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Club-U19: Alle zusammen gegen die nächste Katastrophe

Mit Zusammenhalt soll der Bundesliga-Verbleib realisiert werden

Die U19 des 1. FC Nürnberg kämpft mal wieder um den Bundesliga-Verbleib - und setzt dabei vor allem auf ihren Zusammenhalt.

Intakt, aber trotzdem in Abstiegsgefahr: Die U19 des 1. FC Nürnberg muss in der Rückrunde mindestens fünf Punkte aufholen – sonst geht es im Spätsommer ohne etliche Talente in der Bayernliga weiter.

 / © Sportfoto Zink

13 Spiele sind es noch. Nach der Vorrunde liegt die U19 des 1. FC Nürnberg als Vorletzter mindestens fünf Punkte hinter dem ersten Nicht-Abstiegsplatz. Erinnerungen werden wach an die Saison 2013/14. Die Schreie könnten dem 1. FC Nürnberg noch ein paar Anzeigen wegen Störung der Sonntagsruhe einbringen. Es schien sich in den 85 Minuten und etlichen Wochen zuvor einiges angestaut zu haben, was jetzt, in diesem Moment kurz nach halb eins, einfach rausmusste.

Wahlweise ein lang gezogenes „Jaaaa“ oder „Eddiiiie“ donnerte über den A-Platz, als die Saison für die Bundesliga-U19 zum Vorrundenabschluss zum zweiten Mal begonnen haben könnte. Beim ersten Mal deutete nicht viel auf eine komplizierte Saison hin; spätestens nach dem Derbysieg am 4. Spieltag schien die Gruppe von Daniel Wimmer endgültig angekommen zu sein in der neuen Spielrunde.

„Wir wussten, dass sie wahrscheinlich nicht Vierter oder Fünfter werden können, aber doch Neunter oder Zehnter“, sagt Andreas Bornemann, der Sportvorstand des Vereins, der sich am Sonntag zumindest die erste Halbzeit des wichtigen Heimspiels gegen den SV Wehen angeschaut hat. Wäre es erneut schiefgegangen, das wusste Bornemann natürlich auch, wäre der Bundesliga-Verbleib kaum noch zu realisieren gewesen. So aber dürfen sie wieder auf ein Happy End hoffen. Auch wenn es verdammt schwer werden dürfte, den elften Platz noch zu erreichen.

Dort ist aktuell der FC Augsburg notiert, mit fünf Punkten mehr als der Club. Am Sonntag sind beide Mannschaften im Sportpark Valznerweiher verabredet, „und dann“, sagt Nürnbergs Trainer Daniel Wimmer, „wollen wir natürlich nachlegen“. Beziehungsweise müssen sie fast, um den FCA da unten richtig mit hineinzuziehen. Der nächste Abstieg nach 2013, darin sind sich die Verantwortlichen einig, käme einer mittleren Katastrophe gleich.

Dass jetzt Erinnerungen wach werden an den schleichenden Niedergang von damals, ist normal, ebenso die Reaktivierung von Kausalketten, die man seinerzeit aufgestellt hatte, als es fast schon zu spät war. „Wir haben uns zu sehr auf den jüngeren Jahrgang verlassen“, meinte seinerzeit Reiner Zietsch, der zuständige Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, es fehlte in den entscheidenden Szenen trotz eines Niklas Stark, Patrick Erras oder Pascal Köpke an Abgeklärtheit und Durchsetzungsvermögen.

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt, hieß es nach dem sofortigen Wiederaufstieg, als es galt, das Aufgebot für die Bundesliga-Saison 2014/15 zusammenzubauen. Drei Jahre später ist es dennoch wieder passiert. Am Sonntag, beim 3:1 gegen Wehen, standen gleich sieben Fußballer mit dem Geburtsjahr 2000 in der Startelf, also sieben 17-Jährige – denen man besonders bis Mitte der zweiten Halbzeit anmerkte, dass der Sprung von der U17 in die U19 doch größer ist, als man vielleicht vermuten könnte.

Spätestens nach dem Ausgleich der Wehener in der 65. Minute zeigten die Nürnberger aber, zu was sie fähig sind. Und auch vorhaben, den aktuellen Widrigkeiten zu trotzen; erst am Mittwoch hatte sich Alexander Freitag, der Sohn von Michael Köllners Lebensgefährtin, ein Kreuzband gerissen, außerdem fehlten Tobias Stoßberger und Aaron Manu. Ihren Teamgeist konnten die Ausfälle aber nicht erschüttern, im Gegenteil.

Unmittelbar nach dem 1:0, letztlich einem Eigentor des Wehener Torhüters Niklas Kopf, hielten sie beim gemeinsamen Jubel vor der Ersatzbank das Trikot mit der Nummer 13 hoch – Alexander Freitags Trikot. Der Trainer Daniel Wimmer schwärmt auch deswegen vom Teamspirit, von der Moral. „Die Mannschaft“, sagt Wimmer, „ist voll intakt“, Hauptsache, sie halten zusammen. „Ob groß oder klein, ob alt oder jung, das interessiert nicht.“ Wichtig ist nur, was dabei herauskommt, wenn Große und Kleinere oder Junge und nicht wesentlich Ältere zusammen Fußball spielen. Die meisten Ergebnisse im bisherigen Rundenverlauf ließen auch Defizite erkennen, was sie mit Leidenschaft kompensieren wollen. So wie am Sonntag, als einer für den anderen da war, von der ersten bis zur letzten Minute.

Emotional am Limit

Besonders nach dem Ausgleich gingen die Nürnberger in jeder Hinsicht ans Limit, vor allem emotional. Bereits nach dem 2:1, per Kopf erzielt von Leonardo Zottele, brüllten sie sich ihren Frust von der Seele, nach dem 3:1 vier Minuten vor Schluss stürmten sogar einige Ersatzspieler den Platz, um so ihre Verbundenheit mit den anderen zu demonstrieren. Szenen wie in der 86. Minute „tun auch mal gut“, meinte Trainer Wimmer, der zuletzt ebenfalls ein wenig in die Kritik geraten war. Allerdings nicht intern.

„Dass er in der vergangenen Saison mit der U17 in die Bundesliga aufgestiegen ist, wird schnell vergessen“, findet Sportvorstand Bornemann, zu schnell. Wimmer ist genau der Richtige, soll das heißen, nach wie vor und jetzt erst recht. „Wir sind uns der Situation bewusst, aber die Jungs werden kämpfen und alles dafür tun“, sagt Wimmer nach dem erst zweiten Saisonsieg, „es war auch davor nicht alles schlecht, was wir gemacht haben.“ Nach „Eddie“ Hinz’ finalem Abstauber ist auch Daniel Wimmer kaum zu halten. Gehört hat man allerdings nur seine Spieler.

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