Dienstag, 18.12.2018

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Wohlgefühl für alle Sportmuffel?

Bayerische Sportwissenschaftlerin hat „Jolking“entwickelt - 25.06.2011 10:00 Uhr

Sanfte Ausdauer, die sogar ein Pläuschen während des Sports ermöglicht – das verspricht Entwicklerin Alexandra Schügerl (Mitte) durch das „Jolking“. © oh


A. Schügerl


NZ: Frau Schügerl, der Name lässt bereits Vermutungen aufkommen, aber: Was ist Jolking?

Alexandra Schügerl: Es ist ein gesamtes Konzept, das von einer Anamnese über eine Analyse der Statik sowie des Gehens und Laufens reicht. In Kurzform könnte man sagen: Es ist der Übergang zwischen Gehen und Laufen. Es ist kein Laufen, weil es keine Flugphase wie im Jogging gibt, es ist aber auch mehr als Gehen.

NZ: Was macht Jolking letztlich besser als Joggen und Nordic Walking?

Schügerl: Der Jogger hat Flugphasen. Das heißt: Beide Füße sind zumindest für kurze Zeit über dem Boden. Beim Absetzen gibt es also einen Aufprall. Wenn Sie sich vorstellen, jemand wiegt über 100 Kilo oder hat Gelenkprobleme, dann ist das natürlich nicht förderlich für die Gelenke. Zum anderen steigt der Puls beim Anfänger oder Übergewichtigen stark an, der Tempo-Wechsel beim Joggen strapaziert den Kreislauf mehr, als wenn ich permanent in einer sanften Bewegung bleibe. Daher halten viele Joggen oft nur zehn Minuten durch. Beim Jolking geht man sanft vor, deswegen schaffen Anfänger gleich Einheiten bis zu einer Stunde.

NZ: Es setzt den Körper also nicht unter Druck wie Joggen oder Nordic Walking?

Schügerl: Beim Nordic Walking ist der Druck auf die Stöcke problematisch. 90 Prozent der Nordic Walker führen diese Bewegung nicht richtig aus. Es gibt Untersuchungen, dass Nordic Walking zu Arthrose führen kann, weil die Schultern überlasten, wenn zu wenig Muskelkraft, aber zu viel Druck auf die Stöcke ausgeübt wird. Die langen Schritte, die man hier eigentlich machen müsste, gehen zudem bei Knieproblemen noch mehr auf die Knie.

NZ: Für wen eignet sich diese Sportart besonders?

Schügerl: Es gibt in Deutschland noch viele, die sagen: „Sport ist Mord“ oder „Ich kann aus gesundheitlichen Gründen keinen Sport machen“. Viele Menschen haben auch Angst vor Sport, weil er bis dato überlastend war. Deswegen fokussiere ich mich auf Sporteinsteiger und selbstverständlich auch auf Übergewichtige oder Menschen mit einem Krankheitsbild Asthma oder Gelenkroblemen. Auch für Schwangere, frischgebackene Mütter und Senioren eignet es sich.

NZ: Was macht das Jolking denn so effektiv und gesundheitsfördernd?

Schügerl: Es ist eine spezielle Abrolltechnik. Jolking ist sanft, weil ich keinen Aufprall provoziere. Ich arbeite mit stark gezieltem Einsatz der Muskulatur und kann von Anfang an den Puls und die Beanspruchung genau einstellen. Meine schwersten Kunden wiegen rund 150 Kilo und können das auch.

NZ: Wie schnell zeigt sich ein Effekt, in Bezug auf Gesundheit und Figur?

Schügerl: Sie werden lachen: innerhalb von zwei bis vier Wochen.

NZ: Was muss ein Jolker beachten, wenn er auf eigene Faust unterwegs ist und alles richtig machen will?

Schügerl: Es ist wirklich wichtig, dass zur Einführung ein Trainer herangezogen wird, ein Trainingsplan erstellt und die richtige Technik vermittelt werden. Wenn diese Grundeinweisungen vonstatten gegangen sind, kann der Jolker alleine los, muss sich aber auf das Abrollen, den geraden Fußaufsatz und auf langsame Schritte konzentrieren. Dann ist das Tempo auch das richtige. Man kann seinen Hund oder die Freundin mitnehmen. Das Training und der Fettstoffwechsel sollen ja so ablaufen, dass Unterhaltungen möglich sind.

NZ: Die Technik ist ja phasenweise aufgebaut. Wie sieht denn das Procedere im Detail aus?

Schügerl: Vorab nehme ich einen detaillierten Körpercheck vor. Dann gehen wir raus, ich sehe mir die Gangart des Kunden an und korrigiere die Haltung und das Laufverhalten. Dann erst erkläre ich ihm die Jolkingtechnik mit dem weichen Fußabsatz, der richtigen Abrolltechnik, dem richtigen Abfangen des Gewichts und der richtigen Muskelbetätigung sowie Atmung.

NZ: In ihrer Heimat, dem Münchner Raum, haben Sie den ein oder anderen Trainer schon eingewiesen. Wie sieht es denn Nürnberg aus?

Schügerl: Auch im Nürnberger Raum habe ich angefragt und schon Interesse bekundet bekommen.

NZ: Und wie wird der Oberkörper beim Jolking trainiert?

Schügerl: Die nächste Stufe heißt „Jolking plus“. Dafür habe ich spezielle Bänder entwickelt, die zusätzlich den Oberkörpereinsatz fördern. Durch die Bänder können alle Bewegungen gesteuert werden, sodass niemand verspannt.

Weitere Informationen unter www.fit-as.com
  

Fragen: Andrea Munkert E-Mail

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