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Turinsky für Eisl - der SV Seligenporten unter neuer Führung

JHV des SVS: Neue Vorstandschaft gewählt Eventuell Ausgliederung der 1. Mannschaft

Am Freitagabend fand die alljährliche Jahreshauptversammlung des SV Seligenporten in dessen Sportheim statt. Wie jedes Jahr, gab es auch diesmal wieder zurückblickende Saisonberichte der Vorstandschaft und der Abteilungen, lebhafte Diskussionen und Neuwahlen. Ebenfalls auf dem Programm: Ehrungen dreier langjähriger Mitglieder und SVS-Gönner.

2. Vorsitzender Heinz Tischer (von hinten links) , 1. Vorsitzender Markus Turinsky mit der diamantenen Ehrennadel geehrt, ehemaliger Ehrenamtsbeauftragte Josef Lobenhofer, Walter Eisl mit Urkunde des Ehrenvorsitzenden (von unten rechts), Luitpold Lindner mit Urkunde der goldenen Ehrennadel und der Verbandsehrenmedaille in Gold

Nachdem der zu diesem Zeitpunkt noch 2. Vorsitzende Markus Turinsky die anwesenden Mitglieder kurz begrüßte, bat er um zwei Änderungen innerhalb des für den Abend geplanten Programmes. Neben einem Bericht des scheidenden 1. Vorsitzenden Walter Eisl, sollte am Schluss der Versammlung auch noch über das brisante Thema der Ausgliederung der ersten Mannschaft in eine GmbH beraten werden. Nach Einwilligung der Anwesenden folgte eine andächtige Totenehrung, bis schließlich Walter Eisl das Wort zum Bericht der Vorstandschaft übernahm. Gleich zu Beginn stellte Eisl klar, dass sein Vortrag „die letzte Rede sein wird, die ich machen werde“ und unterstrich dabei nochmals unmissverständlich, dass das Kapitel 1. Vorstand beim SV Seligenporten für ihn ab Freitagabend beendet sei.

Seine über ein Jahrzehnt lange Amtszeit beschrieb er als „größtenteils sehr erfreulich, in kleinen Teilen aber auch nicht“. Vor allem die Durchführung des Baus des neuen SVS-Sportheims habe „viel Kraft gekostet“, obwohl man die nötigen Rahmenbedingungen von Anfang an geschaffen habe. „Wir haben das Baubudget nicht überschritten, sondern alles eingehalten. Wie Viele glaubten, sind wir nicht auf den Knien vor der Gemeinde gestanden. Dagegen haben wir viel mehr in Eigenleistung gemacht, als geplant.“ Dass Thematiken wie der Lärmschutz und die Aussiedlung vom alten Sportgelände nach zwölf Jahren immer noch nicht abgeschlossen sind, ist laut Walter Eisl „traurig“. Mit der Aussiedlung direkt verbunden, ist auch die schon seit gefühlten Ewigkeiten auf dem Zettel der Vereinsverantwortlichen stehende Errichtung eines Kunstrasenplatzes. Eisl selbst sei aufgrund dieser Never-Ending-Story „ausgebrannt“, schließlich habe er sich „den Mund fusslig geredet“. Im letzten halben Jahr war das Thema in der Gemeinde außen vor. Dies steht exakt im Gegensatz zu Eisls Selbstbeschreibung „als kein Mensch von Ruhe und Stillstand“. Kritisch beäugte der scheidende Vorstandschaftsvorsitzende das Fehlen eines Bürgermeisters der Gemeinde und hinterfragte klar, ob der SV Seligenporten überhaupt eine Stellung in der Gemeinde habe.

Für Walter Eisl waren seine Amtsperioden „eine schöne Zeit, aber jetzt ist es Zeit, abzutreten“. Dem neuen Vorstand gab er die besten Wünsche für den zukünftigen Weg mit: „Ich wünsche den neuen Verantwortlichen ein glückliches Händchen und gute, richtige Entscheidungen zu treffen.“ Klar betonte Eisl schließlich, dass sein Rücktritt keine Auswirkungen auf das bis Ende 2019 laufende Sponsoring durch die Max Aicher Recycling GmbH habe: „Es bleibt bestehen, wie es ist.“ Im Anschluss fuhr Turinsky mit einem Jahresrückblick fort. Die „gut gelaufene“ Christbaumversteigerung, der Kinderfasching und das „Ägdschn-Fest“ seien allesamt gelungene Veranstaltungen gewesen. Nicht unerwähnt blieben auch die zwei Relegationsduelle mit der Viktoria Aschaffenburg, die ja letztendlich erfolgreich vonstatten gingen. Ein negativen Aspekt führte Markus Turinsky ebenfalls an: „Was mich extrem gestört hat, ist, dass das Oldtimertreffen ins Wasser gefallen. Es muss unser großes Ziel sein, es wieder aufzubauen“, gab Turinsky eine klare Linie vor. Vor vier Wochen habe es das größte Highlight des Jahres gegeben. Das Punktspiel gegen den TSV 1860 München wurde zwar „teilweise zum Chaos“, doch im Großen und Ganzen habe man die Mammutaufgabe mit zirka 100 Helfern „sehr sehr gut hinbekommen“. Sogar habe man einen handschriftlichen Brief bekommen, in dem sich ein weit angereister Mann für ein tolles Spiel bedankt habe, „wie wir dem großen TSV 1860 München Paroli geboten haben“, legte Turinsky dies als Beleg dafür aus, dass „der SVS auch außerhalb des Landkreises wahrgenommen wird“. 

Später folgten Berichte des Hauptkassiers Bettina Turinsky und des Ehrenamtsbeauftragten Josef Lobenhofers, der seine Aufgabenbereiche vor allem für den Nachfolger formulierte und wichtige, Gewohnheitsstatements wie „der Kern ist die Jugendarbeit“ und „Gemeinschaft schafft eine Menge“ im Raum platzierte. Auch Lobenhofer legte damit sein Amt nieder und wünschte dem SVS „eine gute Zukunft“. Nach der Genehmigung des Protokolls der letzten Mitgliederversammlung gab Walter Eisl den Berichterstatter der Kassenprüfung bei, der „es keine Beanstandungen gegeben hat“.

Fußballabteilungsleiter Horst Rödl berichtete über die wohl beliebteste Ballsportart Deutschlands, den Fußball. Dabei sprach er über die neuliche Regionalligatagung in Wendelstein, bei der laut Rödl „eine sehr gute Lösung gefunden wurde“. Für den Vorschlag die Regionalligenanzahl auf drei zu beschränken, zeigte er überhaupt kein Verständnis, müsste dann der „FC Memmingen über 650 Kilometer zum Auswärtsspiel nach Sachsen reisen“. Ebenso müsse man „schon am Donnerstag anreisen, wenn man am Freitagabend spielt“, sorgte Rödl für klare Verhältnisse. Insgeheim ärgere Horst Rödl die Zusammenarbeit zwischen den Mannschaften und die mangelhafte Förderung im Bereich der älteren Jugendmannschaften. Bis Mai habe man Zeit, eine A-Jugend zu melden und der Verbandsstrafe zu entgehen. Das vom Verband erwartete Schiedsrichterkontingent sei mittlerweile erfüllt. „Der traurige Punkt ist momentan die zweite Mannschaft und sollte sie am Sonntag nicht funktionieren, dann wird sie abgemeldet“, stellt Horst Rödl die Auflösung in Aussicht. Positiv beschrieb er das Existieren der dritten Mannschaft in der B-Klasse, „die den Aufstieg in die A-Klasse wieder verdient hätte“.

Neuwahlen

Einstimmig wurden Markus Turinsky als 1. Vorsitzender, Heinz Tischer als dessen Stellvertreter, Wolfgang Bartsch als Kassier, Stephanie Fruth als Schriftführerin, Heike Lächele als Gesamtjugendleiterin und Horst Rödl als Ehrenamtsbeauftragter ins neue Amt berufen. Als Beiräte wurden Frank Müller, Josef Bock, Dieter Meyer, Kerstin Dotzer, Karl Meier, Walter Eisl, Ela Matei und Martin Schlechter ebenfalls einstimmig gewählt. Der Wahlleiter Josef Lobenhofer wünschte abschließend allen „mit vollem Elan für den Verein zu kämpfen und arbeiten“. Bevor die Ehrungen anstanden, bedankte sich der neue 1. Vorsitzende Markus Turinsky für das entgegengebrachte Vertrauen und versprach: „Ich tu mein Bestes“, wobei er ein wenig ehrfürchtig beifügte, dass es schwierig werden würde, "dem Walter das Wasser zu reichen“.

Geehrt wurde zunächst die „originale Rakete“ Luitpold Lindner für 60-jährige Mitgliederschaft mit der goldenen Ehrenraute und der Verbandsehrenmedaille in Gold. Für langjähriges, aufopferungsvolles Engagement wurde der scheidende Ehrenamtsbeauftragte Josef Lobenhofer mit der silbernen und diamantenen Ehrennadel gebührend gewürdigt. „Es ist nicht in Worte zu fassen, was der Josef für den Verein geleistet hat“, hieß es von der Vorstandsseite. Die letzte Ehrung übernahm Horst Rödl und sprach von „sagenhaften Leistungen“ und von seinem besten Freund, Walter Eisl. „Was der Walter in den letzten zehn Jahren geleistet hat, hätte ich nie leisten können“, sprach Rödl seinen tiefen Respekt aus und überreichte ihm herzlich die Ehrenurkunde und den Titel des Ehrenvorsitzenden des SV Seligenporten, woraufhin sich die anwesenden Mitglieder erhoben und die Leistung Eisls mit langem Applaus rühmten. Eisl bedankte sich für die Ehrung, merkte aber auch an, dass er die ganze Entwicklung und dessen beinhalteten Aufgaben er „niemals alleine geschafft hätte“.

Nach diesen feierlichen Minuten kam der neu gewählte, erste Vorstand des SV Seligenporten, Markus Turinsky, auf das Thema der Ausgliedeung in eine GmbH zu sprechen. Ihm gehe es vorrangig darum, dass „der Verein gesichert ist“ und sehe dies wie Walter Eisl in einer GmbH für erfüllt. Dazu kam Eisl noch einmal an den Rednertisch und erläuterte noch einmal einige Prinzipien und Voraussetzungen solch einer Ausgliederung der ersten Mannschaft. In der Satzung müsse noch eine Änderung vorgenommen werden, um die nächsten Schritte einzuleiten. Man habe zwei Möglichkeiten zur Auswahl. Entweder man warte bis zur nächsten Jahreshauptversammlung, um diesen Punkt dann ins Programm einfließen zu lassen oder man setze sich noch einmal in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung zusammen, um möglicherweise die Satzung zu ändern. Diese soll nun am 17. November stattfinden. Mit dieser Einigung beließ man es an diesem späten Freitagabend und es kehrte Ruhe im Vereinsheim des SV Seligenporten ein.

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