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Die Victoria aus Erlangen will die Ernsthaftigkeit lernen

Über einen etwas anderen Verein

Zum ersten Mal überhaupt spielt Victoria Erlangen in der Kreisliga. Das, obwohl im Aufstiegsjahr kaum ein Training stattfand. Aber braucht man das überhaupt, mit einem Marek Mintal im Sturm?

Von Sasa Ciric (am Ball) bis Marek Mintal: Victoria hat prominente Kicker.

 / © Hofmann

John Fröhlich ist ein wenig aufgeregt. „So wie bisher“, sagt der Vereinsvorsitzende bei Victoria Erlangen, „kann es nicht weitergehen.“ Jetzt spielt man ja Kreisliga - und das mit den Trainingseinheiten, das hat sich überall hin herumgesprochen. Im Aufstiegsjahr fand ab der Winterpause keine einzige Einheit mehr statt, trotzdem stiegen die Fußballer souverän als Meister auf. Weil die Victoria eben nicht irgendeine Fußballmannschaft ist. „Die meisten Spieler akquiriere ich über die Firma“, sagt Fröhlich, der bei Adidas arbeitet. Und weil diese Firma weltweit sehr viel mit Fußball zu tun hat, wirft sie regelmäßig Ex-Profis oder Ex- Halbprofis für die Fußballer ab.

Dort läuft dann wie vor zwei Jahren schon einmal Marek Mintal in der Aufstiegsrelegation auf, 45 Länderspiele bestritt die Club- Ikone für die Slowakei. Oder Sasa Ciric. Oder, ganz neu dabei: Tomas Galasek, ehemaliger Kapitän der tschechischen Nationalmannschaft. Ganz so groß waren die Namen in der vergangenen Saison nicht – wenngleich in der Whatsapp-Liste, über die Fröhlich die Mannschaft zusammenhält, auch der Name Mintal noch steht.

Rund 60 Spieler gibt es theoretisch, 30 stehen aktiv bereit. „Wir fragen, wer es ins Training schafft – und wenn es weniger als zehn sind, dann sagen wir ab“, erzählt Fröhlich. Ab der Winterpause hat es kein einziges Training mehr gegeben – nur zum Spiel traf sich das Team, hier hilft eine Doodle-Liste. Die Spieltermine sind eingetragen, jeder Spieler hakt an, wann er kommen wird. „Das Prinzip ist und bleibt Freiwilligkeit und Spaß bei uns“, sagt John Fröhlich.

 Das soll auch in der Kreisliga so bleiben – wenngleich sie es nun mit ein wenig mehr Ernst probieren wollen. „Ohne Training“, sagt Fröhlich jedenfalls, „wird es nicht mehr gehen.“ In der Kreisklasse ging es ohne, weil die Spieler privat einen hohen Wert auf Fitness legen. Regionalliga- und Bayernligaspieler stehen im Kader, der wie gewohnt international ist. Trainer Andrew Walker war schon Profi in Finnland, Verteidiger Simon Frasch kickte zuletzt in Österreich in der dritten Liga, Stürmer Stephen Cleary traf in 14 Spielen 26 Mal. Abwerbeversuche gibt es seit einigen Jahren keine mehr, sagt Fröhlich, es hat sich herumgesprochen, dass die starken Spieler der Victoria nur dort unten Amateurfußball spielen, weil sie für ambitioniertere Ligen gar keine Zeit mehr haben.

 „Der Zusammenhalt“, sagt John Fröhlich, „ist trotzdem riesig.“ Auf den wird es auch ankommen, nun, in der Kreisliga. „Viele haben das mitbekommen, dass wir nicht einmal trainiert haben. Die wollen uns jetzt um jeden Preis besiegen.“ Dagegen stellen kann Fröhlich neben den „sehr guten Neuzugängen“ auch seine sehr erfahrenen Spieler – wenn auch nicht für alle 30 Partien. „Galasek weiß noch nicht, was er beruflich machen wird. Aber wir hoffen schon, dass er ein paar Mal mitmacht – vielleicht ja auch ein Spiel zusammen mit Marek Mintal?“ Das sollte doch unbedingt mal klappen, jetzt, wo die Victoria erstmals Kreisligist ist.

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