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Pascal Benes: Wenn Vereinstreue über Ehrgeiz siegt

Der Angreifer im Portrait

Stürmer Pascal Benes hätte in der Bayernliga Tore schießen können, ging aber zurück zu seinem Heimatverein SC Adelsdorf in die Kreisliga.

Pascal Benes im Training beim SC Adelsdorf.

 / © Thomas Hahn

Eigentlich ist für Pascal Benes der schlechteste Fall eingetreten, den es für einen leidenschaftlichen Fußballspieler geben kann. Im Frühling 2018 kämpft sein Verein, der ASV Vach, um den Aufstieg in die Bayernliga und der SC Adelsdorf, sein alter Verein, hat noch eine kleine Chance, den Abstieg aus der Bezirksliga zu verhindern. Und Pascal Benes muss sich in jenen Tagen entscheiden, ob er zum SC zurückkehren will. Ohne zu wissen, wie sportlich alles ausgeht. Tagelang ringt er mit sich, führt Gespräche mit Freunden, mit alten und neuen Weggefährten. Dann entscheidet er sich, nach nur einem Jahr Abwesenheit zu dem Verein zu gehen, bei dem er im Alter von fünf Jahren mit dem Fußball spielen angefangen hat: dem SC Adelsdorf. Der steigt am Ende der Saison tatsächlich ab – und der ASV Vach in die Bayernliga auf. Und trotzdem bereut Benes seine Entscheidung nicht.

Wer verstehen will, warum sie ihm so schwer gefallen ist, muss sich vor Augen führen: Die Bayernliga liegt unter der häufig schon halb-professionell geführten Regionalliga und ist deshalb für viele Amateurfußballer die höchste Spielklasse, die sie erreichen können. In der kommenden Saison hätte Benes gegen Traditionsvereine wie den Würzburger FV oder die Reserve der Würzburger Kickers Tore schießen können. Und es gibt wenig Zweifel, dass ihm das auch in der höheren Spielklasse gelungen wäre. 20 Treffer in 30 Spielen hatte er bereits in seiner ersten Landesliga- Saison erzielt. Mehr Tore gelangen keinem anderen ASV-Spieler.

In der Kreisliga waren Benes sogar noch fabelhaftere Torquoten gelungen: 29 Treffer in 29 Spielen in der Saison 16/17, 23 in 22 Partien in 15/16. „Ich habe sehr, sehr gern mit ihm zusammengearbeitet“, sagt Vachs Trainer Norbert Hofmann, der Benes zum ASV gelotst hatte: „Er ist technisch sehr stark, aber auch ein charakterstarker Fußballer und trainingsfleißig.“ Klar, dass er ihn gerne behalten hätte. Und es war auch nie der Plan von Benes, schon nach einem Jahr zurückzukehren. Er hat sich wohl gefühlt in Vach. Gut, am Anfang war es ungewohnt mit dem Auto statt dem Fahrrad zum Training zu fahren. Aber sonst? „Ich bin mit den Leuten gut ins Gespräch gekommen“, sagt Benes. Der ASV startete in der Landesliga Nordwest, das bedeutete weite Fahrten mit einem Reisebus. Der Stürmer fand das klasse. „Das war eine aufregende Geschichte. Es war reizvoll, neue Fußballplätze kennenzulernen.“ Nur ein einziges Mal ließ Trainer Hofmann den Stürmer auf der Bank, sonst stand Benes immer in der Startelf. „Er hat mich sehr weitergebracht, mir gezeigt, wie ich den Ball gegen Verteidiger besser verwerten kann“, sagt der Stürmer über seinen Coach.

Ein Trainer, der auf ihn setzt, ein neues Abenteuer vor der Tür – warum hat Benes sich dagegen entschieden? Eigentlich ist er ja nie wirklich aus Adelsdorf, dem Ort an dem er aufgewachsen ist, weg gewesen. Nicht nur, weil er sich viele Bezirksliga-Spiele des SC am Sportplatz angeschaut hat. „Mein Heimatverein stand immer hinter mir. Die Leute sind immer auf mich zugekommen, haben gefragt, wie es in Vach läuft“, sagt er. Auch während er beim ASV spielte, hat er, zumindest seit der Winterpause, das Frauenteam des SC trainiert. Den B-Trainerschein zu machen, ist das große Ziel. Bis spätestens Anfang 2020 wird es wohl dauern. Das alles neben der Bayernliga? Schwer einzurichten. „Trainer sein ist mir so wichtig, wie selbst zu spielen“, sagt Benes, der mit 24 Jahren noch weit vom Karriereende als Spieler entfernt ist. Und noch etwas hat Benes die Entscheidung erleichtert: Mit Andreas Mönius kehrte ein alter Freund von Bayernligist Jahn Forchheim zum SC zurück. „Ich habe mit Andi immer sehr gut auf dem Platz harmoniert, wir haben uns fast schon blind verstanden“, erzählt Benes. Mönius bildet gemeinsam mit Dennis Weiler, der ebenfalls vom Jahn kommt, das neue Spielertrainer-Duo. „Dennis kann mir noch viel beibringen“, ist Benes überzeugt, vor allem auf dem Trainingsplatz will er sich einiges abschauen. Das Jahr in Vach will er trotzdem nicht missen. „Für mich war es der persönliche Ehrgeiz, zu sehen, mir selbst zu beweisen, dass ich es auch außerhalb von Adelsdorf schaffen kann.“

 Das ist ihm geglückt, nur die Bayernliga würde ihn vielleicht noch einmal reizen. Viele andere Amateurfußballer, die das Potenzial hätten, höherklassig zu spielen, bleiben dagegen lieber bei ihrem Heimatverein. „Es gibt viele andere Spieler, die den Sprung schaffen können. Sie müssen sich nur trauen“, wünscht sich Norbert Hofmann. Aber im Amateurfußball, wo der Gang nach oben meist nicht gleichbedeutend mit mehr Geld und Ruhm ist wie bei den Profis, ist es nicht immer einfach, Spieler zu überzeugen, ihre Wohlfühloasen zu verlassen. „In ein paar Jahren interessiert es keinen, ob du Bezirks- oder Landesliga gespielt hast. Du musst schauen, was für dich wichtig ist. Und dass du zufrieden zurückschauen kannst“, findet Benes: „Ich würde es den Jungen empfehlen“, sagt er und hat nur eine Einschränkung parat: „Es sei denn, es muss ihnen ständig jemand in den Arsch treten.“

Für Adelsdorf ergibt sich eine kuriose Situation: In der Kreisliga hat der Verein eine bessere Mannschaft haben als zuletzt in der Bezirksliga. Mit Richard Steiner kam aus Forchheim noch ein Mittelfeldspieler mit Bayernliga- Erfahrung. Ein offizielles Saisonziel hat sich das Team noch nicht zurechtgelegt, der Torjäger aber schon: „Ich will den Abstieg so schnell wie möglich vergessen machen, für mich zählt nur der Aufstieg.“ Benes traut seinen Teamkollegen viel zu: „Wir haben viele gute Typen mit viel Potenzial.“ Vielleicht reicht das ja sogar eines Tages für mehr als Bezirksliga, aber dazu ist mehr als Talent nötig: „Man muss das Potenzial auch konstant abrufen können, sonst reicht es nicht für höher.“ 

Statt weiten Busfahrten wird es in der Kreisliga viele hitzige Derbys geben für Pascal Benes. Er wird wieder das Fahrrad nehmen. Er wird an der Erlanger Straße am Edeka abbiegen und zur Sportgaststätte radeln, er wird in der Kabine seine alten Kumpels begrüßen und sich das schwarzgelbe Trikot überstreifen. Und auf den Platz laufen, den er schon als Fünfjähriger kannte.

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