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„Da werden Fehlentwicklungen korrigiert“

Trainer Uwe Neunsinger über die Ligenreform des BFV und den Amateurfußball in Fürth - 24.05.2012 08:15 Uhr

Sinnvolle Reform mit fadem Beigeschmack: Uwe Neunsinger hat auch was auszusetzen.

Sinnvolle Reform mit fadem Beigeschmack: Uwe Neunsinger hat auch was auszusetzen. © hjw


Herr Neunsinger, was war Ihr erster Gedanke, als Sie von der geplanten Neuordnung der Spielklassenstrukturen hörten?

Uwe Neunsinger: Grundsätzlich habe ich sie begrüßt. Die Fehlentwicklungen der vergangenen zehn Jahre wurden damit einigermaßen korrigiert. Mit den zusätzlichen Spielklassen, die man in der Vergangenheit hineingeschoben hat, wurde das Niveau erheblich aufgeweicht. Die Ligen wurden für die betroffenen Vereine immer uninteressanter. Die Regionalliga zwang zahlreiche Klubs in die Insolvenz. Insofern ergibt es durchaus Sinn, alles wieder etwas zu straffen.

Die neuen Ligen werden regional eingeteilt. Man verspricht sich von mehr Derbys höhere Zuschauerzahlen. Glauben Sie daran?

Neunsinger: Zunächst wird sicher ein kleiner Schub kommen, weil auch eine leichte Neugier einsetzen wird. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser Effekt lange anhält. Wenn man sich an eine gewisse Liga gewöhnt hat, tritt irgendwann wieder eine Abstumpfung ein. Die Zuschauerzahlen im Amateurfußball sind ja ohnehin rückläufig.

Was stört Sie an der Reform?

Neunsinger: Ich kann absolut nicht begreifen, dass die Bezirksligameister, wie der SV 1873 Nürnberg-Süd, von dem man ansonsten halten kann, was man will, kein direktes Aufstiegsrecht besitzen. Die Süder haben in der ganzen Saison nur ein einziges Spiel verloren und müssen in die Relegation zur Landesliga. Während dem Freien TuS Regensburg aus der Landesliga Mitte, bei nur sieben erzielten Punkten und einer Tordifferenz von minus 97, oder der TSG Thannhausen im Süden, die auch nur 16 Zähler geholt hat, ein automatisches Startrecht eingeräumt wird. Ich halte es auch für sehr fragwürdig, dass der Bayerische Fußballverband auf die Zuschauereinnahmen der neuen Regionalligisten (fünf Prozent der Einnahmen, mindestens 250 Euro pro Heimspiel; Anmerkung der Red.) zugreift, die durch höhere Schiedsrichterkosten und erhöhte Sicherheitsauflagen ohnehin schon genug belastet werden.

Wie schätzen Sie den Fürther Amateurfußball derzeit ein?

Neunsinger: Zur absoluten Spitze — wie damals die SG Quelle in der Regionalliga oder der ASV Vach, der einige Male ans Tor zur Bayernliga geklopft hat — gehört man inzwischen nicht mehr. Aber insgesamt könnten, wenn die Relegation erfolgreich verläuft, vier Vereine in der neuen Landesliga vertreten sein. Damit hätte man einen großen Schritt gemacht. In der Breite war man mit bisher drei Bezirksligisten, zu denen in der neuen Saison auch noch der TSV Cadolzburg stößt, bereits zuletzt gut aufgestellt.

ZUR PERSON

Unser Interviewpartner Uwe Neunsinger gehört zu den erfolg­reichsten bayerischen Fußballtrai­nern. Er stand unter anderem beim SC 04 Schwabach, TSV Rain am Lech in der Bayernliga sowie insgesamt neun Jahre beim ASV Vach an der Seitenlinie. Er feierte sechs Aufstiege und holte dreimal den bayerischen Hallen­meistertitel. Mit dem FC 04 Ingol­stadt II und dem SV Seligen­porten gelang ihm der Einzug in die erste DFB-Pokal-Hauptrunde. Der 41-Jährige ist derzeit beim Kreisligisten SV Raitersaich tätig, den er vor der Winterpause auf einem Abstiegsplatz über­nahm und mittlerweile in die Spit­zengruppe geführt hat. 

Thomas Schmid

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