Freitag, 22.09. - 07:59 Uhr

|

zum Thema

"Alle Profis haben auf eine Fortsetzung gewartet"

District-Ride-Chefplaner Aaron Chase im NZ-Interview - 27.05.2011 15:57 Uhr

Chase ist Profi-Fahrer, hat sich aber auch mit dem Streckenbau in Bikeparks einen Namen gemacht. © privat


NZ: Aaron, wie kommt es, dass du dieses Jahr nicht als Fahrer, sondern als Chefplaner nach Nürnberg zurückkehrst?

Aaron Chase: Ich konzentriere mich schon seit einigen Jahren immer mehr aufs Streckenbauen. Als ich gehört habe, dass der District Ride zurück nach Nürnberg kommt, habe ich mir nichts sehnlicher gewünscht, als den diesjährigen Kurs planen und entwickeln zu dürfen. Dann rief mich Tarek Rasouli (Sportdirektor des District Ride, Anm. d. Red.) an und ich musste keine Sekunde überlegen, ob ich zusagen soll oder nicht.

NZ: Ist nicht trotzdem ein bisschen Wehmut dabei, dass du nicht noch einmal die Chance hast, den Erfolg von 2005 zu wiederholen?

Chase: Nein, nicht wirklich. Ich werde den Kurs zumindest mal Probe fahren, aber ich habe mein Limit langsam ausgereizt. Ich bin jetzt 32 und obwohl ich weiß, dass ich alles fahren kann, was ich für den District Ride geplant habe, glaube ich, dass es viele andere gibt, die motivierter sind, Höchstleistungen zu bringen und deswegen auch bessere Tricks zeigen werden.

NZ: Der Sport hat sich in den vergangenen Jahren enorm weiterentwickelt. Welche Tricks werden wir dieses Jahr zu sehen bekommen?

Chase: Beim District Ride geht es um den Gesamtsieg der Freeride Mountainbike World Tour. Vermutlich werden wir Sprünge sehen, die zuvor noch nie auf einem Wettbewerb gezeigt wurden. Ich weiß, dass Cameron McCaul einen Superman Frontflip (Vorwärtssalto, bei dem der Fahrer gleichzeitig die Füße nach hinten streckt) springen kann. Bisher kann das auf zwei Rädern noch keiner. Was wir auf jeden Fall zu sehen bekommen, sind Double Backflips (doppelte Rückwärtssalti) oder Triple Tailwhips (das Rad wird unter dem Körper drei Mal hintereinander um sich selbst gedreht).

NZ: Wie unterscheidet sich der diesjährige District Ride von den vorhergehenden hinsichtlich des Niveaus der Fahrer?

Chase: Das Niveau war 2005 und 2006 nicht annähernd so hoch, wie es heute ist. Damals ging es darum, ob man die Sprünge überhaupt springen kann. Die Wahrscheinlichkeit, dass man den Sprung ohne Sturz überwinden konnte, lag bei 50 Prozent. Heute stellen sich die Fahrer die Frage, welchen Trick sie springen wollen.

Bilderstrecke zum Thema

District Ride 2005 in Nürnberg

Der Mountainbike-Wettbewerb feierte 2005 Premiere in Nürnberg. Rund 40.000 Zuschauer verfolgten das zweitägige Spektakel in der Innenstadt.


NZ: Hast du schon einen Favoriten ausgemacht, der den District Ride 2011 bzw. die Gesamtwertung gewinnen könnte?

Chase: 2005 und 2006 gab es potenziell drei Fahrer, die den Sieg unter sich ausgemacht haben. Heute könnte ich auf Anhieb zehn Sportler nennen, die es ganz oben aufs Podium schaffen könnten. Aber die Saison hat gerade erst angefangen, deswegen ist es noch zu früh, konkrete Namen zu nennen.

NZ: In der Szene hat der District Ride einen legendären Ruf. Was haben die anderen Profis gesagt, als sie erfahren haben, dass die Veranstaltung nach Nürnberg zurückkehrt?

Chase: Alle waren begeistert. Sie haben seit Jahren auf eine Fortsetzung gewartet. Gleichzeitig haben sie aber Forderungen gestellt. 2005 und 2006 konnte man den Fahrern alles vor die Nase stellen, was nach Hindernis aussah. Aber mittlerweile herrscht ein gewisser Standard, den die Profis auch in Nürnberg haben wollen. Das sind Erdhügel und große Sprünge, keine Hindernisse im Skatepark-Format. Das macht den Slopestyle-Sport heute aus.

NZ: Beim ersten District Ride waren noch Fahrer vertreten, die jetzt nicht mehr mithalten könnten. Wie hat sich der Sport deiner Meinung nach seit 2005 entwickelt?

Chase: Slopestyle, die Sportart, die wir auf dem District Ride zu sehen bekommen, hat sich in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt. Während es im Downhill-Sport vor allem darum geht, so schnell wie möglich den Berg hinunter zu kommen, versuchen Slopestyler, eine Strecke flüssig durchzufahren, dabei aber jede Menge Tricks zu machen. Für Downhill gibt es nur die eine richtige Strecke und es gibt auch nur einen Gewinner. Im Slopestyle dagegen hast du die Wahl zwischen vielen verschiedenen Wegen und Arten, die Strecke zu bewältigen. Du fühlst dich auch als Fünfter wie ein Sieger, weil du kein Profi sein musst, um ganz vorne mit dabei zu sein. Im Downhill-Sport geht es auch viel disziplinierter zu als bei uns. Wir können auch mal lange feiern und trotzdem noch gut springen.

NZ: Ist der Slopestyle-Sport risikoreicher geworden, seit die Sprünge und Hindernisse immer weiter und größer werden?

Chase: Ja und Nein. Als Mitglied der Freeride Association ist einer meiner Jobs, alle Strecken, alle Hindernisse und alle Sprünge sicherer zu machen. Auch das Material wie Fahrräder und Schutzausrüstung werden weiter verbessert. Der Sport ist für den Einzelnen aber nur sicher, so lange er sich nicht selbst überschätzt. Aber die Sportler fahren mittlerweile bedachter. Schließlich wollen sie das ganze Jahr über fahren können und nicht wegen Selbstüberschätzung für den Rest der Saison ausfallen.

NZ: Bei Wettbewerben wie dem District Ride sind Frauen höchstens schmückendes Beiwerk bei der Siegerehrung. Warum setzen sich Frauen in diesem Sport nicht durch?

Chase: Das ist eine gute Frage. Es gibt ein paar Frauen, die genauso wie wir über die Erdhügel springen und auch gute Tricks draufhaben, aber bis zu Wettbewerben hat es leider noch keine geschafft. Andererseits ist der Sport noch relativ jung. Bei den acht Jahre „älteren“ Sportarten, wie Downhill oder Snowboarden, fahren bereits viele Frauen sehr erfolgreich bei Wettbewerben mit. Slopestyle ist aber auch nach wie vor risikobehafteter als andere Sportarten.

NZ: Welche Erinnerungen verbindest du mit dem Sieg 2005 in Nürnberg?

Chase: Ich bin damals hier aufgekreuzt, ohne zu wissen, was mich erwartet. Ich habe schon bald festgestellt, dass ich wohl das falsche Fahrrad mitgenommen hatte. Alle fuhren vollgefederte Mountainbikes, ich nur ein Hardtail (Fahrrad mit Federgabel, Anm. d. Red.). Letztendlich ist die Rechnung irgendwie aufgegangen. Es war wohl eine Mischung aus Glück und dass ich total in meinem Element war. Das war definitiv der größte Erfolg in meiner Karriere.

 

Katrin Meistring

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Name:

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: nordbayern.de