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Pfarrerin Ursula Kronenberg, die geschäftsführende Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde, räumt Gesangbücher in der imposanten Kirche in ein Regal. Als sie damit fertig ist, verlässt sie das Gotteshaus und sperrt ab. Das ist neu. „Kirchen sollten eigentlich offen sein“, findet sie und hält es für widersinnig, Gläubige oder Interessierte nur zu Gottesdienstzeiten in die Kirche zu lassen.
Doch Vorkommnisse seit vergangenem Sommer zwingen die Verantwortlichen in Altdorf nun dazu. Leider wurde das Öffnungsangebot der Laurentiuskirche immer wieder missbraucht. Das Gebäude wurde von Jugendlichen heimgesucht, die sich dort auf verschiedene Weise vergnügten, Zigaretten rauchten, das Inventar der Kirche durcheinander brachten oder Unrat hinterließen, wie die Pfarrerin beobachten konnte, die in unmittelbarer Nähe ihr Büro und ihre Wohnung hat.
Da es sich dabei meist um sehr junge Jungen und Mädchen handelte, 13-, 14-jährige, und auch um so manches Kind, das sie aus dem Schulunterricht kannte, wollte sie nicht, dass man gleich mit Kanonen auf Spatzen schießt. Immer wieder hat sie sich daher mit den Jugendlichen auseinander gesetzt, mit ihnen gesprochen, ihnen erklärt, warum man Fahrräder und Roller nicht mit in die Kirche nehmen darf, warum man zerbrochene Flaschen nicht auf den Stufen der altehrwürdigen Kirche liegen lassen oder Plakate der Kirche mutwillig abreißen kann.
Sie seien auch durchaus verständnisvoll und freundlich gewesen, was vermutlich an der verbindlichen Art der Pfarrerin lag, auf die Kinder zuzugehen. Nur genutzt hat es leider nichts. Als vor einigen Monaten ein in der Nähe befindliches Garagendach einfach abgedeckt worden war, damit man besser auf den Kirchplatz hochklettern konnte, und die Dachziegel später in der Regenrinne gefunden wurden, fanden die Verantwortlichen in der Kirchengemeinde, es sei genug, und erstatteten Anzeige.
Wer die Übeltäter bei dieser Sachbeschädigung waren, konnte man allerdings nicht nachweisen. Denn auch ältere Jugendliche, die sich nach dem Fußballspielen gelegentlich im Umfeld der Kirche aufhalten, und Besucher einer nahe gelegenen Kneipe verhalten sich nicht immer so, wie man es von vernünftigen Zeitgenossen erwartet.
Nun hat es erneut Zwischenfälle gegeben, die nicht mehr toleriert werden können, so Pfarrerin Kronenberg. Wie bereits in unserer Samstags-Ausgabe berichtet, haben sich Unbekannte kürzlich in der Kirche nicht nur völlig daneben benommen, sondern auch gefährliche Spielchen getrieben.
Sämtliche Teelichter, die für gelegentliche Kirchenbesucher bereit stehen, waren angezündet und anschließend quer durch den Altarraum geschmissen worden, so dass es durch das heiße Wachs allerlei Verunreinigungen gab.
Als besonders gefährlich wertet Kronenberg allerdings die Tatsache, dass auf der zweiten Empore ein Feuer entfacht wurde, Gesangbücher angekokelt und mit heißem Wachs übergossen waren, so dass auf dem Holzfußboden und den Kirchenbänken Brandflecken entstanden. „So etwas hat endgültig eine andere Qualität“, findet die Geistliche, die sich nun nicht nur über respektloses Verhalten in der Kirche ärgert, sondern auch sorgt, dass bei einem Brand noch mehr Schaden entstehen könnte.
Mit ihren Kollegen hat sie daher beschlossen, die Kirche tagsüber vorläufig zuzusperren. Ein Schild an den Türen des Gotteshauses erklärt, warum: „Sie wollen unsere Laurentiuskirche besuchen? Das war seither auch möglich. Doch leider gab es in den letzten Monaten Sachbeschädigungen, Verschmutzungen und andere Ärgernisse. Um noch mehr Schaden zu verhindern, bleibt die Kirche vorübergehend geschlossen.“
Natürlich hat man die Vergehen wieder bei der Polizei angezeigt, die dieses Mal die Spurensicherung einschaltete. Nach Aussagen des Altdorfer Polizei-Chefs Ludwig Fruth sind die Ergebnisse der Untersuchung noch nicht ausgewertet. Daher lässt sich noch nichts über den Ermittlungsstand sagen. Ende der Woche sollten mehr Resultate vorliegen, da wird es dann ein Gespräch mit den Vertretern der Kirchengemeinde geben.
„Ich will die Jugendlichen ja nicht kriminalisieren“, versichert Ursula Kronenberg, aber mit den jüngsten Vorkommnissen sei eben eine Grenze überschritten worden, und dieses Vorgehen könne man nicht mehr akzeptieren. Sie hoffe allerdings sehr, dass sich - wie auch immer - die Wogen wieder glätten mögen und Ruhe im Kirchenviertel einkehrt. Denn verschlossene Kirchentüren sind für sie allenfalls eine Übergangslösung.
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