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Philipp Harlaß' lehrreicher Ausflug in die zweite Heimat

Regionalliga Bayern

Gleich vier Spieler aus dem Nachwuchsleistungszentrum hat der 1. FC Nürnberg ins Trainingslager nach Südspanien mitgenommen: den Torhüter Jonas Wendlinger (18) aus der U19 sowie Innenverteidiger Tobias Kraulich (19), Stürmer Erik Engelhardt (20) und Philipp Harlaß (20.). Für den Deutsch-Spanier ist es vielleicht schon die letzte Chance auf einen neuen Vertrag.

Philipp Harlaß (rechts, hier im Laufduell mit  Enrico Valentini) ist in Spanien dabei.

 / © Zink / DaMa

Das Heimspiel in Spanien verläuft bisher wie erträumt. Die Eltern seiner Mutter kommen aus der Gegend und haben noch ein Haus in Malaga. Also verbringt Philipp Harlaß praktisch jeden Sommer ein paar Wochen an der Costa del Sol. Beruflich ist er hingegen zum ersten Mal hier.

Auch Benahavis ist neu für ihn, jenes Dorf im Hinterland, in dem sich für ihn möglicherweise schon vorentscheidet, ob seine Qualität als Fußballer ausreicht für eine mittelfristige Anstellung. Ende Juni läuft sein Vertrag aus, wie es mit ihm weitergeht, ist noch offen. „Im kommenden halben Jahr“, glaubt der 20-Jährige, „wird sich zeigen, ob es klappt.“ Und er lässt wenig unversucht, um sein großes Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Seit der mittleren Reife an der Bertolt-Brecht-Schule, wo er mit Lukas Mühl in einer Klasse war, konzentriert er sich voll auf den Fußball, kam seit Juli 2017 aber nicht über die Regionalliga Bayern hinaus. Immerhin 45 Einsätze stehen aktuell in seiner persönlichen Statistik und acht Tore. Bislang offenbar zu wenig, um sich für größere Aufgaben zu empfehlen.

Das interne Vorbild

Philipp Harlaß würde trotzdem gerne bleiben; seit 2007 trägt der gebürtige Schwabacher das Club-Trikot, bereits im zarten Alter von acht Jahren wechselte er von der Spielvereinigung Greuther Fürth herüber in den Sportpark Valznerweiher, in der G-Jugend des TSV Kleinschwarzenlohe jagte er erstmals der Kugel hinterher. Ein ehemaliger Jugendtrainer beim Kleeblatt namens Gernot Mikutta hatte ihn überredet, mitzukommen zum 1. FC Nürnberg.

Dort durchlief er seitdem praktisch das komplette Nachwuchsleistungszentrum, das Zwischenergebnis kann sich durchaus sehen lassen; Harlaß hat ein ordentliches Spielverständnis und viel Gefühl im linken Fuß, muss sich aber erst noch an das ungleich höhere Tempo gewöhnen. Und an die Härte. Als ihm Sebastian Kerk kürzlich mit Karacho auf den Fuß trat, zog es Harlaß vor, erst mal einige Sekunden in der Horizontalen zu verharren. Seitdem ist ein Zeh blau, aber da muss er durch.

Auch im Test gegen Zwolle (1:1) rummste es auf seiner Seite ein paar Mal ordentlich. Obwohl seine Stärken eindeutig in der Offensive liegen, setzte ihn sein Trainer in der zweiten Halbzeit als linken Verteidiger und somit auf ungewohnter Position ein, wo ihm prompt der eine oder andere Stellungsfehler unterlief. Was aber wohl normal ist. Für sein internes Vorbild ging es schließlich ähnlich los. Als Simon Rhein im vergangenen Januar mit ins Trainingslager der Profis durfte, musste er in diversen Übungsformen ebenfalls den linken Verteidiger geben. Obwohl er eigentlich ein zentraler Mittelfeldspieler ist.

Geschadet hat es dem jungen Mann augenscheinlich nicht; Ende November durfte er beim 1. FC Nürnberg seinen ersten Profi-Vertrag unterschreiben. Im Verein werten sie Rheins Entwicklung als weiteren Beleg dafür, dass die eigene Philosophie die einzig richtige ist, die lautet: Vielversprechende Talente zu formen und an die Lizenzspielerabteilung heranzuführen. Philipp Harlaß werden seit nunmehr eineinhalb Jahren die Besonderheiten des Männerfußballers beigebracht. Überwiegend bei der U21, hin und wieder durfte er auch schon bei der Bundesliga-Mannschaft mitmachen. Dass er jetzt acht Tage in Folge oben dabei ist, hat ihn natürlich „riesig gefreut“. Obwohl er insgeheim schon darauf spekuliert hatte, mal mit ins Trainingslager fahren zu dürfen.

Sein persönliches Ziel in Benahavis: „Viel Erfahrung sammeln, viel lernen, an das Niveau und die Intensität gewöhnen.“ Richtig spannend wird es für ihn aber wohl erst nach der Heimreise. Wenn ihm der Trainer eröffnen wird, ob er gut genug ist, ob er mithalten und dem Tabellenletzten eine Hilfe sein kann. Links hinten oder vielleicht sogar auf seiner Lieblingsposition zentral hinter den Spitzen. „Ich probiere es jetzt einfach, und wenn es nicht klappt, muss ich halt wieder die Schulbank drücken.“ Die Gespräche mit ihm, bestätigt der Sportvorstand, würden schon eine ganze Weile laufen, „meines Wissens befinden sie sich auf einem guten Weg, dass er hier seine Entwicklung fortsetzt“, sagt Bornemann. Harlaß habe „immer mal wieder aufblitzen lassen, dass er wirklich ein guter Fußballer ist. Die Zeichen stehen so, dass es für ihn hier weitergeht.“ Es kann also durchaus sein, dass er auch beruflich mal wieder an die Costa del Sol fliegen darf.

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