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Wieder in Mode: Symbole der Rockabillys

Warum harte Jungs auf Schwalben stehen - 14.05.2009

Was sind das denn für Spaßvögel? Rockabillys. Aber welche aus der ganz rustikalen Abteilung: «Mad Sin» nennen sich diese Musikanten aus Berlin. Mode und Symbole der Szene werden heute von vielen Jugendlichen übernommen, ohne dass sie die Ursprünge kennen. © oh


Getragen werden diese Zeichen und Symbole mittlerweile zusammen mit einem bunten Stilmix. Beliebte Zutaten: Enge Rockerklamotten aus den 80ern. Von der Wave- und Gothic-Fraktion sind die schwarzen Haare, das Makeup und der Schmuck entliehen. Nieten an Armen und Hals runden das Bild oft noch ab. Doch soll es hier nicht um die Entwicklung der Jugendkultur gehen; Thema sind die auffälligsten Symbole der Rockabillys, die jetzt wieder vermehrt getragen werden. Schwalbe (eng.: Swallow), Kirschen, Würfel und «Eightball», die Acht aus dem Billard-Spiel. Und natürlich besagter nautischer Stern. Was bedeutet das alles eigentlich?

Vermutlich wissen das nur die wenigsten der heutigen Träger; die meisten werden die Symbole einfach nur als cool oder «stylisch» betrachten und sich damit schmücken. Außerdem fördert ja die Bekleidungsindustrie aufkeimende und zurückkehrende Stile sofort, beschert ein stetiger Wandel doch ein auch gutes Geschäft.

Die Schwalbe, eines der wohl bekanntesten Symbole der Rockabilly-Szene, wird oft auch «Bluebird» genannt und wäre damit schon keine Schwalbe mehr, sondern ein Rotkehl-Hüttensänger. Sie ist ein altes Seefahrersymbol und stand für nahegelegenes Land. Als Zugvogel symbolisierte sie sowohl die sichere Heimkehr in den Hafen als auch einen großen Erfahrungsschatz und Freiheitsdrang. Schwalben leben in Paaren; das doppelt tätowierte Motiv könnte – einer anderen Interpretation zufolge – also auch den starken Zusammenhalt in der Gruppe meinen.

Die Kirschen («Cherries») sind ein Symbol, das hauptsächlich von Frauen verwendet wird. Sie stehen entweder für die Reinheit und Keuschheit – im amerikanischen Slang der Fünfziger Jahre wurde mit «Cherry» ein jungfräuliches Mädchen bezeichnet. Die Kirsche kann aber auch als verführerische «verbotene Frucht» verwendet werden.

Oft stehen die Kirschen nicht für sich allein, sondern werden mit unterschiedlichen anderen Motiven kombiniert. Neben wild lodernden Flammen wirkt die süße Frucht dann ganz anders als neben einem Schwalbenpärchen.

Würfel («Fuzzy Dice»), jedenfalls diejenigen, um die es hier geht, hängen in Autos oder werden tätowiert, zieren Modeprodukte. Ehemals wohl ein Glücksbringer der amerikanischen Kampfflieger des Zweiten Weltkriegs, wurden sie schnell ein Symbol der jungen Wilden nach dem Krieg. Sie hielten Einzug in die Straßenrennen der 50er Jahre, sollten Glück bringen und letztlich auch den Wagemut zeigen.

Die Wende am Abgrund

Einer anderen Legende nach durfte derjenige die Würfel in seinem Hod Rod (aufgemotzte Autos meist der 20er und 30er) hängen, der bei einem Rennen auf einer Klippe mit dem geringsten Abstand zum Abgrund wendete. Mit der steigenden Popularität des amerikanischen Lebensgefühls wurde auch der Würfel zum beliebten Symbol. Neben diesen Bedeutungen verkörpern sie auch eine Spielermentalität, versinnbildlichen sie doch nicht nur Glück, sondern vor allem den Zufall.

Die schwarze Acht, der sogenannte «Eightball», ist die verhängnisvolle Kugel beim Billard. Das Risiko, mit dem zu rechnen ist. Entgegen allen anderen Kugeln, die bei falschem Spiel nur ein Foul bedeuten und damit das Spiel an den Gegner übergeben, bedeutet sie die sofortige Niederlage. Außerdem war sie ein weiteres beliebtes Schmuckmotiv der Flieger im Zweiten Weltkrieg und hielt ebenso Einzug in die Autoszene der amerikanischen 50er.

Der «Eightball» steht entweder für einen gewissen Unglücksaspekt oder auch für eine Spielermentalität. Was der fünfstrahlige Stern heute bedeutet, ist von der Gruppierung abhängig, der ein Träger des Zeichens angehört. Die Ursprünge liegen wieder in der Seefahrt. Dort symbolisierte er den Nordstern, der eine sichere Reise und letztlich auch Heimfahrt bedeutete. Inzwischen wird der Stern von so vielen Szenen übernommen, dass der Überblick schwer fällt. Zumindest bei diesem Symbol ist es also verständlich, wenn mancher Träger selbst keine klare Definition geben kann. 

Jan Christgau

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