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Pokal nur noch Qual?

Eine Bestandsaufnahme im Kreis Erlangen/Pegnitzgrund

Der Pokal hat seine eigenen Gesetze. Löst diese Fußballerfloskel bei Verglei­chen zwischen Profis und hochklassi­gen Amateuren regelmäßig Vorfreude aus, steht sie in den niederen Ligen für einen veränderten Modus, der dem Wettbewerb bislang nicht zu alten Glanz verhelfen kann. Ein Stimmungs­bericht aus dem Kreis Erlangen-Peg­nitzgrund.

© Roland Huber

Vor 50 Jahren genoss der Pokal einen großen Stellen­wert bei den Hobby-Kickern, gerade weil der Ligaspielbetrieb noch nicht so flächendeckend organisiert war. In der Fränkischen Schweiz erinnern sie sich noch an zuschauerträchtige Auf­einandertreffen im Rudolf-Eberhard-Pokal, benannt nach dem ehemaligen Landrat des Altlandkreises Eber­mannstadt. Den oberfränkischen Hauptpokal stiftete Baron zu Gutten­berg: 1966 triumphierte die SpVgg Effeltrich.

Zurück in der Gegenwart, war Effel­trich einer von fast zwei Dutzend Aus­tragungsorten bei der Pokal-Qualifi­kation im Kreis Erlangen-Pegnitz­grund. Seit 2013 wird die erste Runde in Pokalform (vormals pro Spiel 30 Minuten, derzeit zwei Hälften á 30 Minuten) mit vier Mannschaften aus­gespielt. Die Idee dahinter: Den zuneh­mend unbeliebten Wettbewerb kom­primieren und den Klubs ermögli­chen, die Spiele in ihr jährliches Som­merturnier zu integrieren. Die Kon­kurrenz in Effeltrich gewann Kreis­klassist SV Poxdorf mit einem 2:0-Halbfinalerfolg über den Gastge­ber und dem selben Ergebnis im End­spiel über Kreisklassen-Ligarivale SV Langensendelbach. Die DJK Kers­bach komplettierte ein vermeintlich interessantes Feld naheliegender Nachbarklubs.

Trotzdem ist Poxdorfs Spielertrai­ner Florian Poesdorf mit dem Modus nicht zufrieden: „Wir hatten nach dem ersten Spiel nur zehn Minuten Pause und mussten gleich wieder antreten. Unser Gegner dafür hatte vorher über eine Stunde Wartezeit. Die Konstellation war in meinen Augen für beide Seiten nicht sinn­voll.“ Mit dieser Meinung steht Poes­dorf, so ist es dem vereinzelten Mur­ren zu vernehmen, nicht alleine. Tenor: Der eigentlich begrüßenswerte zusätzliche Wettkampftest in der Som­mervorbereitung verschlinge unver­hältnismäßig viel Zeit - selbst wenn das Starterfeld so lokal ausgesucht ist wie in Effeltrich. „Ich hatte den Ein­druck, sowohl unsere Gegner als auch die Schiedsrichter waren genauso wenig glücklich mit den Umständen“, konstatiert Poxdorfs Poesdorf. Ähnliche Erfahrungen hat Kreisligist 1. FC Burk gemacht. Nicht die Turnierform an sich, aber die Organisation stieß Coach Christian Martin auf. „Wir muss­ten um 13 Uhr vor Ort sein, die Auslosung dau­erte weitere 30 Minuten und dann gab es im Vor­spiel noch ein Elfmeter­schießen. Nach einein­halb Stunden bei 30 Grad Hitze ging es für uns los. Am Abend waren meine Spieler erle­digt.“ Nun waren Mar­tins Burker selbst der Ausrichter und ärgerten sich doppelt, weil kaum Zuschauer vorbeischau­ten. Welche Erkenntnis­se diese aus den sportli­chen Darbietungen gezo­gen hätten, wäre eine nächste Frage. A-Klas­sen-Aufsteiger Bammers­dorf gewann das Finale gegen Burk. Im nahegele­genen Hausen ließ Kreis­liga-Titelanwärter SV Buckenhofen, der im Endspiel den Heroldsba­chern im Elfmeterschie­ßen unterlag, nur eine verstärkte zweite Garde antreten. Der übrige Kader bestritt derweil ein Vorbereitungsspiel gegen den TSV Eber­mannstadt, der in Burk früh 0:3 ausgeschieden war. Kreisspielleiter Max Habermann wiederum findet, der Tur­niermodus habe sich bewährt. Nur ein Team sei kurzfristig ferngeblieben. „Die Termine waren seit langem bekannt“, tritt er dem Argument ent­gegen, die Teilnahme ließe sich schlecht kurzfristig mit dem Vorberei­tungsplan vereinbaren. „Die Auslo­sung kann künftig gerne vorab statt­finden, dann wissen die Mannschaf­ten, wann sie dran sind. Das Spiel um Platz 3 ist ja freiwillig“, bekräftigt der Funktionär das Entgegenkommen an die Vereine. Er wolle da nicht alles vor­geben.

Gerüchte, wonach die meisten Klubs den Pokal lieber komplett aus­lassen würden, hinter vorgehaltener Hand aber Sanktionen etwa durch Nichtberücksichtigung einer Spielver­legung fürchten, kommentiert Haber­mann so: „Die Teilnahme ist freige­stellt. Für Änderungswünsche bin ich offen, auf den Tagungen können wir gerne über Vorschläge sprechen. Zu Verbessern gibt es immer etwas.“ Ein lohnendes Ziel gibt der Titel des Kreis­meisters aus Verbandssicht in jedem Fall ab. So darf sich der amtierende Titelträger FC Herzogenaurach, ana­log zu den Amateuren in der 1. Runde des DFB-Pokals, auf bayerischer Ebe­ne versuchen und demnächst auf einen hochklassigen Vertreter aus Regional- oder Bayernliga freuen. Der­weil wird im Kreis (siehe Auslosung) schon Herzogenaurachs Nachfolger gesucht.

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