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Tumulte vor der Dergahspor-Kabine

Nürnberger Fußballer werden auswärts zum zweiten Mal fremdenfeindlich attackiert - 15.05.2012 07:00 Uhr

Die Dergahspor-Verantwortlichen konnten ihren Ohren kaum trauen.

Die Dergahspor-Verantwortlichen konnten ihren Ohren kaum trauen. © Pfrogner


Am vorletzten Spieltag dieser Landesliga-Saison passierte es nun schon zum zweiten Mal. Die Fußballmannschaft von Dergahspor Nürnberg wurde bei einem Auswärtsspiel fremdenfeindlich attackiert. Dabei zeigten sich auch dieses Mal die Anhänger eines Vereins aus Ostbayern als schlechte Verlierer.

Im Spiel beim 1. FC Bad Kötzting, das Dergahspor mit 1:0 gewann, ging es für beide Teams noch um einen direkten Qualifikationsplatz zum Aufstieg in die neue Bayernliga. In einer von beiden Seiten hitzig geführten Partie hatten die Zuschauer der Heimelf schon während des Spiels mit Sprüchen wie „Schießt sie aus dem Land“ gegen die Dergahspor-Bank gepöbelt, berichtet Geschäftsstellenleiter Fatih Köseoglu. Nach der Begegnung kam es schließlich vor der Kabine der Nürnberger zu Handgreiflichkeiten zwischen Spielern und heimischen Anhängern, wobei die Fans der Platzherren die Gäste ungewöhnlich hart rassistisch beschimpften. Ob den Rangeleien eine gezielte Provokation durch einen Dergahspor-Akteur vorangegangen war, konnte bisher durch Augenzeugen weder bestätigt noch widerlegt werden.

„Ich hatte zum ersten Mal Angst um meinen Gesundheitszustand“, beschreibt Fatih Köseoglu die Geschehnisse vor der Umkleide, deren Tür neben der Tribüne liegt. Mehrmals hatte er versucht, die Kabine zu verlassen, wurde aber jedes Mal von 30 bis 40 aufgebrachten Kötztinger Anhänger zurückgedrängt. Schließlich riefen die Dergahspor-Verantwortlichen per Telefon die Polizei um Hilfe, worauf die Beamten einen Gang bildeten, durch den die Nürnberger zu ihrem Bus gehen konnten. Die Tatsache, dass diesmal keine Nürnberger Fans in die Oberpfalz mitgereist waren, sieht Köseoglu als glücklichen Zufall.

„Natürlich gibt es auch in Nürnberg Spiele, bei denen es richtig zur Sache geht, doch die rassistischen Äußerungen der Kötztinger Fans sind einfach noch mal ein Unterschied gewesen“, so Köseoglu weiter. Eine Redakteurin des Bayerwald Echos, die das Spiel beobachtet hatte, bestätigte dieser Zeitung einige fremdenfeindlichen Beschimpfungen. Sie beurteilte die Ereignisse aber vielmehr als Resultat der Leistung eines überforderten Schiedsrichters und einer provozierenden Spielweise von beiden Teams. Einen rassistischen Hintergrund wollte sie den Vorfällen nicht zuordnen.

Doch bereits Ende März hatten sich die Nürnberger schon einmal harte fremdenfeindliche Verbalattacken gefallen lassen müssen, diesmal in Niederbayern. Während der Partie gegen die Spielvereinigung Hankofen-Hailing wurden sie über die gesamte Spielzeit von den Anhängern der Heimelf beleidigt. Als die Mannschaft dann nach dem Schlusspfiff den 1:0-Sieg mit den mitgereisten Fans feiern wollte, hinderten sie Ordner daran und warfen unter anderem die Dergahspor-Verantwortlichen um Vorstand Hasan Karali sogar vom Vereinsgelände.

Nach der Partie in Hankofen konnte der Bayerische Fußball Verband nichts unternehmen, da die damaligen Vorfälle im Bericht des Unparteiischen keine Erwähnung fanden. Eine offizielle Reaktion des BFV auf die erneuten Zwischenfälle in Bad Kötzting steht noch aus.
  

MARKUS ERLWEIN

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