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Reiner Geyer: Ein optimistischer Trainer für die Profis von übermorgen

2017 kehrte der heute 53-Jährige nach 30 Jahren wieder zum Club zurück

30 Jahre sind eine lan­ge Zeit: 1988 verließ Reiner Geyer den 1.FC Nürnberg als Spieler, 2017 kehr­te er als Trainer der zweiten Mann­schaft zurück. "Am ersten Tag, als ich wieder hier anfing, da kamen schon viele Erinnerungen noch einmal hoch." Ein kleines Lächeln huscht in diesem Moment über das Gesicht des 53-Jährigen. Er war zwar lange weg, aber dass er eben doch ein Eigen­gewächs des Clubs ist, lässt sich nicht leugnen.

Reiner Geyer ist seit Juli Trainer beim FCN II und formt seine Spieler sowohl taktisch als auch mensch­lich.

 / © Zink / DaMa

1978 wechselte er mit 14 Jahren aus Röbersdorf bei Bamberg zum Club, durchlief B- und A-Jugend sowie die zweite Mannschaft, ehe er im Novem­ber 1983 gegen Eintracht Frankfurt erstmals für die Profis auflief. Eine Entwicklung, die an Niklas Stark, Patrick Erras oder Cedric Teuchert erinnert. Spieler genau so zu formen, dass sie der nächste Stark, der nächste Erras oder eben auch der nächste Geyer werden, das ist seit Juli 2017 seine Auf­gabe. Nicht zum ersten Mal in seinem Leben trainiert der Oberfranke eine Zweitver­tretung. Schon in Stutt­gart und in Fürth war dies seine Aufgabe. In Fürth? Als echter Cluberer? "Das blendet man aus. Man arbeitet ja dann täglich mit den Jungs, und es ist deine Aufgabe, die Spieler besser zu machen. Das ist dann dein Job, und den willst du so gut wie mög­lich machen, egal wo", sagt Geyer. Genau diese Professionalität dürfte einer der Hauptgründe sein, warum er es schafft, seine Spieler zu verbes­sern.

Wie gut ihm das gelingt, bewies er 2017. Philipp Hercher hatte sich unter seiner Anleitung von einem überzogen lässigen und launischen Offen­sivspieler zu einem konzentrierten Linksverteidiger entwickelt, ohne dass ihm im Zuge der Umschulung die Torgefahr genommen wurde. Offensivkraft Ma­nuel Feil hat in dieser Sai­son schon 13 Tore erzielt, nachdem er in den zwei Spielzeiten zuvor nur fünfmal getroffen hatte. Jonas Hofmann spielte in der Dreier­kette so routiniert, dass er wochen­lang bei den Profis mittrainieren durf­te. Die Liste der Verbesserten und Ver­besserungen ließe sich noch weiter fortsetzen.

Genau dies würde Reiner Geyer auch tun. Allerdings nicht, um sich selbst zu loben. Vielmehr achtet er genau darauf, niemanden aus dem Kollektiv heraus zu heben oder gar zu den Profis zu reden. "Konkrete Namen zu nennen, wäre auch denjeni­gen gegenüber unfair, die ich jetzt nicht nenne", beantwortet er die Fra­ge nach möglichen "Abgängen" zu den Profis.

Wenn es aber um seine Mannschaft im Ganzen geht, wird der meist eher nüchtern und rational wirkende Gey­er dann doch euphorisch und emotio­nal. "Das sind alles wunderbare Jungs", sagt er über seine U21 und lobt die Mannschaft, ihre Zielstrebig­keit, ihre Offensivkraft, ihre Entwick­lung in den letzten sechs Monaten. Die­se Entwicklung manifestiert sich letzt­lich auch in der Tabelle: Der 1.FCN II beendet 2017 als Zweiter der Regional­liga Bayern mit 55 Treffern.

Einen Großteil seiner Trainer-Lauf­bahn verbrachte Geyer als Co-Trainer von Armin Veh. Egal ob Frankfurt, Köln oder Stuttgart: Wo Veh hinging, ging Geyer mit. Jetzt aber haben sich die Wege getrennt. Dass Veh im Dezember 2017 Sportdirektor beim 1.FC Köln wurde, kommentierte Gey­er ironisch mit "da braucht er ja kei­nen Co-Trainer." Beim Club braucht Geyer als Chef­trainer inzwischen selbst einen Co-Trainer, und wenn er über den spricht, wird sofort wieder deutlich, was seine Hauptaufgabe ist: "Wir wol­len beim FCN Talente fördern und aus­bilden, und dazu gehören auch Trai­nertalente wie Fabian Adelmann. Für seine 26 Jahre ist er enorm weit. Ich bin froh, dass ich ihn habe." Wieder lächelt er, man spürt, die Aufgabe beim Club macht ihm Spaß, die Ent­scheidung, nach Nürnberg zurückzu­kehren, war die richtige, nicht nur weil die Distanz aus dem heimischen Adelsdorf nicht allzu weit ist.

Die Aussagen zu Co-Trainer Adel­mann sind typisch für Geyer. Wenn er über andere spricht, bleibt er positiv, egal, ob er Scout Dieter Nüssing für seine Fähigkeiten oder den gegneri­schen Trainer für dessen taktische Marschroute lobt. Geyer zeigt sich im öffentlichen Auftreten stets freund­lich und findet anerkennende Worte. Spitzen gegen Gegner – auch wenn die Aufnahmegeräte nicht laufen – sind dem in Mittelfranken heimisch Gewor­denen fremd. Ein höflicher Mann der leisen Töne, der ungern über sich selbst redet und fortwährend seine Mannschaft in den Fokus stellt. Daher fällt sein persönlicher Jahres­rückblick auch ganz bescheiden aus: "2017 war ein gesundes Jahr, also war es ein gutes Jahr." Ein Jahr, in dem er ein Stück weit wieder nach Hause gekommen ist.

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