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Jasmin Halilic: Viel mehr als ein Trainer

Bereits in der elften Saison ist der 45-Jährige für den FC Bayern Kickers verantwortlich

Auch gegen den FC Hersbruck kann man mal verlieren, und das sogar verdient. Wenn die Einstellung nicht stimmt. Noch auf dem Platz zeigt der Trainer auf, woran es gelegen hat. 0:2. Es ist bereits die vierte Heimniederlage in der noch jungen Saison für die Bayern Kickers. Allerdings eine, über die sich Jasmin Halilic fürchterlich aufregen muss. Auf seine Art.

Jasmin Halilic trainiert Bayern Kickers in der elften Saison.

 / © Wolfgang Zink

Er flippt nicht aus und wirft auch keine Flaschen durch die Gegend. Stattdessen bietet Jasmin Halilic zeitnah eine betont sachliche Analyse an, der niemand widersprechen kann. Und der auch nicht viel hinzuzufügen ist. „Ich brauche nicht 95 Prozent und ich brauche auch nicht 98 Prozent“, sagt Jasmin Halilic zu seiner Mannschaft, „ich brauche 100.“ Der Bosnier, mittlerweile in der elften Saison für die Kleinreuther verantwortlich, lebt tagtäglich vor, was er auch von den anderen im Verein erwartet. 100 Prozent Identifikation, 100 Prozent Einsatz. Es passt einfach, zwischen ihm und dem Bezirkslisten, der sich in den vergangenen Jahren enorm entwickelt hat.

In der Vereinsgaststätte kann man auf neun Bildern relativ schnell nachverfolgen, was mit Bayern Kickers seit 2007, seit Jasmin Halilic‘ Verpflichtung, so alles passiert ist. Bezirksliga-Aufstieg 2010. Deutscher Futsal-Vizemeister 2011. Kreispokalsieger 2016. Und natürlich DFB-Integrationspreisträger 2012 und 2013. Auch dafür steht Jasmin Halilic. Der 46-Jährige ist viel mehr als ein Trainer – und genau deswegen schwärmen sie in der Mittelstraße so von ihm.

Achim Mletzko steht zu Beginn der zweiten Halbzeit hinter der Ersatzbank und verspeist genüsslich ein Bratwurstgehäckbrot mit Zwiebeln, sein verspätetes Frühstück und Mittagessen, wie der Vereinsvorsitzende erzählt. Vor sieben Jahren hat er sich dazu entschieden, sich für das schwierige Amt zur Verfügung zu stellen. Vor allem wegen: Jasmin Halilic. „Er ist einfach ein angenehmer, cleverer und intelligenter Trainer“, sagt Achim Mletzko, genau der Richtige also für Bayern Kickers, immer noch. Dass der Saisonstart ausgesprochen holprig verlief, sei bestimmt nicht seine Schuld, versichert der Vorsitzende, „Jasmin brennt für den Verein, Tag und Nacht.“ Auch am Sonntagnachmittag ist er mit ganzem Herzen dabei. Seine Coaching- Zone nutzt er weidlich aus, mal kniet er links vorn, mal rechts hinten im engen Quadrat, minütlich muntert er seine Spieler auf, denen nicht viel gelingen mag gegen Hersbruck. Nach drei Siegen in den vier Partien zuvor, darunter das 5:0 gegen den ASV Fürth am Donnerstag, wähnten sich die Bakis endlich auf dem richtigen, auf ihrem Weg. Jasmin Halilic merkt aber schnell, dass etwas nicht stimmt. „Hey Jungs, alles okay bei euch?“ ruft er hinein, „reißt euch mal zusammen.“ Als eine Flanke von der linken Seite hoch in den Fangzaun fliegt, muss er sich kurz sammeln. Trotzdem hört man von ihm kein böses Wort.

Fußball ist ihm wichtig, aber bei weitem nicht alles. Auch Achim Mletzko, der Vereinsvorsitzende, hat es der „Weitblick“ seines Trainer angetan, der auch sein Freund ist. Stundenlang, versichert der Grünen-Stadtrat, könne er mit Halilic zum Beispiel über Nahostpolitik diskutieren, also über Themen fernab des Sports. Der ja vor allem Freude bereiten soll.

Jasmin Halilic kann den Spaß am Spiel nach wie vor exzellent vermitteln oder ganze Systeme, seine fachliche Kompetenz ist unbestritten. Er war ja auch selbst ein außergewöhnlicher Fußballer. Seit 1976 lebt er in Nürnberg, seine Eltern stammen aus Bosnien. Bei Viktoria fing er einst an und schaffte es immerhin bis in die Bayernliga-A-Jugend des FC Herzogenaurach. Sogar bei der Spielvereinigung Greuther Fürth hat er später mal für ein Jahr sein Glück versucht, „aber es hat nicht ganz gelangt“, sagt Halilic. Also doch unterklassig.

Mitbegründer des FC Bosna

Um zu verstehen, was Jasmin Halilic für ein Mensch ist, genügt ein besonderer Eintrag in seiner Vita. 1995, nach dem Bürgerkrieg in seiner Heimat, hat er den FC Bosna mitgegründet, „als eine Art Anlaufstelle für die Leute, die hierher gekommen sind“, sagt Halilic. Dem Projekt fühlt er sich noch heute eng verbunden, auch wenn er sich längst woanders stärker einbringt. Der Vater von zwei Kindern und Spezialist für Tragwerksplanung hat auch bei Bayern Kickers entscheidend mitgeholfen, ein stabiles Gebilde aufzubauen.

„Die menschliche Komponente spielt hier natürlich eine größere Rolle“, sagt Halilic, deswegen fühlt er sich auch im elften Jahr „sauwohl“. Und auch im elften Jahr scheint er den Kleinreuthern ausgesprochen gutzutun mit seinem ruhigen, besonnenen Auftreten. Dass zurzeit einige fehlen, erwähnt er nur in einem Nebensatz. Es sind ja schließlich noch genügend andere da. „Mir geht es nicht nur um die Mannschaft, mir geht es um den Verein, man muss das große Ganze betrachten“, sagt Halilic. „Warum bin ich schon so lange hier bin? Weil es funktioniert. Weil ich es bis jetzt immer geschafft habe, die Ziele, die der Verein hat, zu erfüllen.“ In dieser Runde wäre der bloße Klassenverbleib wahrscheinlich schon als Erfolg zu werten, „es ist natürlich nicht einfach, wir sind unten dabei“, weiß Jasmin Halilic, als einige seiner Fußballer schon geduscht sind. Er nimmt sich noch auf dem Platz viel Zeit, um seine Geschichte zu erzählen, die ja mittlerweile auch die Geschichte des FC Bayern Kickers ist. Die Geschichte, wie Bezirksliga-Fußball auch funktionieren kann.

„Es gibt wahrscheinlich sehr wenige Trainer, die das hier auf ähnliche Art und Weise durchziehen würden“, sagt Jasmin Halilic, der so lange bleiben kann, wie er möchte. Entlassen werden sie ihn jedenfalls nicht; wenn es eines Tages nicht mehr passen sollte, „muss die Entscheidung von ihm kommen“, sagt der Vorsitzende Achim Mletzko. Sie wissen, was sie aneinander haben.