14°C

Sonntag, 29.05. - 07:43 Uhr


zum Thema

Ein Fürther Freistoß, der Pokalgeschichte schrieb

Fußball: Vor über 21 Jahren warf Landesligist SpVgg Fürth den BVB aus dem Pokal - 20.03.2012 09:00 Uhr

Wolfgang De Beer, Dortmunds Keeper, reckt sich und streckt sich, doch am Ende zappelt der Schuss vom Fürther Oliver Zettl im Netz. Vergeblich streckte sich De Beer auch nach dem Freistoß von Achim Beierlorzer.

Wolfgang De Beer, Dortmunds Keeper, reckt sich und streckt sich, doch am Ende zappelt der Schuss vom Fürther Oliver Zettl im Netz. Vergeblich streckte sich De Beer auch nach dem Freistoß von Achim Beierlorzer. © Günter Kögler


„Ein absoluter Höhepunkt war das damals für uns“, schwärmt Achim Beierlorzer noch heute von der Pokalsensation am 4. August 1990. Vor 3800 Zuschauern im damals noch altehrwürdigen Fürther Ronhof hatte die SpVgg aus der Landesliga — damals die vierthöchste Liga — den amtierenden Pokalsieger Borussia Dortmund aus dem Rennen geworfen. Dieser hatte die Partie der 1. Hauptrunde alles andere als auf die leichte Schulter genommen; mit Frank Mill stand sogar ein Nationalstürmer auf dem Feld, der nicht einmal vier Wochen vorher in Rom die Fußball-Weltmeisterschaft mit Deutschland gewonnen hatte. Oder Flemming Povlsen, bis dato teuerster Einkauf der Vereinsgeschichte.

 „Die Situation ist perfekt“

Bei der SpVgg Fürth, damals noch nicht mit Vestenbergsgreuth fusioniert, waren überwiegend Studenten und Amateure am Ball. Achim Beierlorzer kommt gleich auf sein Freistoßtor zu sprechen, das das vorentscheidende 2:1 für den Underdog bedeutete. „Ich hatte solche Standards zuvor im Training intensiv geübt, und als das Foul genau an dieser Stelle passierte, nahm ich die Chance wahr. Ich sah, dass der Torwart relativ weit vor dem Kasten stand und wohl mit einer Flanke rechnete. Da wusste ich: Die Situation ist perfekt.“

Als wäre es gestern gewesen, kann sich der 44-Jährige noch in Details an seinen wahrscheinlich wichtigsten Treffer vor über 21 Jahren erinnern. Mit seinen Team-Kollegen von damals trifft er sich übrigens noch regelmäßig: „Jedes Jahr nach Weihnachten gehen wir gemeinsam in die Halle zum Kicken und anschließend quatschen wir über alte Zeiten.“

Was den Sieg über Dortmund noch mehr zur Überraschung machte, war die Tatsache, dass Fürth fast über die gesamte Distanz in Unterzahl agieren musste. „David Schneider hatte nach 100 Sekunden wegen einer Notbremse ,Rot‘ gesehen. Bei 40 Grad mit zehn Mann gegen eine mehrere Ligen höher spielende Mannschaft: Alles sprach gegen uns“, erinnert sich Beierlorzer.

Sein Trikot vom Sensationssieg hat der dreifache Familienvater immer noch im Schrank: „Kein Gegner wollte tauschen. Außerdem hätte es vom Verein Ärger gegeben. Als Amateurclub kann man sich nicht jede Woche eine neue Garnitur leisten.“

Als Trainer der Fürther U17-Mannschaft, zu der er 2010 von der Kreisligaelf des SV Kleinsendelbach gewechselt ist, ist er nah dran an den Profis. „Ich versuche das Training so zu legen, dass wir die Spiele der 1. Mannschaft verfolgen können.“ Der gebürtige Neunkirchener traut seinen „Kleeblättern“ den Sprung in die höchste Klasse zu: „Man kann den Aufstieg nicht planen, an der Spitze gibt es einen intensiven Zweikampf und wir haben noch schwere Spiele vor der Brust. Aber in Fürth ist alles bereit.“

Ein wenig traurig ist der Bruder von Ex-Profi Bertram Beierlorzer, dass er am heutigen Dienstagabend nicht im Stadion mitfiebern kann: „Der Termin für das Skilager steht seit einem Jahr fest und als pflichtbewusster Lehrer kann ich dafür nicht absagen“, erklärt Beierlorzer, der Sport und Mathe am Gymnasium unterrichtet.

Was den Ausgang der heutigen Partie angeht, tippt der Stöckacher auf ein 3:1 nach regulärer Spielzeit. „Genau wie damals.“ 

DANIEL RUPPERT UND CHRISTOPH BENESCH

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Name:

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.