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Cagris schöne Entwicklungen auf der Deutschherrnwiese

Beim Bezirksligisten freut man sich über die nette Gegenwart

15 Neuzugänge, 16 Abgänge: Der Wandel, der sich vor der Saison beim Bezirksligisten Cagrispor vollzog, kann gut und gerne mit Komplettaustausch beschrieben werden. Die Vorbereitung bestand zum Teil aus ausgiebigen Probetrainings für mögliche Neuzugänge, teilweise fielen angesetzte Testspiele aus. Trotzdem steht beim Vorjahresdritten nach sieben Spielen erst eine Niederlage zu Buche. Am Samstag gewann das Team zu Hause auf der Deutschherrnwiese mit 1:0 gegen Aufsteiger Neunkirchen.

Augen auf im Aufstiegskampf: Cagrispor (blaue Trikots) behält auch in der Partie gegen Neunkirchen den Durchblick.

 / © Stefan Hippel

Eigentlich will sich Cagrispors Trainer Turgay Karali nicht länger mit der Vergangenheit aufhalten: „Wir haben zwar eine komplette Mannschaft verloren, aber über die, die gegangen sind, haben wir schon so oft geredet. Ich rede viel lieber über die, die da sind.“ Dazu, die Vergangenheit ruhen zu lassen, geben die, die da sind, an diesem Nachmittag spielerisch auch allen Anlass. Über weite Strecken dominiert Cagrispor das Spiel, hält den Ball in den eigenen Reihen, löst viele Situationen spielerisch, sucht immer wieder den Ball in die Schnittstellen der Abwehrreihen. Ab und zu wird ein Diagonalball aus der Innenverteidigung auf die Flügel eingestreut. Damit kommt Neunkirchens Abwehr nie klar, hat immer wieder große Probleme dann Zugriff auf die Flügelspieler zu bekommen.

„Das ist das, was wir die ganze Zeit trainiert haben. Wir wollen Fußball spielen. Schließlich will ich beim Zuschauen keine Bauchmerzen haben und die Zuschauer sollen das auch nicht haben“, erläutert Karali. Bauschmerzen muss er an diesem Nachmittag nur in Sachen Chancenverwertung haben: Neun gute Torgelegenheiten lässt seine Mannschaft bis in die Mitte in der zweiten Halbzeit liegen, doch der Ball will nicht ins Tor, selbst wenn dieses praktisch leer ist. Der Treffer fällt dann aber doch, wenn auch durch eine Gelegenheit, die keine ist: Neunkirchens Torwart Tobias Gottschalk fälscht eine Hereingabe von Joel Noumessi ins eigene Tor ab. Dennoch will Karali das Tor nicht als „Zufallstreffer“ abtun: „Dass das Tor fällt, ist sicherlich Zufall, aber wie es entsteht, ist gewollt. Das ist genau eine solche Situation, wie wir sie schaffen wollen.“

Toplaune im Training

Es bleibt der einzige Treffer des Spiels, das Coach Karali dann trotz der spielerischen Überlegenheit seiner Mannschaft unter „dreckiges 1:0“ verbucht. Dennoch erkennt man zu jeder Zeit, was der Trainer von seiner Mannschaft will und dass diese das auch umzusetzen weiß. „Die Stimmung im Training ist gut, es sind immer alle da, die Jungs haben Spaß und hören dem Trainer gut zu“, erläutert Teammanager Ercan Özcan. „Ich glaube die Toplaune im Training und die hohe Trainingsbeteiligung liegen daran, dass die Spieler immer etwas Neues lernen, da können wir viel und gut arbeiten“, führt Karali aus.

Stürmer Lukas Sanders – einer der wenigen Spieler, der nicht erst im Sommer zum Kader gestoßen ist, sondern schon seit der Saison 2016/17 für Cagrispor spielt – ergänzt: „Im letzten Jahr hatten wir mit Ismail Yüce und Necati Güler zwei klare Stars, die unser Offensivspiel bestimmt haben. Jetzt ist der Kader sehr ausgeglichen, jeder will immer spielen, die Ersatzspieler drängen in die Mannschaft, das pusht schon.“ Manager Özcan unterstützt diese These und meint: „Wir haben jetzt weniger Häuptlinge und mehr Indianer im Team.“ Dass einige, die noch Indianer sind, auch zu Häuptlingen werden können, beweisen gegen Neunkirchen zwei 19-Jährige: Michael Ün und Samuel Arapoglu. Beide sind aus der U19 von Quelle Fürth zu Cagrispor gewechselt und bilden so etwas wie den Maschinenraum des Teams. Sie erkämpfen sich viele Bälle in der Zentrale und spielen diese mit Übersicht weiter. Gleich viermal ändert Turgay Karali das System während des Spiels, reagiert damit auf Umstellungen seines Kontrahenten Harald Gerstner. Ün und Arapoglu müssen dabei verschiedene Rollen im zentralen Mittelfeld einnehmen. „Die Umstellungen haben gut geklappt, durch jede hatten wir knapp zehn Minuten wieder richtige Dominanz im Spiel“, erläutert Karali.

Es geht nicht nur um Ergebnisse

„Die Gegner wissen um unsere Offensivstärke und stellen sich öfter einfach hinten rein, deshalb ist es gut, dass wir flexibel sind und immer wieder neue Ideen haben“, fügt Lukas Sanders hinzu und hat noch einen anderen Faktor für den überraschenden Erfolg des Teams ausgemacht: „Durch die vielen Veränderungen im Kader hat uns niemand etwas zugetraut und wir selber wussten auch nicht, wo wir stehen. Dann haben wir aber schnell gemerkt, dass es gut läuft und jetzt wollen wir es allen zeigen.“ Wohin soll dieses „es allen zeigen“ dann führen? Betreuer Ercan Özcan ist defensiv, spricht davon, dass man „das Maximum rausholen“ möchte und auch Turgay Karali legt sich nicht fest, verrät aber mit seiner Argumentation für die gewählte Spielweise, doch ein wenig: „Es kann nicht darum gehen, irgendwie Ergebnisse zu sammeln und dann in der Relegation – wie Hersbruck – zu Hause fünf Gegentore zu fangen. Man muss sich spielerisch weiterentwickeln. In jedem Training ein bisschen.“ Bisher tut Cagrispor das.

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