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Schnepfenreuther Sause

Der Turnerbund Johannis steigt ohne seinen Trainer auf - 18.06.2012 12:00 Uhr

Für einige war es der erste Aufstieg: Beim Turnerbund Johannis müssen sich schon die Jüngsten daran gewöhnen, dass ein Aufstieg manchmal vor allem: laut ist.

Für einige war es der erste Aufstieg: Beim Turnerbund Johannis müssen sich schon die Jüngsten daran gewöhnen, dass ein Aufstieg manchmal vor allem: laut ist. © Eduard Weigert


Auch beim Turnerbund St. Johannis von 1888 weiß man, was sich gehört für eine deutsche Fußball-Mannschaft im Jahr 2012. Einen Spieltag vor Schluss hatte der Kreisklassist drei Punkte Vorsprung auf Platz zwei, der Aufstieg

in die Kreisliga war mehr als nur noch Wunschdenken, weshalb Vorstand Peter Höfler im offiziellen Mitteilungsorgan, dem Schnepfenreuther Fußballecho, für den Fall, dass im Duell mit dem ASC Boxdorf die letzten Zweifel am Aufstieg zerstreut würden, „eine schöne Sause“ ankündigte.

Schöne Sausen begehen Fußball-Mannschaften der Moderne gerne nach der Saison, gerne auf Mallorca, gerne auch ohne Trainer. Das immerhin unterscheidet sie in Johannis von anderen Fußball-Mannschaften. Beim Turnerbund flog der Trainer ohne Mannschaft nach Mallorca — und vor dem Saisonende.

Kurt Heininger hatte auf seine Frau gehört, hatte ein Herz für die Familie gezeigt, den Urlaub gebucht — und vielleicht nicht damit gerechnet, dass der letzte Spieltag der Kreisklasse noch einmal etwas Spannung bereithalten würde für den Verein, den er nun im dritten Jahr trainiert. „Der ist wahrscheinlich auf sich selbst sauer“, sagt Johannes Maar, den sie alle nur Jo nennen, als dieser letzte Spieltag doch noch Spannung vorgesehen hatte für den Turnerbund.

Maar ist der Kapitän von Heiningers Mannschaft — und er hat dafür gesorgt, dass sich Heininger nur bis Sonntagnachmittag, 16.45 Uhr, über sich selbst ärgern musste. Es ging ja auch ohne Trainer gut für den TB, Boxdorf zeigte sich anfangs als genau der Gegner, den man sich wünscht für einen unerwartet spannenden Saisonabschluss.

Nach sechs Minuten hatte Yavuz Akpinar für den Turnerbund schon zweimal Aluminium getroffen: Eine Ecke setzte er an die Latte, einen Freistoß an den Pfosten. Neun Minuten später stand es 1:0, weil der Angreifer seine dritte Möglichkeit am ruhenden Ball nutzte. Es war auch die einfachste Übung, er traf vom Elfmeterpunkt. Etwas komplizierter war das 2:0, dafür war es auch schöner anzusehen. Nach einem Pass in die Schnittstelle der Boxdorfer Verteidigung legte Johannes Wahl den Ball in die Mitte, dort stand Maar und traf.

Schöne Sause mit Sekt: Johannis feiert sich selbst.

Schöne Sause mit Sekt: Johannis feiert sich selbst.


Am Ende wurde es dann doch noch einmal spannend, weil sich Johannis auf die schöne Sause freute, Boxdorf aber plötzlich anfing, Fußball zu spielen. Es ging alles gut aus, weil das Eigentor des eingewechselten Manuel Muscat der einzige Treffer blieb für den Gast. Nach vier Jahren ist Johannis zurück in der Kreisliga, es hat lange gedauert, bis sie beweisen konnten, dass ihre neue Philosophie auch Erfolge garantiert. Von der Philosophie spricht Maar, der Kapitän. „Bei uns spielen nur noch Spieler, die das auch wollen“, sagt er. Geld gibt es keines, dafür jede Menge Studenten und Abiturienten, Maar ist Referendar.

Spielen wollen sie alle bei Johannis, nur können sie das nicht immer, weshalb das mit dem Wiederaufstieg nun doch vier Jahre gedauert hat. „Jedes Mal dachte ich am Ende der Saison: Nächstes Jahr klappt es“, sagt Maar, der 2008 schon mit abgestiegen ist. Dann musste aber immer der eine zum Studium dorthin, der andere zum Arbeiten dahin. Dieses Jahr waren sie alle da — und schon sind sie aufgestiegen. „Ich glaube schon, dass wir auch in der Kreisliga vorne mitspielen können“, sagt Maar, „wenn alle da sind.“ Gestern sind zumindest alle geblieben, es stand ja noch die Sause an. „Jetzt gibt es Freibier“, sagt Maar. Heininger, ihr Trainer, so schien es, hätte sich den Flug nach Mallorca auch sparen können. 

keb

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