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Bei Dergahspor steht die Tür für alle offen

Erfolgreichste Nürnberger Amateurmannschaft wirbt um Mitglieder - 24.02.2012 12:28 Uhr

Mit den Neuzugängen will Dergahspor irgendwann in die Bayernliga: oben von links  Serdar Özivgen, Baris Pehlivan, Markus Uyar, unten von links der alte und neue Spielertrainer Turgay Karali sowie die Neuen Fikret Akbulut und Talal Bazzi.

Mit den Neuzugängen will Dergahspor irgendwann in die Bayernliga: oben von links Serdar Özivgen, Baris Pehlivan, Markus Uyar, unten von links der alte und neue Spielertrainer Turgay Karali sowie die Neuen Fikret Akbulut und Talal Bazzi. © Sportfoto Zink


Seit 2011 spielt die Mannschaft in der Landesliga Mitte. Dies bedeutet, dass Dergahspor nach dem 1.FCN der erfolgreichste Nürnberger Fußballverein ist. Vor dem Rückrundenstart fand nun im Vereinsheim Am Pferdemarkt eine Pressekonferenz statt.

„Vor zehn Jahren haben wir noch in der Kreisklasse gekickt. Vielleicht kam der Landesligaaufstieg für unseren jungen Verein etwas zu früh. Aber wir haben ganz sicher Farbe in die Liga gebracht. Sportliche Probleme gibt es bei uns eigentlich keine, eher solche logistischer Art“, erklärt Fatih Köseoglu. Doch man weiß genau, sagt der Geschäftsstellenleiter, wo man ansetzen muss. Ganz wichtig sei es, eine nachhaltige Jugendarbeit aufzubauen. Auch mangele es dem Verein an potenten Sponsoren. Zur Zeit hat man rund 160 Mitglieder, diese Zahl sei sicherlich ausbaufähig.

Bertolt-Brecht-Anlage bleibt als Spielort erhalten

Doch wenigstens ein Problem konnte mittlerweile ad acta gelegt werden. Nämlich die Sorge um den Spielort, die Bertolt-Brecht-Sportanlage. Obwohl die Schule in naher Zukunft abgerissen wird, sind die Spielfelder für die Fußballer davon nicht tangiert.

Ehrgeizig, aber nicht verbissen: Landesligist Dergahspor Nürnberg (hier Berkan Caglar, links, gegen Selahattin Oktay vom ASV Neumarkt).

Ehrgeizig, aber nicht verbissen: Landesligist Dergahspor Nürnberg (hier Berkan Caglar, links, gegen Selahattin Oktay vom ASV Neumarkt). © Sportfoto Zink


Ausdrücklich lobt Köseoglu die Zusammenarbeit mit der Stadt. „Wir wurden nicht in Istanbul oder Ankara gegründet, sondern hier in Nürnberg.“ Man sei ein deutscher Verein mit türkischen Wurzeln, unterstreicht Hasan Karali. Er wurde 2007 zum Vorsitzenden von Dergahspor gewählt und bildet mit seinem Bruder, dem Spielertrainer Turgay Karali, ein familiäres Erfolgs-Duo. Dergahspor verstehe sich als Teil der deutschen Gesellschaft und auch als Repräsentant der Stadt Nürnberg. Man wolle ein Motor für eine breite Integration sein und stehe für politische Neutralität und Konfessionslosigkeit. „Neue Mitglieder sind bei uns willkommen“, sagt Karali, „egal welcher Nation oder welchem Glauben sie angehören.“

Im Spielerkader stehen Kicker verschiedener Nationen. Religion sei die Privatsache eines jeden Menschen. Schon der Vereinsname unterstreiche diese Ausrichtung. Dergah ist ein persisches Wort, das die deutschen Begriffe Tür und Stätte beinhaltet. „Das Wort stand früher sowohl auf Wirtshäusern wie auch am Eingang des Sultanspalasts. Bei uns sind alle Türen offen.“

Als mahnende Beispiele habe man das Schicksal anderer ortsansässiger türkischer Vereine vor Augen. „Dem Türkischen SV Gostenhof soll es zur Zeit ja schlecht gehen. Wir wollen nicht auch irgendwann die Frage diskutieren müssen, ob wir uns vielleicht doch lieber auflösen. Auch bei einem etwaigen Abstieg dürfen wir nicht in ein Loch fallen“, betont Vereinsboss Hasan Karali.

Die Erfolgsserie des Vereins hielt bisher auch 2012 an. Zu Jahresbeginn gewann Dergahspor den „Burgpokal“ und wurde bereits zum zweiten Mal Nürnberger Hallenfußballmeister. Die Vorbereitung verlief dagegen eher durchwachsen. Schuld daran war das Winterwetter, das einen geregelten Trainingsbetrieb verhinderte. Nach 23 Partien nimmt Dergahspor derzeit den 14. Platz in der Landesliga Mitte ein.

Der Traum von der Bayernliga

Trotzdem träumt man noch insgeheim von der Bayernliga. Um in die Relegation zu kommen, braucht es einen Platz unter den besten acht Teams. „Wir wollen austesten, was noch möglich ist. Wenn es nichts wird mit dem Aufstieg, dann genießen wir halt eine weitere Saison in der Landesliga“, erläutert Turgay Karali.

Er weiß, wovon er redet, denn der Spielertrainer ist ein echter Aufstiegsspezialist, dem dieses Kunststück als Spieler und Trainer schon dreimal gelang. Um die Herkulesaufgabe zu meistern, hat sich der Landesligist in der spielfreien Zeit mit Neuzugängen verstärkt.

Torwart Baris Pehlivan kommt vom Türkischen SV Röthenbach, Mittelfeldmann Fikret Akbulut aus Seligenporten. Vom TSV Feucht wurde mit Markus Uyar und Talal Bazzi gleich ein Duo verpflichtet. Außerdem wurde Co-Trainer Serdar Özivgen reaktiviert und kehrt als Aktiver in den Kader zurück.

Für den einzigen Missklang während der Vorbereitung sorgte ausgerechnet Akin Bölük. Mit bisher elf Treffern ist er der Toptorjäger von Dergahspor. Doch Bölük nervte die Verantwortlichen mit Wechselgerüchten und Divengehabe dermaßen, dass sie ihn vom Spielbetrieb und Training freistellten. „Manchmal passen eben Kopf und Füße nicht zusammen“, bilanziert der Vereinsvorsitzende Karali. Da aber Bölük einen gültigen Vertrag über die nächsten beiden Spielzeiten besitzt, bleibt noch ein Hintertürchen offen. 

Thomas Susemihl

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