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Tobias Eisgrub: "Brutale Kontraste trennen nur Kilometer"

Der Forchheimer leistet als Praktikant in Südafrika Hilfe für Jugendliche aus Armutsvierteln

Brasilien ist nur das jüngste Beispiel. Nach strahlend inszenierten Großveranstaltungen halten sich kritische Meinungen, dass vor allem in weniger reichen Gastgeberländern kaum etwas von der Begeisterung an der sportlichen Basis übrig bleibt. In Südafrika schickt sich seit 2010 eine deutsches Projekt dafür ein, mehr als nur die Erinnerung an die Fußball-WM zu bewahren. Mittendrin ein kickender Entwicklungshelfer aus Forchheim.

© Young Bafana

Township Lwandle ist eine jener heruntergekommenen Armuts-Siedlungen, die zu Zeiten der Rassentrennung in Südafrika entstanden sind - und gehört bis Weihnachten zur Arbeitsumgebung von Tobias Eisgrub. Bei Somerset West, knapp 50 Kilometer vom Zentrum der Metropole Kapstadt entfernt und bekannt für seine Weinberge, treffen zwischen den abgeriegelten exklusiven Wohnvierteln der privilegierten Bevölkerungsschicht und den verwahrlosten Gassen Welten aufeinander. Zusammen mit sechs weiteren Freiwilligenhat der 22-Jährige Anfang September ein Haus mit Alarmanlage bezogen.

Der BWL-Student hat sich zwischen Bachelor und Master für ein soziales, unbezahltes Praktikum der außergewöhnlichen Sorte entschieden. Zur Vorbereitung holte der Buckenhofener nützliche Ratschläge für einen längeren Auslandsaufenthalt im Allgemeinen ein und beschäftigte sich speziell mit Südafrikas Kultur. Die Realität freilich wirkt mit größerer Wucht. „Die Schere zwischen Arm und Reich, Schwarz und Weiß ist riesig. Innerhalb von Minuten und Kilometern bekomme ich teilweise ein brutales Kontrastprogramm zwischen abgelegenem Luxus und Wellblechhütten geboten, das Touristen und wohl auch die meisten Einheimischen nicht erleben.“ Tobias Eisgrub hat inmitten extremer Eindrücke, die von Ausflügen in die Natur noch ergänzt werden, eine Aufgabe. Zu Hause betreute er neben der aktiven Fußballkarriere als Verteidiger beim Bayernligisten Jahn Forchheim die Jugend im Heimatverein, nun ist er für die U18 der Soccer Akademie „Young Bafana“ zuständig. „Bafana“, das lernte Deutschland bei der WM 2010, ist nicht nur der Name der südafrikanischen Nationalauswahl, sondern bedeutet übersetzt so viel wie „die Jungs“.

Rund 100 dieser Jungs zwischen zehn und 18 Jahren stehen im Mittelpunkt eines Projekts, das der deutsche Gründer Bernd Steinhage mit weniger als einer handvoll hauptamtlichen Kräften aufgebaut hat. Die nicht-profitorientierte Organisation finanziert sich über Sponsoren und Spenden. Über Steinhage direkt lief auch Eisgrubs Bewerbung. Der Ausschreibung auf einem Internetportal folgten eine E-Mail, Lebenslauf mit Motivationsschreiben und Skype-Interview.

In der Fußballschule wird täglich trainiert. Nach jeder Einheit werden Essens-Portionen für eine ausgewogenere Ernährung verteilt, die zur Verfügung gestellten gebrauchten Schuhe zur Sicherheit wieder verwahrt. Mit Bussen werden die Spieler, die mittlerweile aus Townships bis Kapstadt kommen, hin- und zurücktransportiert. „Durch die Fahrerei bleibt viel Zeit auf der Straße liegen. Aber einen regulären Tagesablauf gibt es in Afrika sowieso nicht, es wird improvisiert“, erklärt Eisgrub. Trotzdem gibt es bei den Betreuern eine morgendliche Konferenz. Der Anspruch lautet, qualifizierte Übungen durchzuführen. Mehrere Mannschaften messen sich dank einer Klub-Kooperation im Spielbetrieb, im Ausnahmefall gelingt den besten Talenten aus der höchsten Juniorenliga sogar einmal der Sprung zu einem großen Klub.

Anstatt aber den Traum einer Profikarriere zu vermittteln, geht es viel mehr darum, Perspektiven für das ganze Leben zu schaffen. In einer örtlichen Schule erhalten die Fußballer, deren Sport im Vergleich zum ebenfalls weit verbreiteten Cricket noch immer als Beschäftigung der Unterschicht gilt, Englisch- und Matheunterricht. Im Gegenzug nimmt eine Gruppe Privatschüler im Akademie-Training teil. „Das finde ich sehr wichtig, weil der Austausch Hemmschwellen abbaut und Integration fördert“, sagt Eisgrub. Die Basiskommunikation für alle erfolgt über die universale Sprache des Balles. Zum Aufgabenbereich der Praktikanten gehört es, Spenden zu akquirieren. Eine aktuelle Aktion, die der Forchheimer mitgestaltete, soll für die nötige Aufmerksamkeit sorgen. Die Coaches treten in einen Wettbewerb um das kreativste Foto mit Aufklebern der Akademie, die virtuelle Fangemeinde stimmt ab. Obwohl die Internetverbindung nicht immer die beste ist. Hier entscheidet das Township auf Augenhöhe mit.

Wer wissen möchte, wie er „Young Bafana“ helfen kann, findet Informationen unter www.youngbafana.com.

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