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Huber ist in Obererlbach der Junge für alles

30-Jähriger will langfristig Kreisliga-Trainer werden

Ehrenamt? Für viele junge Menschen ist das heute kein Thema mehr. In der knapp bemessenen Freizeit, die neben dem oft stressigen Beruf noch bleibt, wollen sie sich entspannen und ihren Hobbys nachgehen, möglichst ohne anderweitige Pflichten. Nicht so Christoph Huber. Der seit heute 30-Jährige engagiert sich seit seiner Jugend als Nachwuchs-Fußballtrainer bei diversen Vereinen. Für seinen eige­nen Verein, die DJK Obererlbach, ist er der Junge für so ziemlich alles.

Sportliche Heimat. Christoph Huber engagiert sich bei der DJK Obererlbach in verschiedenen Funktionen. In diesem Jahr will er die Trainer-C-Lizenz machen.

 / © Viola Bernlocher

Angefangen als Trainer hat Christoph Huber, da war er gerade 18 Jahre alt geworden. Der ursprünglich aus Büchelberg stam­mende Huber, der am Donnerstag seinen 30.Geburtstag feiert, spielte damals Fußball beim FC Frickenfelden und für die Jugend wurde ein Trainer gesucht — und er gefragt: "Machst du‘s?" Er antwortete: "Ich probier‘s", und stellte sich dabei offenbar auch nicht dumm an, denn von Frickenfel­den aus wechselte er 2009 nach Kal­bensteinberg, wieder als Jugendtrai­ner. 2011 schließlich ging es zum eige­nen Verein, der DJK Obererlbach, in dem er selbst als Spieler aktiv war und ist.

Dort feierte er 2013 auch seinen bis­her größten Erfolg: die Meisterschaft bei den E-Junioren. Auch wenn es in diesem Alter noch gar nicht so sehr um Leistung geht, sondern eher dar­um, den Kindern mit Spaß Disziplin und ein Gemeinschaftsgefühl zu ver­mitteln, wie er findet. Bis 2013 trai­nierte er dort die Jugend und spielte selbst. "Ich sehe mich aber vor allem an der Seitenlinie und wollte weiter drin bleiben und Erfahrungen sam­meln", erzählt er. Denn wegen seines Berufs als Perso­nalsachbearbeiter zog er nach Nürn­berg. Zweimal die Woche zum Trai­ning für den Nachwuchs nach Alt­mühlfranken zu kommen, war da nicht mehr so einfach. Deshalb suchte er sich in Nürnberg einen Verein, in dem er weiter Jugendliche und Kinder trainieren konnte, ohne viel fahren zu müssen, und fing beim TSV Katzwang an. Es lief gut, der Nachwuchs war motiviert, aber der Raum doch recht beengt. "Wir mussten uns beim Trai­ning den Platz mit den Erwachsenen teilen", berichtet er. Optimale Um­stände waren das nicht, deswegen zauderte er nicht lange, als die DJK Eibach einen Jugendtrainer suchte und ihn ansprach. "In Nürnberg wird man auch als Trainer ganz anders beobachtet", sagt er. Der Raum war dort da, aber die Trainingsbeteiligung nicht annähernd so gut wie in Katz­wang. Auch der TSV Buch im Nürn­berger Knoblauchsland war an ihm interessiert, er bewarb sich, aber ein Wechsel scheiterte letztlich. "Das wäre schon auch reizvoll gewesen", bedauert er.

Trotzdem ist er dankbar für die Chancen, die er bekam — zumal ohne Trainerlizenz oder irgendeine Ausbil­dung. Denn in der Stadt gibt es noch einmal andere Dinge zu lernen als auf dem Land. "Das war bei mir schon immer learning by doing", sagt Huber. Seine Trainingsmethoden hat er sich bei seinen eigenen Trainern abgeschaut. "Bei meiner Philosophie spielen alle meine bisherigen Trainer eine Rolle. Jeder macht eine andere Sache besser oder schlechter, ich versuche das zu vermischen. Ich lege den Fokus im Training sehr auf den Spaß, denn ohne Motivation und guten Zusammen­halt geht es nicht", sagt Huber. Von strengem Drill hält er nicht viel, er arbeitet lieber mit Moti­vation. "Ich sehe meine Stärke darin, dass ich die Spieler motivieren kann. Jürgen Klinsmann und Jürgen Klopp sind da meine Vorbilder. Ich denke, man sollte mit den Spielern viel spre­chen und muss auch ein paar Streicheleinheiten für jeden parat haben", sagt Huber.

Seine Arbeitgeber hat er immer über sein Hob­by informiert und hat grünes Licht, solange die Leistung in der Arbeit nicht darunter leidet. "Für mich ist das sehr wichtig als Ausgleich zum Beruf", sagt Huber. Und so musste auch das Hobby einmal zurück­stehen. Als er im Winter 2016 beruflich stark ein­gebunden war, hatte er für einige Zeit kein En­gagement als Trainer.

Lange konnte er die Füße aber nicht stillhal­ten. Und übernahm in der Hallensaison 2016/ 17 die erste Mann­schaft der DJK Obererl­bach als Trainer, weil die eigentlichen Trainer "nichts von der Halle halten" und die Spieler dabei nicht betreuen wollten, die Mannschaft aber schon gemeldet war. Für Christoph Huber war das eine Chance und auch eine ganz neue Erfahrung, trainierte er doch seine eigenen Mitspieler. Auch 2017/18 betreute er die Mannschaft wieder in der Halle. "Das bringt schon etwas. Am Anfang war ich schon ganz schön nervös, aber ich habe gutes Feedback bekommen", berichtet er.

In der Sommersaison 2017 fing er dann auch auf dem Feld wieder an, als Trainer für die U19 des TSV Heideck, vermittelt durch einen seiner ehemali­gen Trainer. Gemacht hat er das bis­her alles ehrenamtlich. Bis auf eine Aufwandsentschädigung für die Fahrtkosten gab es nichts. Erst beim TSV Heideck bekam er ein kleines Salär für seine Leistung nach Feier­abend und am Wochenende.

"Das war so süß"

Für ihn bedeutete das Training dort viel Zeit mit dem Auto auf der Stre­cke, obwohl er gemeinsam mit seiner Freundin Laura wieder in die alte Hei­mat gezogen war. Dennoch war die Trainingsbeteiligung bei der Jugend eher mau, was ihn bewog, das Amt wieder niederzulegen. "Ich bin ein im Sinne des Vereins denkender Mensch, und dass ich für vier Leute beim Trai­ning so viele Kilometer verfahre und Geld bekomme, konnte ich nicht ver­treten", sagt er. Schweren Herzens gab er das Amt also wieder ab. Auch bei einigen Spielern war der Ab­schiedsschmerz groß. "Ich habe lange, sehr emotionale Whats App-Nachrich­ten bekommen, wo sich die Spieler bedankt haben. Da habe ich schon einen Moment gebraucht, um mich wieder zu fassen", sagt Huber. Auch seine Freundin Laura, die Christophs Hadern mit der Entscheidung mitbe­kommen hat, sagt: "Das war so süß." Für ihn sind diese positiven Rück­meldungen der größte Lohn und eigentliche Antrieb bei seinem Enga­gement: "Nichts ist schöner, als wenn die Augen von Kindern und Jugend­lichen leuchten." Auch jetzt hat er schon wieder eine Anfrage des TSV Heideck für die neue Sai­son mit der nachrücken­den U19-Mannschaft. "Ich bin momentan am Überlegen, ob ich es machen soll, aber ..." Aber, das sagt einer, für den es eher ein Und statt einem Aber gibt. Denn in diesem Jahr will er end­lich etwas in Angriff neh­men, das er schon lange vorhat, aber neben sei­nem Engagement ein­fach nicht geschafft hat: Die Trainer-C-Lizenz. In einem Blockseminar wird die Fortbildung ganz in der Nähe angebo­ten, die Chance möchte er nutzen.

Denn neben seinem Engagement als Jugend­trainer an der Seitenlinie steht er noch immer für die DJK Obererlbach auf dem Platz und engagiert sich auch im Verein sehr stark. So betreut er die Website, die Facebook­seite und der Verein hat seit kurzem auch einen Instagram-Account.

"Das war aber tatsächlich eine im wahrsten Sinne des Wortes Schnaps­idee", gesteht er und lacht. "Ich finde es wichtig, dass man den Verein nach außen gut präsentiert und vertritt", sagt Huber. Deswegen schreibt er nach den Spielen am Abend oft auch noch Spielberichte für die Website und die Lokalzeitungen. Und deswe­gen hat er mit seinen Mitspielern und seinen Kumpels Benjamin Burger und Felix Barta auch die "Cold Water Challenge" der DJK Obererlbach ver­anstaltet.

Ihr Video haben sie im Stil des Sportsenders Sky gemacht, mit fikti­ven Spielerinterviews, Moderation und sehr professionellem Schnitt. Auf diese Glanzleistung der Mannschaft ist Christoph Huber auch reichlich stolz. "Das lief auf Facebook richtig gut und wir wurden teilweise sogar schon in der Arbeit angesprochen", be­richtet er. Bald kann der Verein eine Spende von 500 Euro an das Tierheim übergeben.

"Ausgleich zur Arbeit"

Die Balance neben all dem Engage­ment zu finden, ist für ihn kein Pro­blem. "Für mich ist das der Ausgleich zur Arbeit." Aber seine Freundin Lau­ra "muss mit mir schon viel ein­stecken", das gibt er offen zu. Laura ergänzt: "Planungen finden meistens bei uns im Wohnzimmer statt." Sie akzeptiert und unterstützt das Enga­gement ihres Partners, denn zehn bis 15 Stunden in der Woche fallen dafür mindestens an. Sonntags steht sie meistens mit auf dem Fußballplatz, gemeinsam mit den Frauen und Freundinnen der anderen Spieler und bäckt auch mal Kuchen oder Muffins als Ver­pflegung.

Damit dem Engagement der fußball­verrückten Männer auch in Zukunft nichts im Wege steht, plant die DJK Obererlbach derzeit auch einen neuen Spielplatz für die Kleinsten, sodass dann alle Spaß haben.

Christoph Huber hat, wenn er die C-Lizenz hat, noch weitere Pläne. "Irgendwann würde ich gerne mal eine erste oder zweite Mannschaft übernehmen. Kreisliga sollte es dann irgendwann schon mal sein."

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