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22 Prozent mehr Einsätze: Engpass im Rettungsdienst

Seit Januar bezahlen die Krankenkassen deshalb fünf Fahrzeuge mehr - 13.01.2018 05:47 Uhr

Die Rettungsdienste mussten in den letzten Jahren deutlich aufstocken. Das Problem ist jedoch der Mangel an Personal. © dpa


"Nürnberg hatte bei diesem Vergleich die höchsten Steigerungsraten", erklärt Christian Vogel, als Bürgermeister auch für den Katastrophenschutz zuständig. Kein Wunder, Nürnberg ist eine wachsende Stadt, die Zahl der Einwohner steigt. Aber, so Vogel, auch die Erwartungshaltung der Bürger hat sich verändert. "Oft wird die 112 selbst bei Bagatellfällen alarmiert", sagt der Bürgermeister. Die erfahrenen Mitarbeiter der Integrierten Leitstelle im Nürnberger Hafen müssen sorgfältig am Telefon ergründen, ob jemand dringend Hilfe braucht oder vom Hausarzt oder Ärztlichen Bereitschaftsdienst versorgt werden kann. Aber beim leisesten Zweifel rücken die Rettungsteams aus.

"Bei einer Steigerung von 22 Prozent im Rettungsdienst war eine Versorgungslücke bereits erkennbar. Wir haben das im Zweckverband diskutiert und waren uns einig: In Spitzenzeiten waren in Nürnberg zu wenig Kräfte im Einsatz", meint Vogel. Ein externes Gutachten des Instituts für Notfallmedizin und Medizinmanagement in München bestätigte den zusätzlichen Bedarf für Nürnberg. Daraufhin genehmigten die Krankenkassen zum 1. Januar 2018 einen Zuschlag in der "rettungsdienstliche Vorhaltung", wie es im Fachjargon heißt. Sie vergüten jetzt 342 Stunden mehr pro Woche im Rettungsdienst - das entspricht der Kapazität von fünf Rettungsfahrzeugen. Dazu gibt es noch zusätzlich 118 Wochenstunden im Krankentransport, denn auch hier ist der Bedarf gewachsen.

Patienten werden zum Beispiel immer früher aus dem Krankenhaus entlassen. Besonders Senioren sind dann oft noch nicht so fit, dass sie mit einem Taxi oder von Angehörigen nach Hause gebracht werden können. In der Vergangenheit mussten Betroffene deshalb oft stundenlang in der Klinik auf den Sanka für die Rückfahrt warten - auch weil Patienten, die ins Krankenhaus gebracht werden müssen, immer Vorrang haben. Aber auch für die Hinfahrt in die Klinik müssen sich nicht lebensbedrohlich Erkrankte manchmal mit Geduld wappnen.

Personalmangel wird zum Problem

"Ich bin wirklich saufroh über die Aufstockung", formuliert es Christian Vogel flapsig. Als er die gute Nachricht auf Facebook postete, hagelte es aber auch postwendend Kritik. Mehr Stunden seien ja schön, aber wer soll die zusätzlichen Schichten übernehmen? Schon jetzt fühlen sich viele Mitarbeiter im Rettungsdienst am Limit. Vogel kann die Einwände verstehen: "Das Fachpersonal fehlt, das ist wirklich ein Riesenproblem." Dazu kommt, dass der Anteil an ehrenamtlichen Einsatzkräften sinkt. Im ländlichen Bereich engagieren sich Menschen gerne als Sanitäter oder bei der Feuerwehr. Aber in der Stadt sind die Möglichkeiten vielfältiger. Außerdem sind im Rettungsdienst die Anforderungen an Ehrenamtliche inzwischen so gestiegen, dass viele passen müssen.

"Es wäre wichtig, dass die Hilfsorganisationen sozusagen auf Reserve ausbilden könnten, damit es genug Fachpersonal gibt. Aber es ist gesetzlich geregelt, wie viele Nachwuchskräfte jeweils ausgebildet und über ein Budget finanziert werden können", bedauert Vogel. Trotz allem, die Freude über die zusätzlichen Stunden überwiegt. Klaus Trump vom BRK ist zuversichtlich, alle neuen Schichten besetzen zu können. Noch wissen die einzelnen Rettungsorganisationen auch noch gar nicht, wie viel sie jeweils vom neuen "Stunden-Kuchen" genau abbekommen. Das wird erst nach dem Ende der Ausschreibung im Herbst feststehen. Bis dahin regeln das die Beteiligten einvernehmlich untereinander.  

Karin Winkler

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