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Der Traum des kleinen Dominik

Ein körperbehinderter Bub trainiert mit seiner eigenen Mannschaft - 13.07.2012 11:47 Uhr

Voller Elan und mittendrin: Dominik Thumser testet im Training sein Club-Trikot und die Torwarthandschuhe.

Voller Elan und mittendrin: Dominik Thumser testet im Training sein Club-Trikot und die Torwarthandschuhe. © Uwe Niklas


Fußballverrückt war Dominik schon immer – „und er wird es auch immer bleiben“, das steht für seine Mutter Melanie Thumser außer Frage. „Ich habe ihn einmal mit vier Jahren zum Club mitgenommen“, erinnert sich Vater Roland noch genau an Dominiks erstes Stadionerlebnis. Seitdem hat ihn die Faszination um seinen Lieblingsverein nicht mehr losgelassen.

Völlig klar, dass Dominik beim Training mit seinem neuen FCN-Trikot aufläuft, das er kürzlich zum Geburtstag geschenkt bekommen hat. „Ich will einmal ein großer Fußballkönig werden“, erklärt der Elfjährige, bevor er euphorisch das Spielfeld stürmt. Es dauert nicht lange, da möchte er sich auch die neuen Torwarthandschuhe überstreifen, die ihm seine Freunde vor dem Training überreicht haben.

Gemeinsam Spaß am Fußball: Dominik Thumser (rechts) mit einem Mitspieler.

Gemeinsam Spaß am Fußball: Dominik Thumser (rechts) mit einem Mitspieler. © Uwe Niklas


Es ist erst die dritte offizielle Übungseinheit, die Roland Thumser nach dem Entstehen des Pilotprojekts leitet. „Ich hoffe, dass auch andere Vereine aufmerksam werden, damit einmal ein Ligabetrieb entstehen kann“, erklärt der 39-Jährige. Derzeit steht seine DJK Falke jedoch noch allein auf weiter Flur.

Als der Entschluss im Herbst 2011 reifte, neben der von Roland Thumser gecoachten E-Jugend, in der auch Dominiks zwei Minuten älterer Zwillingsbruder Aaron kickt, eine Körperbehinderten-Mannschaft zu installieren, schien die Idee schon an den Voraussetzungen zu scheitern. Denn die Jugendlichen müssen mit einem Fahrdienst zum Training gebracht werden. Die Kosten belaufen sich jedoch schnell auf 500 Euro im Monat.

„Von der Politik haben wir null Unterstützung bekommen“, klagt Thumser schwer enttäuscht. Zum Glück fand sich mit Ralph Schwerdberger – selbst schwerbehindert – ein privater Spender aus Schwabach für die jungen Falken. „Der Fahrdienst ist für zwei Jahre garantiert“, freut sich Thumser, auch wenn weitere Sponsoren dringend nötig sind.

Bestand die Trainingsgruppe anfangs aus sechs Junioren, hat sich das Projekt rasch herumgesprochen. Nun folgen bereits zwölf begeisterte Spieler Roland Thumsers Anweisungen. Weitere Kicker wollen in den kommenden Wochen dazustoßen. Ohne die Unterstützung ihrer Eltern haben sie jedoch kaum eine Chance, am Training teilzunehmen, zumal der Fahrdienst bislang nur die An-, nicht jedoch die Heimfahrt übernimmt.

So hat Bayram Öztürk extra früher Feierabend gemacht, um seinen Sohn Umut zum Fußball bringen zu können. Wer den fröhlichen Jungen auf dem Platz herumtollen sieht, mag kaum glauben, dass der hochaufgeschossene Zwölfjährige bei seiner Geburt nur 450 Gramm auf die Waage brachte. „Er war ein Jahr lang im Krankenhaus“, erinnert sich Vater Bayram an die wohl schwierigsten Monate seines Lebens. Stolz fügt er an: „Jetzt spielt er Fußball. Man kann das Funkeln in seinen Augen sehen.“

Während die Jungs Pässe üben, kann sich Roland Thumser auf seine jungen Assistenten verlassen. „Ich freue mich, dass auch die Kinder mit Handicap eine eigene Mannschaft haben können“, erklärt der zehnjährige Steven Fischer, der dem Trainer wöchentlich mit seinen Freunden Can-Luca Petrelli und Aaron Thumser hilft. Erste Spiele sollen bald stattfinden. Gespräche mit der Geschwister-Scholl-Schule laufen. Auch eine Partie bei der 90-Jahr-Feier der DJK Falke im September ist denkbar. Roland Thumser hat zudem weitere Pläne: „Ich werde versuchen, den Kontakt mit Martin Bader zu suchen. Mit den Club-Profis aufzulaufen, wäre für die Jungs der größte Traum.“
  

Johannes Handl

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