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Größere Turbulenzen auf dem Weg nach oben

Der ASN Pfeil kämpft gegen den Abstieg in die Kreisklasse und erinnert dabei an den Club unter Gerd Voack - 30.04.2012 11:00 Uhr

Der Neue gibt die Richtung vor: Für den ASN Pfeil soll es mit Trainer Andreas Awerkow raus aus dem Tabellenkeller gehen.

Der Neue gibt die Richtung vor: Für den ASN Pfeil soll es mit Trainer Andreas Awerkow raus aus dem Tabellenkeller gehen. © Roland Fengler


Als Martin Mubecek nach 77 Minuten zum 2:0 für den ASN Pfeil beim ESV Rangierbahnhof trifft, da feiert auch Manfred Schwarz — zu Hause am Grill, Schwarz hat Geburtstag. Bis zum Sonntag vor einer Woche gegen 16.45 Uhr ging Schwarz noch davon aus, dass er seinen Geburtstag auf der Anlage des ESV Rangierbahnhof begehen würde. Bis vor einer Woche war Schwarz nämlich noch Trainer des ASN Pfeil, um 16.45 Uhr hatte seine Mannschaft damals gerade ein 3:1 gegen Flügelrad geschafft, es sah wieder viel besser aus im Abstiegskampf.

Gegen 17 Uhr war Schwarz entlassen, der Nachfolger wurde kurze Zeit später präsentiert: Andreas Awerkow machte sich einst beim TSV Buch einen Namen. Immerhin, sagt Schwarz, auch er habe schon am Abend die ersten Angebote anderer Klubs gehabt. Er sagte ab, er will erst einmal verstehen, was da gerade passiert ist mit ihm und dem Allgemeinen Sportverein Nürnberg Pfeil.

Gemeinsam wurstelte man sich durch eine miserable Vorrunde, unter anderem schaffte man eine Serie von neun Niederlagen hintereinander. „Eigentlich hätten wir damals schon handeln müssen“, sagt Klaus Wanderer. Wanderer ist der Vorsitzende der Assen. Hätten sie damals schon gehandelt, sie hätten Schwarz im Winter schon entlassen. „Damals habe ich aber hinter ihm gestanden“, sagt Wanderer jetzt, da er eine Entlassung kommentieren muss, die ein wenig an Gerd Voack erinnert. Der war einst Präsident des 1. FCN und ist vor allem deshalb nie in Vergessenheit geraten, weil er den Trainer Willi Entenmann nach einem Sieg gegen den FC Bayern München rausgeschmissen hat.

Wanderer also stand hinter Schwarz und der hatte plötzlich Erfolg. In den letzten fünf Kreisliga-spielen gelangen ihnen drei Siege. Und trotzdem sagt Wanderer: „Es hat in der Luft gelegen.“ Er meint die Entlassung, über die sein Abteilungsleiter Peter Lill deutliche Worte gefunden hat. Worte, die nicht unbedingt für Schwarz sprechen. Wanderer will in der Zeitung lesen, dass das, was sein Abteilungsleiter gemacht hat, kein guter Stil ist: „Dafür wollen wir uns entschuldigen.“ Schwarz nimmt die Entschuldigung fernmündlich an, wundert sich aber immer noch über die Umstände, die zu seinem Sonntag am Grill geführt haben.

„Wenn eine Mannschaft gegen den Trainer spielt, dreht sie doch nicht in den letzten Minuten noch ein 0:1 gegen Flügelrad in ein 3:1 und jubelt dann mit dem Trainer.“ Tut sie doch, wenn sie Anstand hat. So jedenfalls kann man den Kapitän des ASN verstehen. „Er war da ja noch einer von uns, hat dazugehört“, sagt Frank Lerner, als sie gerade das Spiel bei Rangierbahnhof gewonnen haben. Dass Manfred Schwarz jetzt nicht mehr dazugehört, findet Lerner aber nicht schlimm. Er versucht sich diplomatisch auszudrücken, am Ende sagt er: „Der eine kann mit Menschen umgehen, der andere nicht.“ Awerkow, der Neue, so wirkt es, kann zumindest mit anderen Trainer-Menschen umgehen.

Arbeit am Umkehrspiel

Natürlich könne er verstehen, dass sein Vorgänger die Fußball-Welt nicht mehr versteht. „Ich habe definitiv ein blödes Gefühl im Magen“, sagt Awerkow. Aber er hatte eben auch Lust, wieder in Nürnberg zu arbeiten. Eigentlich hätte er schon früher anfangen sollen bei den Assen, aber er hatte sich Bedenkzeit erbeten. Am Samstag hat er dann zugesagt, am Sonntag war Schwarz Geschichte bei den Assen. Jetzt wird wieder gearbeitet. „Am Umkehrspiel“, sagt Awerkow, wenngleich das gegen Rangierbahnhof mitunter schon ganz gut klappte. Der Gast stand defensiv solide und setzte in der Offensive das ein oder andere Ausrufezeichen. Auf den 2:0-Erfolg lässt sich aufbauen, zumal der Saison-Rest Gegner ähnlicher Stärke für die Assen vorgesehen hat.

„Ich glaube fest daran, dass der Klassenverbleib gelingt“, hatte Schwarz durchs Telefon gesagt, als gerade das 2:0 für seine ehemalige Mannschaft gefallen war. „Ich bin mir sicher, dass wir es schaffen“, sagt auch sein Nachfolger Awerkow. Bis zum Sommer hat er sich den Assen versprochen, dann will man über ein weiteres Engagement verhandeln. Vorher kümmert man sich nur um den Abstiegskampf. „Unsere Aufgabe ist schwer genug“, sagt Awerkow. Die von Schwarz war da am Sonntag schon angenehmer — er musste nur die Rinderhüftsteaks ordentlich hinbekommen.  

FADI KEBLAWI

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