Leibold tätig war, sei der eigentliche Hersteller des Rings gewesen. Von ihm sei bekannt, dass er mehrmals nahtlose Ringe gemacht habe. Auch die Technik, die er anwandte, ist überliefert.

Bei der Firma Frey, die den Eisenring herstellte, sei man dagegen der Frage nach der Technik ausgewichen. «Man könnte also vermuten, dass der Ring durch Aufschneiden und Zuschweißen des Gitters eingefügt wurde», schreibt Strohmeyer. «Aber immerhin, auch das ist hervorragend gemacht, und vor allem - der Ring ist bis heute noch unverändert erhalten.»

Was sich von dem nachgemachten «goldenen» Messingring nicht behaupten lässt. Der musste 1945, so Strohmeyer, «den Weg der Befreiung gehen». Daraufhin wurde er nachgemacht. Als er ins Gitter gelegt wurde, wurde schlecht gearbeitet: Die Schlosserfirma sägte die Ösen am Gitter auf, legte den Ring hinein und verschweißte das Gitter von außen. Auf der Innenseite der Gitterösen sah man daraufhin die Schweißstellen noch. Deshalb musste die Arbeit 1950 wiederholt werden. Diesmal wurden die Schnittstellen im Gitter «bis auf die Wurzel durchgeschweißt». Doch bereits 1957 wurde der Ring erneut gestohlen. Die Arbeit «erfolgte nach derselben Methode wie die beiden letzten Male; sie ist annehmbar, kommt aber der von 1950 doch nicht ganz gleich», heißt es bei Strohmeyer.

Und so kam er 1977 zu folgendem Ergebnis: «Und seitdem drehen sie nun wieder, die Touristen aus aller Welt - wahrscheinlich mit wenig Erfolg, denn nach (mindestens) fünfmaliger Erneuerung 1824, 1903, 1949, 1950 und 1957 dürfte von der angeblichen Wunderkraft des Rings nicht mehr viel übriggeblieben sein. Vielleicht sollte man es einmal mit dem Eisenring auf der gegenüberliegenden Seite probieren, der jetzt immerhin schon in Ehren 74 Jahre alt geworden ist. Oder noch besser: Man sollte die zahlreichen anderen Ringe im Gitter betrachten, die sich zwar nicht drehen lassen, aber unzweifelhaft noch von Meister Paul Kuhn selbst stammen.

Frau und Kind herbeigewünscht

Für Designer Sven Weihreter ist die Sache indes klar. Er rät zu seinem «Wunschring». Der besteht aus einer silbernen Ringschiene, in der ein kleinerer goldener Ring liegt, den man drehen kann. «Das Drehen funktioniert und das Wünschen auch», beteuert Sven Weihreter. «Das geht auf alle Fälle, und ich geb’ ja auch das Geld zurück, wenn’s nicht funktioniert.» Er selbst habe es nach Fertigstellung des ersten Exemplars gleich ausprobiert. Heute hat er Frau und Kind - wie gewünscht. Eva Kettler

Über den «Original Nürnberger Wunschring» von Sven Weihreter kann man sich im Internet informieren unter www.wunschring.com. 

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