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Seligenporten will gegen ambitionierte Schweinfurter "seine Hausaufgaben machen"

Regionalliga - Vorschau 15. Spieltag

Am 15. Spieltag der Regionalliga Bayern hat der Tabellensiebzehnte SV Seligenporten den Tabellenzweiten 1.FC Schweinfurt 05 zu Gast. Für die Klosterer ein dicker Brocken, schielt Schweinfurt schließlich mittelfristig in Richtung Profifußball.

Zuletzt hatte Seligenporten ungewöhnlich viel Grund zum jubeln. Jetzt kommt mit Schweinfurt ein großer Gegner ins Kloster.

 / © Sportfoto Zink

Gegen die Schnüdel wird es aller Voraussicht nach schwierig werden zu punkten, doch die Klosterer gehen aufgrund der zwei Siege gegen die SpVgg Greuther Fürth II und den FC Unterföhring mit mächtig Rückenwind in dieses schwere Heimspiel. Anpfiff ist in der MARena am Samstug um 14 Uhr nachmittags. Der 1.FC Schweinfurt erlebte seine erfolgreichste Zeit Mitte der 70er-Jahre, als der Mannschaft um Starspieler Lothar Emmerich beinahe der Aufstieg in die damalige Bundesliga glückte. So blieb der FC 05 in der zweiten Bundesliga, über die er auch nie hinaus kommen sollte. Heute spielt der FC Schweinfurt 05 in der viertklassigen Regionalliga Bayern und ist schon über ein Jahrzehnt vom damaligen Profifußball entfernt. In den nächsten Jahren will man in der unterfränkischen Stadt aber ins Profigeschäft zurückkehren und das Projekt Aufstieg in die dritte Liga vollenden. Für diese Ambitionen steht ein Mann: Markus Wolf. Der 49-jährige Unternehmer ist der Hauptverantwortliche beim Traditionsklub und fußballverrückt. Seine Firma Wolf Möbel sponserte auch schon den großen 1.FC Nürnberg und zierte dessen Trikot. Vor der Saison stellt man beim FC 05 die Weichen auf Profitum. Die Spieler sind allesamt Profis. Um den hohen Erwartungen gerecht zu werden, legte der 1.FC Schweinfurt 05 vor der Saison in puncto Neuzugänge ordentlich zu. Vom Drittligisten FSV Zwickau wechselten Verteidiger Patrick Wolf und Mittelfeldspieler Tobias Schlicht zu den Schnüdeln. Ein erfahrenes Duo, das genau die Profierfahrung besitzt, die in der Regionalliga benötigt wird, um oben mitzuspielen. Gleich ein Trio wechselte aus der Salzachstadt Burghausen in den hohen Norden des Freistaats. Mit Alex Eiban (Torwart), Dominik Weiß und Marco Fritscher (jeweils Mittelfeld) transferierte Schweinfurt drei gute Akteure zu sich. Aus Liechtenstein, vom FC Vaduz, kam Matthias Strohmaier, der Regionalligakennern vielleicht noch aus seiner Zeit bei den Bayern-Amateuren ein Begriff sein könnte. Mit Lukas Kling holten sie den bisherigen Kapitän des FV Illertissen an Bord. Talentiert ist sicherlich auch der 23-jährige Stürmer Florian Pieper, der sich den Schweinfurtern von der Reserve des TSV 1860 München II anschloss. Apropos 1860 München. Durch das Abrutschen der Münchner Löwen haben die Schweinfurter im Kampf um die Meisterschaft einen dicken Brocken vor die Nase gesetzt bekommen, gegenüber dem sich die 05er erst einmal durchsetzen müssen. Bei den momentanen elf Punkten Rückstand dürfte sich dies als äußerst schwierig gestalten. Die ersten vier Spiele gewann der FC 05 gegen die Teams aus Nürnberg, Eichstätt, Pipinsried und Augsburg. Im Anschluss ebbte die Euphoriewelle ein wenig ab, folgten Niederlagen gegen Bayreuth und den FC Bayern München II. Im weiteren Verlauf des ersten Saisondrittels spielten die Schnüdel remis gegen Burghausen, Rosenheim und Illertissen und gewannen jeweils 3:1 gegen den FC Memmingen und den SV Schalding-Heining. 3:1 lautete auch das Endresultat des Gipfeltreffens mit 1860 München vergangenes Wochenende, bloß war Schweinfurt diesmal die unterlegene Equipe. Auf Giesings Höhen mussten die Gäste trotz 35-minütiger Überzahl eine empfindliche Niederlage im Meisterschaftsrennen einstecken. Gegen den SV Seligenporten will das Team von Trainer Gerd Klaus (ehemaliger SVS-Trainer) wieder in die Spur finden. Dabei kann sich Klaus auf eine verlässliche, brutal variable Offensive verlassen, auf die die Klosterer genauestens aufpassen muss. Ein Mann, der für diese Torgefährlichkeit besonders steht: Adam Jabiri, 33 Jahre jung, mit neun Treffern Top-Torschütze der Regionalliga Bayern. Der Routinier verfügt im Sturm über alle brauchbaren Anlagen, wobei er seine Tempodefizite mit einer unglaublich robusten Spielanlage egalisiert. Auf den Flügeln wirbeln Marius Willsch und Steffen Krautschneider. Die Beiden verfügen über extreme Schnelligkeit, Tordrang und sind wahre Kilometerfresser. Die Fäden im Mittelfeld zieht ein in Seligenporten guter Bekannter aus alten Zeiten: Christopher Kracun, der gleichzeitig ein exzellenter Standardschütze ist. In der Rückwärtsbewegung hält Kapitän Marco Janz das Teamgefüge zusammen. Der erst 24-Jährige hat durch seine 158 Regionalligaeinsätze für sein Alter ein hohes Maß an Erfahrung und Abgezocktheit. Für Furore sorgt der FC Schweinfurt in den diesjährigen Pokalwettbewerben. Durch den Totopokalsieg vergangene Spielzeit durften sich die Unterfranken in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals mit dem Zweitligisten SV Sandhausen messen und schlugen diesen vor heimischer Kulisse sensationell mit 2:1. In der zweiten Runde wartet nun das Highlightspiel gegen die Eintracht aus Frankfurt. Doch nicht nur auf gesamtdeutscher Ebene läuft es rund. Auch im Totopokal Bayern stehen die Schnüdel bereits im Halbfinale, nachdem sie unter der Woche den Drittligisten SpVgg Unterhaching durch einen späten Pieper-Doppelpack eliminierten. Trainer Gerd Klaus verfolgt die Pokalauftritte euphorisch mit: "Der Pokal liegt uns ein bisschen. Wir haben erst einen Zweitligisten geschlagen, nun einen Drittligisten – um das Ganze komplett zu machen, müssen wir jetzt nur noch Frankfurt besiegen." In Vergleichen mit Seligenporten zeigte Schweinfurt in der Vergangenheit des Öfteren schon Nerven. Die Bilanz könnte fast nicht ausgeglichener sein. Jeweils drei Siege konnte jeder erringen, sechsmal endete ein Vergleich mit einer Punkteteilung. Die jüngere Bilanz entscheidet jedoch der 1.FC Schweinfurt für sich. Letztes Jahr gewannen die Unterfranken beide Aufeinandertreffen. In der MARena war es ein spektakuläres Match, das mit 2:4 aus Sicht der Seligenportener ausging. Die Klosterer sind momentan in einer recht guten Verfassung. Am vergangenen Dienstag gewannen die Mannen von Cheftrainer Roger Prinzen ihr Auswärtsspiel in Unterföhring mit 3:2 und brachen den Auswärtsfluch. Wie das Ergebnis selbstsprechend beweist, war dort nicht alles Gold was glänzt. In der ersten Halbzeit machten es die Klosterer stark, indem sie den Kontrahenten kaum Luft ließen und diesen teilweise belagerten. Die 1:0-Führung war zusammengefasst nur eines, nämlich verdient. In Durchgang zwei drehte sich das Blatt jedoch und Unterföhring stellte das Spiel auf den Kopf. Die Anfangsphase mit zwei Gegentreffern hatten die Klosterer schlichtweg verschlafen, doch dank toller Moral belohnten sich die Oberpfälzer spät, aber nicht zu spät mit dem Siegtreffer durch Julian Schäf. Prinzen sieht aber noch Verbesserungsbedarf bei seiner Mannschaft: "Gegen Schweinfurt müssen wir 90 Minuten lang konzentriert sein und dürfen uns keine Nachlässigkeit erlauben, um es Schweinfurt nicht einfach zu machen. Die Spieler konnten in Unterföhring einen Rückstand wett machen, haben das Spiel gedreht und dadurch das entscheidende Selbstvertrauen gewonnen. Wir wollen den 1.FC Schweinfurt ärgern." Zuvor hatte die Elf von Roger Prinzen ihr Heimspiel gegen die SpVgg Greuther Fürth II mit 3:1 für sich entschieden. Wenn es am Samstag gegen Schweinfurt mit dem dritten Sieg am Stück klappen sollte, wäre dies ein Novum für den SVS in der laufenden Spielzeit. Drei Siege in Serie gab es heuer bisher noch nicht. Prinzen ist trotz der Underdog-Rolle auf mindestens einen einfachen Punktgewinn aus: "Schweinfurt ist eine Profimannschaft, die machen nichts Anderes als trainieren. Sie verfügen über eine Wucht und Robustheit und haben gute Einzelspieler in ihren Reihen. Trotzdem haben wir die Möglichkeit da zu bestehen, wie wir es zum Beispiel im Spiel gegen die Sechziger gezeigt haben." Im Spiel müsse seine Mannschaft "variabel sein, ihre Hausaufgaben machen und den Gegner zu Fehler zwingen". Mit dem Kader und den vielen Neuzugängen ist Prinzen bislang hochzufrieden: "Die Neuzugänge sind ein Bestandteil der Mannschaft und haben einen Teil dazu beigetragen, dass es in die richtige Richtung geht. Es herrscht höherer Konkurrenzkampf im Team und nach der happigen Vorbereitung mit intensiven Trainingseinheiten sorgt die Breite des Kaders für Entlastung. Jede Woche zählen die Trainingsleistungen und manche Spieler sind dann etwas überrascht, dass sie zuhause bleiben müssen." Dabei sah es im Kloster auch schon ganz anders aus, als Übungsleiter Roger Prinzen nur mit 13 Spielern trainierte und gar nicht erst die Qual der Wahl hatte. Für das Spiel gegen die Schnüdel sind alle Spieler einsatzbereit.

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