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Jojo Müller: "Haben eine bessere Balance gefunden"

Nach dem 2:1 gegen Veitsbronn

Die Siegesserie der Spielvereinigung hält auch gegen den entthronten Tabellenführer der Bezirksliga an. Am Sonntag gewannen die Erlanger gegen den ASV Veitsbronn-Siegelsdorf verdient mit 2:1.

Coach Jojo Müller hat die schwere Anfangszeit überwunden. 

 / © Harald Sippel

Es war wie bei einem Aufstieg. Da müssen Sportreporter bekanntlich immer besonders aufpassen, mitten im Sieger-Interview nicht auch mit literweise Bier geduscht zu werden. Um einen Aufstieg aber ging es am Sonntag gar nicht. Am achten Bezirksliga-Spieltag konnte man eigentlich nur drei Punkte gewinnen. Trotzdem gab es nach dem Abpfiff die fällige Sieger-Dusche, für den Trainer, und auch für die überraschte Sportreporterin.

Es ist also nicht übertrieben, wenn diese über feiernde Fußballer schreibt: Über eine Spieli, die den Sieg fast so bejubelt wie den Aufstieg 2017 in die Landesliga. Fast, weil es am Ende doch nur kaltes Wasser war. Kein Bier. Trotzdem: Dieser Sieg, das 2:1 gegen den entthronten Tabellenführer, das wollten die Erlanger feiern. Endlich wieder, nach so vielen Bierduschen-freien Wochen.

Ende August war der Landesliga-Absteiger nach einem Saisonstart mit fünf Spielen ohne Sieg auf den letzten Tabellenplatz abgerutscht. Das Problem: Den Erlangern fehlte ein Torjäger. „Wenn du dann immer einer Führung hinterher rennen musst, ist es schwierig“, sagt Joachim Müller. Der Trainer war erst im Sommer zur Spieli gewechselt, wollte viel umstellen, viel Neues einbringen. Zeit forderte er ein. Nach dem 0:0 gegen Schwaig aber waren auch ihm Zweifel gekommen, ob das alles so passt mit ihm und dem Waldsportpark.

Dann aber folgten zwei Auswärtsspiele, ein 5:2 in Diepersdorf und ein 2:0 in Lauf, und plötzlich lief es bei der Spieli. Im Vergleich zum Saisonstart waren die Erlanger gegen Veitsbronn kaum wieder zu erkennen, was Ausstrahlung und Selbstbewusstsein betrifft. Gegen den ASV stand die Spieli defensiv kompakt und war offensiv das aktivere Team. Ob aus dem Spiel heraus oder nach Standards, die Hausherren wirkten gefährlicher — und das gegen eine Mannschaft, die bis dato erst ein Tor in sechs Partien kassiert hatte. Doch das blieb auch in den ersten 45 Minute in Erlangen so.

Die beste Chance der Spieli: Nach einer Ecke von Andre Karius klärte Samuel Seidel einen Kopfball von Yannick Diederichs erst auf der Linie. Dominik Beier, an diesem Tag erst 32 Jahre alt geworden, war da schon aus dem Spiel. Nach einem Foul hatte es der Kapitän zunächst weiter probiert, nach 15 Minuten aber humpelte er vom Platz. Zur Halbzeitpause war das rechte Knie bereits dick bandagiert.

Beier kehrte nicht mehr auf die Bank zurück und verpasste so auch, das 1:0 seiner Teamkollegen aus nächster Nähe zu erleben. Der Schiedsrichter hatte noch gar nicht lange wieder angepfiffen, da wuchtete Julian Frommherz den Ball in die Maschen (50.). Nach ausgiebigem Jubel mit seinen Mitspielern rannte der Torschütze zum Trainer und umarmte ihn. Die schweren Zeiten für den Neuen an der Seitenlinie, für Joachim Müller, waren vorbei. Seine Mannschaft konterte nun, mutig, mit Tempo. So, wie es sich der 51-Jährige vorstellt. Florian Mananga servierte scharf für Burak Carn, dessen Direktabnahme Keeper Christian Krause jedoch klären konnte.

Das Gegentor in der 67. Minute stoppte den Frohsinn. Nach einem Erlanger Ballverlust in der eigenen Hälfte schaltete Veitsbronn schnell um, Christian Niedermeier schob zum 1:1 ein. Die Spieli reagierte wütend. Immer wieder rannten die Hausherren nach vorne, um die erneute Führung zu erzwingen. Mit Erfolg: In der 88. Minute traf Marius Döhler zum 2:1. Das zweite Tor hatte dann auch Dominik Beier wieder gesehen, weiterhin dick bandagiert am Knie, streckte er die Siegerfaust in die Höhe.

„Schwer zu erklären“

Wie es zu diesem Erfolg kommen konnte, sei „schwer zu erklären. Ich finde“, sagt Joachim Müller, „wir haben auch die ersten Spiele gut gespielt. Wir haben jetzt eine bessere Balance gefunden. Und dann machen wir eben ein Tor, führen auch einmal. Das tut so gut in der Seele, wenn du belohnt wirst.“ Der Sieg sei gerecht. „Es war ein Spiel in einer Hälfte.“ Erlangen war klar besser. Von den Spitzenplätzen in der Liga will Müller dennoch nichts wissen. „Wir sind auf einem guten Weg, müssen aber auch abwarten“, meint der Trainer zurückhaltend. „Doch die Spieler dürfen das schon genießen und auch feiern. Sie haben es sich verdient.“ Geht es so weiter, kommt im Aufstiegsfall auch diese Sportreporterin gerne wieder zur (Bier-) Dusche.

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