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Wagner: "Wir müssen jedes Spiel Vollgas geben"

Der FSV Bruck gewinnt in der Bayernliga zum vierten Mal in Folge

Am Ende wurden Normann Wagner und die Zuschauer am Spielfeldrand doch noch einmal nervös. Plötzlich wurde auch dieses Bändchen um den eigenen Arm wieder richtig wichtig. Denn die Frequenz der Blicke auf den tickenden Zeiger der Armbanduhren wurde immer kürzer und kürzer, nach dem Anschlusstreffer von Fulbert Amouzouvi in der 89. Spielminute. Kurz darauf hatten die Uhren aber schon wieder ausgedient — es war nur ein kurzer Spannungsaufbau, der Schiedsrichter hatte ein Einsehen und pfiff das Bayernligaspiel gegen den Drittletzten Erlenbach ab.

Normann Wagner (rechts) hat derzeit Freude mit seiner Elf.

 / © Harald Sippel

„Bis zum 2:1 haben wir es sehr gut gemacht, wir haben es dann vielleicht verpasst vorne den ganz entscheidenden, sauberen Ball zu spielen“, sagt Wagner. Der Trainer redete auch davon, „schon zu euphorisch gewesen zu sein“, und davon, „die Kette aufgelöst zu haben“ Das klang ein wenig so, wie das eben klingt bei Fußballtrainern. Den Finger in die Wunde legen, mahnen, so wie das einst Matthias Sammer immer gemacht hatte beim FC Bayern. Und so machte das am Samstag auch Wagner. „Es wurde dann nochmal spannend. Es kann ja immer nochmal einer reinrutschen.“ Am Ende ist dann aber keiner mehr ins Brucker Tor reingerutscht. Der 2:1-Sieg gegen den Drittletzten SV Erlenbach war der vierte Sieg in Serie, in den letzten sechs Spielen holte der FSV fünf Siege. Die Brucker Bayernliga-Achterbahnfahrt geht also munter weiter. Mitte Juli war der FSV in diesen Wagen eingestiegen. Und es ging erst einmal mit Maximalgeschwindigkeit nach unten. Nur einen Punkt aus fünf Spielen: Endstation Tabellenkeller: „Wir im Verein und auch im Umfeld haben das gut einschätzen können. Wir hatten eine kurze Vorbereitung, das war schwierig für uns. Außerdem hatten wir ein Auftaktprogramm mit Mannschaften, die nun allesamt im vorderen Drittel der Tabelle stehen“, sagt Wagner. Tatsächlich finden sich all jene Kontrahenten vom Anfang der Spielzeit – mit Ausnahme der DJK Ammenthal – auf den Plätzen eins bis sechs wieder.

Zum Halten kam der Brucker Achterbahnwagen erst einen Monat später, beim Heimspiel gegen Viktoria Aschaffenburg, und machte sich von dort in fast genau so rasend schneller Geschwindigkeit wieder in luftigere Höhen auf. „Wir hatten jetzt Gegner, die mit uns auf Augenhöhe sein werden und haben diese Spiele glücklicherweise alle gewonnen“, sagt Wagner. Aus den Tiefen des Tabellenkellers hat sich der Aufsteiger bis auf den neunten Platz vorgearbeitet – nach dem Sieg am Samstagnachmittag haben die Brucker mittlerweile auch sechs Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsrelegationsplatz.

Es ist ein Tabellenplatz, der wohl auch die eigenen Kräfteverhältnisse ganz gut wieder spiegelt. Gegen die Erlenbacher war der Aufsteiger nämlich das spielerisch etwas bessere Team, auch kämpferisch war der FSV auf der Höhe. So ergaben sich mehr Räume, Bruck geriet nicht wirklich unter Druck. Timur Zenginer gelang schließlich in der 20. Minute der Führungstreffer zum 1:0, als er von der Strafraumkante ins linke lange Eck abzog. Petrit Djonbalic erhöhte kurz nach der Halbzeitpause auf 2:0. Und auch danach ging – bis zum vermeidbaren Anschlusstreffer kurz vor Schluss — alles ruhig, geordnet und relativ emotionslos seinen Gang an der Tennenloher Straße.

Ein regnerischer Samstagnachmittag, qualmemde Zigaretten, ein leises Nuscheln der 100 Zuschauer, übertönt von Rufen und Schreien der Spieler auf dem Feld. Und dann – natürlich – auch wieder Aufregung nach einem Foul im Mittelfeld an Bastian Lunz: „Immer der gleiche. Schon das dritte Foul. Gib dem endlich die Gelbe Karte“, raunten die Zuschauer dann urplötzlich. Es waren eben die ganz normalen Rufe in einem ganz normalen Bayernligaspiel.

Die Brucker ihrerseits werden aber bestimmt nichts dagegen haben, dass endlich wieder Normalität eingekehrt ist, dass der Achterbahnwagen des FSV nun erst einmal zum Stehen kommt – im Tabellenmittelfeld. Nach den Teams des vorderen und unteren Drittels kommen jetzt nämlich die grauen Mäuse der Liga. Weiden, Gebenbach, Würzburger Kickers II – alles direkte Tabellennachbarn des FSV. „Auch der Tabellenletzte Amberg ist keine Laufkundschaft. In dieser Liga kann jeder jeden schlagen. Wir müssen jedes Spiel Vollgas geben, kämpfen, kratzen und beißen“, sagt Wagner. Vollgas gibt man normalerweise auch in der Achterbahn. Aber ein entscheidender Unterschied bleibt: Spaß macht es dort eigentlich nur bergab, und das wollen die Brucker definitiv vermeiden.