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517 Millionen Euro: Frankenschnellweg wird immer teurer

Altlasten-Entsorgung geht ins Geld - Verzögerung durch Stadtbahn-Aus? - 24.11.2017 05:58 Uhr

Während die Kosten bereits auf über 500 Millionen Euro beziffert werden, steht der genaue Baubeginn des kreuzungsfreien Frankenschnellwegs immernoch in den Sternen. © Stefan Hippel


"Frankenschnellweg und kein Ende: Die neueste Zahl lautet 260 Millionen Euro." Das schrieben die Nürnberger Nachrichten vor neun Jahren. Seitdem mussten die Kosten immer weiter nach oben korrigiert werden. Im Jahr 2010 wurde der Preis für den kreuzungsfreien Ausbau des Frankenschnellwegs auf 390 Millionen Euro geschätzt. Die erste richtige Kostenberechnung von 2012 taxierte das Vorhaben dann schon auf 449 Millionen Euro. Zuletzt war immer von rund 500 Millionen die Rede.

Aktuell geht die Stadtverwaltung davon aus, dass das umstrittene Straßenprojekt insgesamt 517 Millionen Euro verschlingen wird - wovon ein großer Teil wahrscheinlich über Zuschüsse finanziert werden wird. Das geht aus den Unterlagen zu den Haushaltsberatungen des Stadtrats hervor, die heute im Rathaus beginnen. "Jedes Jahr Verzögerung kostet uns Geld", sagt Bürgermeister Christian Vogel (SPD), in dessen Zuständigkeit der Frankenschnellweg fällt. Jedes Jahr schlägt die Stadt in ihren Haushaltsplanungen deshalb vier Prozent drauf. Das sei eine realistische Annahme, fährt Vogel fort. Die vier Prozent beruhen auf Zahlen zu Kostensteigerungen bei Bauprojekten, die das statistische Bundesamt erhoben hat.

Altlasten auf dem N-Ergie-Gelände

Dass die Kosten zuletzt noch einmal um eine knappe Million Euro gestiegen sind, ist der Entsorgung von Altlasten auf dem N-Ergie-Gelände in Sandreuth geschuldet. Deshalb hat die Verwaltung 992.000 Euro mehr für den Mittelfristigen Investitionsplan beantragt als ursprünglich geplant. Auf dem N-Ergie-Areal, das an den Frankenschnellweg angrenzt, wurden Giftstoffe im Boden gefunden.

Das nährte die Befürchtung: Wird am Frankenschnellweg gebuddelt, könnten die Schadstoffe ins Grundwasser gelangen. Die Regierung von Mittelfranken hat der Stadt deshalb die Auflage gemacht, dass der Boden saniert werden muss. Der Ausbau des Frankenschnellwegs wird von den großen Fraktionen im Stadtrat mitgetragen. Die kleineren Parteien machen in ihren Anträgen für den Haushalt immer wieder ihre Ablehnung deutlich.

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Ein Mammutprojekt: Die lange Geschichte des Frankenschnellwegs

Bereits in den 20er Jahren kam die Idee einer "neuzeitlichen Schnellstraße" zwischen Nürnberg und Fürth auf. Etwa 30 Jahre später lagen die ersten konkreten Pläne für den Bau des heutigen Frankenschnellweg vor - ein zur damaligen Zeit kolossales und millionenschweres Projekt.


Parteien ringen um Einigung

Linke Liste, ÖDP und die beiden Stadträte der Piraten und der Guten beantragen auch in diesem Jahr, für das Projekt mittelfristig kein Geld lockerzumachen. Und die Grünen lehnen es ab, dass eine ganze Reihe von befristeten Stellen bei der Verwaltung, die im Zusammenhang mit dem Ausbau des Frankenschnellwegs stehen, verlängert wird. Der Grund: Der Startschuss für den Beginn des Baus sei noch offen, argumentiert die grüne Fraktion. Es sei nicht absehbar, wann eine Einigung der Parteien "Für" und "Wider" vorliegen werde.

Die Parteien "Für" und "Wider" - das sind Stadt und Bund Naturschutz, die um eine außergerichtliche Einigung ringen. Bürgermeister Vogel hofft, dass die Umweltverträglichkeitsstudie, auf deren Basis der Bund Naturschutz dann ein Mitgliedervotum einholen will, noch in diesem Jahr vorliegt.

Der Grund für die weitere Verzögerung ist das unerwartete Aus für die Stadtbahn nach Kornburg. Laut Vogel muss jetzt sicherheitshalber geprüft werden, ob sich die prognostizierten Verkehrsströme durch das Stadtbahn-Aus so stark ändern, dass dies für das Gutachten von Bedeutung sein könnte.

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Frankenschnellweg soll ausgebaut werden: Das sind die Pläne

"Weniger Stau, weniger Umweltbelastung und ein grüner Tunneldeckel": Mit diesen Worten wirbt die Stadt Nürnberg für den kreuzungsfreien Ausbau des Frankenschnellwegs. In einer Ausstellung zeigen Grafiken, wie die verschiedenen Abschnitte einmal aussehen könnten. Wir haben sie in einer Bildergalerie zusammengefasst.


 

Sabine Stoll

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