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Luca Denk: "Manchmal spielen wir auch Monopoly"

14-Jähriger aus Döckingen lebt auf dem neuen Nachwuchs-Campus des FC Bayern

Luca Denk aus Döckingen lebt seinen Traum. Er spielt Fußball beim FC Bayern. Als 14-Jähriger in der U16-Mannschaft des Deutschen Rekordmeisters. Ein Besuch auf dem neuen Nachwuchs-Campus in München.

Familienbesuch: Hannelore und Peter Denk fahren regelmäßig nach München zu ihrem Sohn Luca.

 / © Bastian Mühling

Luca ist noch keine zwei Tage in München, da läuft er gegen einen Pfosten. Er geht gerade rückwärts Richtung Klubheim, redet noch mit einem Kumpel, dreht sich um – und zack, knallt er mit dem Kopf gegen eine Laterne. Sofort zum Doc, Luca ist der erste Patient im neuen Nachwuchs-Campus des FC Bayern, kommt aber mit Kopfschmerzen davon. Es sollte das einzige Malheur bleiben. Denn Luca Denk lebt in München seinen Traum.

Und dieser Traum ist der unzähliger Jungs in seinem Alter. Luca schlüpft jeden Morgen aus seiner FC-Bayern-Bettwäsche und geht zur Schule. Zugegeben, das ist vermutlich nicht gerade die Lieblingsbeschäftigung eines 14-Jährigen. Was Luca aber nach Schule und Hausaufgaben macht, davon träumen die jungen Kicker dieses Landes: Luca Denk spielt beim FC Bayern München Fußball. In der U16. Und das mit 14 Jahren.

Die nächsten Sätze klingen erst einmal ziemlich banal. Nicht aber, wenn man sich dazu denkt, dass dieser Kerl erst 14 Jahre alt ist: Luca Denk ist bereits 1,84 Meter groß. Er hat als defensiver Mittelfeldspieler die meisten Tore, nämlich zehn, erzielt. Er lebt ohne seine Familie in München. Und: Er wäscht seine Klamotten selbst. Dafür hat er seinen Wäschekorb mit den Initialen „LD“. Um das „LD“ auch auf dem Trainingsanzug zu bekommen, müsste er in der U17 spielen. Und selbst das war am Anfang der Saison gar nicht so abwegig.

Sein Trainer Danny Schwarz erklärt: „Als er zu uns kam, war schon klar, dass er die U15 überspringen wird.“ Warum? „Luca wäre in der U15 unterfordert gewesen und hätte ein Jahr verloren.“ Und: „Uns war klar, dass Luca ein großes Talent ist“, meint Schwarz. Lucas Qualitäten: „Athletik gepaart mit Technik und Torgefahr.“ Als der Trainer Luca zum ersten Mal Fußball spielen sah, dachte er sich: „Guter Innenverteidiger.“ Mittlerweile hat er ihn auf die Sechs gestellt, „damit er mehr im Geschehen dabei ist“.

Jetzt muss Luca in der U17-Bayernliga in jedem Spiel an seine Leistungsgrenze gehen. „Und das macht er bisher mit Bravour“, zeigt sich Schwarz zufrieden. Der Ex-Profi, der unter anderem für den TSV 1860 München aktiv war, ist voll des Lobes für den aus Döckingen stammenden Luca, der auch schon für den TSV 1860 Weißenburg gespielt hat: „In seinen jungen Jahren zeigt er eine große Präsenz und übernimmt große Verantwortung – auf und neben dem Platz.“ An einem Sonntag im November, die Sonne kämpft sich gerade zwischen den Wolken durch, kommt Luca vom Aufwärmen. Noch gut fünf Minuten bis zum Anpfiff des Spiels. Luca hangelt sich von Verwandtem zu Verwandtem, die alle wegen ihm nach München gekommen sind. Am Ende hebt er Luis, den kleinen Sohn seines großen Bruders Patrick, in die Luft. Ein Verwandter scherzt: „Der soll sich das Kreuz nicht verheben.“ Die Familie kommt so oft wie möglich nach München. Lucas Brüder, Patrick und David, schauen regelmäßig zu. Wer aber wirklich immer da ist, das sind seine Eltern: Peter und Hannelore Denk, in Weißenburg vor allem durch ihr Geschäft „Zweirad Denk“ bekannt. „Wir sind eigentlich immer dabei“, sagt Peter Denk. Bei Heimspielen fahren die Denks schon samstags nach München und übernachten bei Verwandten. Leicht war und ist es nicht für die Familie. Aber immerhin können sie fast alle Spiele anschauen. „Es war absolut die richtige Entscheidung“, sagen Peter und Luca Denk unisono mit Blick auf die Angebote, die Luca vorlagen: RB Leipzig, Augsburg, Stuttgart – etliche Bundesligisten wollten den 14-Jährigen vom 1. FC Nürnberg weglotsen, für den er fünf Jahre gespielt hat.

Tipps vom "Tiger"

Dass sich Luca für den FCB entschied, lag auch an Hermann Gerland. Obwohl Gerland bis Saisonende seinen Posten als Sportlicher Leiter des FC Bayern Campus ruhen lässt, da er derzeit als Co-Trainer bei den Profis gebraucht wird, schaut er ab und zu noch bei der U16 zu. Und sucht dabei auch den Kontakt zu Luca. „Er hat mir den Tipp gegeben, den ersten Kontakt vor dem Abschluss zu verbessern.“ Vor zwei Jahren dachte Luca auch nicht unbedingt dran, dass ihm eines Tages der „Tiger“ Ratschläge geben würde.

In München lebt Luca im neuen FC-Bayern-Campus, in den der deutsche Rekordmeister rund 70 Millionen Euro investiert hat. Die hochmoderne Sportanlage an der Ingolstädter Straße umfasst ein Areal von 30 Hektar und ist damit etwa viermal so groß wie die Klubzentrale an der weltberühmten Säbener Straße. Direkt neben Lucas Zimmer ist der Hausaufgaben-Raum und auf seinem Stockwerk wohnen die 14- und 15-Jährigen.

So oft wie möglich absolviert Luca am freien Mittwoch seine Extra-Einheiten an der Athletikwand. Zusätzlich zu den fünf Einheiten pro Woche, und da ist das Spiel noch gar nicht dazu gerechnet. Was er noch verbessern muss? Trainer Danny Schwarz denkt nach. Dann lobt er seinen Kicker erstmal. Aber: „In manchen Situationen muss er noch besser zwischen Risiko und Sicherheit abwägen und dynamischer auf den ersten zehn Metern werden.“ Das seien alles Sachen, „an denen wir intensiv mit ihm arbeiten“.

Vor 75.000 in der Arena

Unterhält man sich mit Schwarz, wird klar: Der Weg nach oben ist steinig. „Am Ende ist das Ziel, dass einer der Jungs vor 75.000 in der Allianz-Arena aufläuft.“ Das ist, wenn man so will, die Währung für Jugendtrainer beim FC Bayern. Aber: „Letztendlich ist auch entscheidend, wie sehr der Spieler das Ganze will. Man muss auf viel verzichten.“ Momentan ist das bei Luca vor allem die Familie. In München werden die insgesamt 29 in der Akademie lebenden Talente von einem fünfköpfigen pädagogischen Team betreut. Lucas Ansprechpartner Nummer eins ist Dr. Eva Zier. Die Diplom-Sportwissenschaftlerin meint: „Ich sehe mich als Schnittstelle zwischen Schule, Eltern und Trainer.“ Zier hilft Luca ebenso wie das Sportmanagement Herzog, das für das Toptalent unter anderem einen Vertrag mit Adidas ausgehandelt hat. „Wirklich in der Stadt war ich noch nicht“, erzählt Luca. Seine Freizeit verbringt er in der Players Lounge, dem Aufenthaltsraum, mit Billard, Tischkicker oder Fußball schauen. „Wenn mal nicht so interessante Spiele kommen, spielen wir manchmal auch Monopoly“, sagt Luca, der auch schon zweimal bei den Basketballern im Audi Dome war. Dafür muss er sich immer am Empfang abmelden. Und spätestens bis zur Bettruhe um 21.30 Uhr wieder daheim sein.

Die Realschule, die Luca in München besucht, ist fünf Minuten entfernt. Im Winter fährt er mit dem Bus, im Sommer mit dem Fahrrad. Und wenn er heimkommt, gibts Mittagessen. Gekocht von einem Team von Alfons Schuhbeck. Die Eingewöhnung war für ihn nicht schwer: „Mir gefällt’s sehr gut hier in München und beim FC Bayern.“ Er hatte aber auch einen Vorteil: Fünf junge Talente, mit denen er beim FC Nürnberg zusammen gespielt hat, sind mit ihm nach München gewechselt. „Ich hab’ hier alles, was ich brauche. Aber noch häufiger nach Hause zu kommen, das fehlt mir schon.“ Peter Denk dagegen meint: „Uns gegenüber sagt er eigentlich nie etwas übers Heimweh.“ Belassen wir es mal dabei: Auf einer Heimweh-Skala von eins bis zehn würde Luca fünf angeben.

Und ungefähr so viele Kilometer liegt Lucas großes Ziel entfernt. Während es zu seinem Heimatort Döckingen gute 150 Kilometer sind, hat Luca Denk vom Campus des FC Bayern München nur fünf Kilometer zur Allianz-Arena.