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8000 PS in Bewegung setzen

Ausbildung zum Lokführer – und zur Lokführerin - 01.06.2013 07:00 Uhr

Yücel Bulak und Jennifer Krautwurst sind auf dem Weg, Lokführer beziehungsweise Lokführerin zu werden. Genau das Richtige, finden sie. © Eduard Weigert


„Mir gefielen Züge und Autos schon immer. Mit Barbie-Puppen konnte ich nichts anfangen und gespielt habe ich nur mit Jungs“, sagt Jennifer Krautwurst. Sie ist im ersten Ausbildungsjahr zur Lokführerin – genauer gesagt: zur Eisenbahnerin im Betriebsdienst Fachrichtung Lokführer/Transport bei der Bahn.

Die 16-Jährige hat auch schon eine Vorliebe: die E-Lok der Baureihe 146. Ihr Kollege Yücel Bulak, 21, stimmt ihr da voll zu. „Die sieht super sportlich aus, hat eine Scheibenbremse, ist ganz modern.“ Selbst fahren darf

Jennifer aber noch nicht. Zuerst gibt es im Blockunterricht in der Berufsschule und bei der Bahn viel zu lernen, über Wagentechnik etwa. Zu Beginn des zweiten Lehrjahres stehen dann die Loks auf dem Plan, um einige Monate später – endlich, endlich – zum ersten Mal unter Aufsicht ein Triebfahrzeug führen zu dürfen.

„Das ist eine riesige Verantwortung“, sagt Yücel, der sich bereits im dritten Ausbildungsjahr befindet. „Aber es ist ein unglaubliches Gefühl, wenn man zum ersten Mal einen Zug mit 8000 PS und etwa 200 Tonnen Gewicht in Bewegung setzt. Zunächst muss man alle Sicherheitsvorkehrungen kontrollieren, dann die Bremsen lösen und anschließend mit dem Fahrhebel die Geschwindigkeit vorwählen.“ Yücel: „Es ist schon faszinierend, wie man mit wenigen Handgriffen so viel Masse ins Rollen bringen kann.“

Jennifer freut sich auf ihre erste Fahrt. Aber schon ihre bisherige Ausbildung findet sie spannend. „Die Arbeit ist abwechslungsreich. Wir lernen in verschiedenen Seminaren bei der Bahn sehr praxisbezogen, durften beispielsweise auch schon Bremsproben machen.“

Für die Auszubildende ist seit dem siebten Lebensjahr klar, dass sie Lokführerin wird. Und sie empfiehlt den Beruf durchaus auch anderen Mädchen. „Wenn man technisch was drauf hat, klappt das –auch in der Zusammenarbeit mit den Jungs. Wir fragen sie schon manchmal um Rat, sie uns aber auch!“

Personalreferentin Miriam Schwarm kann ihr da nur zustimmen. „Die Mädels sind so gut wie die Jungs – manchmal sogar besser. Voraussetzung für die Ausbildung ist der Quali.

Die Bewerber sollten gute Noten in den naturwissenschaftlichen Fächern haben und bereit sein, Schichtdienst zu leisten. Züge fahren etwa bis 2 Uhr nachts und dann wieder ab 4 Uhr.“ Die Vergütung erfolgt nach Tarif:

Ein Auszubildender verdient im ersten Jahr 732,30 Euro, im dritten sind es 851,05 Euro. Auch Kommunikation ist ein wichtiges Thema. „Wir informieren, wenn es Unregelmäßigkeiten gibt, beispielsweise ein Zug ausfällt, und teilen mit, welche anderen Reisemöglichkeiten es gibt“, erklärt Yücel. Gerade hat er zwei Bahnkundinnen im Nürnberger Hauptbahnhof liebenswürdig und freundlich Auskunft gegeben.

Nach der dreijährigen Ausbildung müssen die jungen Leute bei der Bahn noch den Eisenbahnfahrzeugführerschein machen. Selbstständig eine Lok bedienen dürfen sie aber erst mit 20 Jahren. „In der Zwischenzeit arbeiten sie als Kundenbetreuer oder als Lokrangierführerin“, so Miriam Schwarm. Die Chancen, nach der Prüfung von der Bahn übernommen zu werden, sind mit über 90 Prozent sehr hoch. In diesem Jahr haben alle ein Angebot erhalten. Yücel verfolgt noch andere Pläne: „Ich möchte die Meisterprüfung machen und dann selbst einmal Ausbilder werden.“

Wer sich für den Beruf des Lokführers oder eine andere Ausbildung bei der Bahn interessiert, kann sich am 13. Juli von 10–14 Uhr in der Ausbildungswerkstatt, Conradtystr. 13, umschauen. Weitere Infos auf www.deutschebahn.com/karriere oder direkt bei Miriam Schwarm, 0911/219-5544, miriam.schwarm@deutschebahn.com. Auch die DB Schenker Rail Deutschland bildet aus (Lieselotte Maiß, lieselotte.maiss@dbschenker.eu, 0911/ 219-49092). Außerdem: www.arbeitsagentur.de (Berufenet)


  

Elisabeth Porzner-Reuschel

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