Dienstag, 13.11.2018

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Als die Hugenotten nach Erlangen zogen

Geschichten hinter der Geschichte: BR-Serie „Das Bayerische Jahrtausend“ - 30.03.2012

Tatort Geschichte: Die BR-Serie zeigt einen Flüchtlingstreck der Hugenotten auf dem Weg nach Erlangen. © BR


In den ersten Minuten ist der Zuschauer leicht irritiert. Udo Wachtveitl, „Tatort“-Kommissar Franz Leitmayr aus Bayern, kriecht durch dichten Wald und man wartet darauf, dass er nach Ivo Batic ruft. Doch aus dem Dickicht brechen Ritter in Kettenhemden auf dicken Rössern.

Die erste der zehn 45-Minuten-
Folgen von „Das Bayerische Jahrtausend“ spielt im 11. Jahrhundert. Aufwendige historische Szenen und Animationen, dazwischen mehr als tausend Schauspieler und Komparsen, 35 Pferde, die tatsächlich wie „von früher“ aussehen, geben für den Geschichtsvermittler Udo Wachtveitl die Kulissen ab.

Kritik an der Obrigkeit

Es ist schnell vergessen, dass der Schauspieler hin und wieder in einer anderen Rolle glänzt, denn Wachtveitl geht in seinem Part als schelmischer Begleiter durch tausend Jahre absolut auf und weist deutlich auf das nicht immer humane Gebaren der Obrigkeit hin. Den Dombau zu Bamberg begleitet der Film in wichtigen Phasen, aber „Geschichte soll nicht das Gedächtnis beschweren, sondern den Verstand erleuchten“: BR-Intendant Ulrich Wilhelm hat den Machern der Serie mit dem Lessing-Zitat ein anspruchsvolles Motto vorgegeben, das sie ziemlich gut umsetzen.

Die Bücher für die Geschichtsreihe schrieb Christian Lappe von der Redaktion Geschichte und Gesellschaft des Bayerischen Fernsehens. Ihn haben die Historiker Hans-Michael Körner und Katharina Weigand beraten. Von Film zu Film wird ein neues Zeitalter abgearbeitet.

Ohne jedes Pathos bringt es die Serie fertig, Geschichte und Geschichten dank der Mitarbeit sozial kompetenter Historiker aus einer sympathischen „linken“ Weltanschauung heraus zu erzählen. Das macht es beispielsweise spannend, vom Nürnberger „Heiltumswesen“ zu erfahren. Dazu hatte sich der Rat der Stadt neben den Reichskleinodien die Lanze, die angeblich den Leib Christus’ durchbohrte, und ein Wunderschwert in seine Mauern geholt. Einmal im Jahr wurden die „Heiltümer“ öffentlich präsentiert, wer hinschauen wollte, musste zahlen und ein mit der „Heiltumsweisung“ verbundener 14-tägiger Markt spülte zusätzlich Geld in die Stadtkasse.

„Wenn es in Erlangen heißt‚ ,weltoffen aus Tradition‘, dann ist der bessere Teil seiner Geschichte schon sehr lange her“, erlaubt sich Kommentator Udo Wachtveitl als Resümee des Erlangen-Kapitels in der Serie.

Green Card für Franzosen

In dieser Folge geht es um die Hugenotten, denen der Bayreuther Markgraf Christian Ernst in Form der „Zuweisung“ eine frühe Green Card ausgestellt hatte — für ein 500 Einwohner zählendes Dorf. Mehr als dreimal so viele Fremde drängten unversehens in den Ort, wurden zwangseinquartiert bei Familien.

 
 

Den ausführlichen Bericht lesen Sie in der heutigen Ausgabe der NÜRNBERGER NACHRICHTEN

 


(„Das Bayerische Jahrtausend“ beleuchtet auch die Stadtgeschichte von Würzburg, Regensburg, Straubing, Augsburg, Ingolstadt und München. „Bamberg“ wird am morgigen Samstag ausgestrahlt, am 5. 4. folgt Nürnberg, Erlangen kommt am 8. 4., Fürth am 9. 4. ins Programm. Sendetermin jeweiuls um 22 Uhr im 3. Programm Bayern.) 

VON URSULA PERSAK

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