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Vereinsgeschichte(n): Fußball-Pionierinnen wollen zurück an die Spitze

Frauenfußball: Bei der SpVgg Erlangen gab es vor 40 Jahren das erste Damenteam — Aufstieg in die Bezirksoberliga angepeilt - 16.08.2011 08:30 Uhr

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende Wlli Täuber ehrt die jungen Erlanger Fußballerinnen für 50 erfolgreiche Spiele. Da steckte der „Damen“-Fußball noch in den Kinderschuhen. © privat


Die SpVgg 1904 Erlangen, liebevoll auch „Spieli“ genannt, ist einer der traditionsreichsten Frauenfußballvereine in Bayern und die erfolgreichste Frauenfußballmannschaft innerhalb der achtgrößten bayerischen Stadt Erlangen. Es war ein langer und bisweilen schwerer Weg, den die enthusiastischen Fußballerinnen in Erlangen gehen mussten, um die Anerkennung zu finden, den dieser Sport heute genießt.

Gründerväter des Vereins waren Willi Täuber und Walter Wolf, die in einer ordentlichen Hauptversammlung am 19. Januar 1971 die erste Erlanger Frauenfußballmannschaft aus der Taufe hoben.

Willi Täuber wurde zum Vereins-Vorstandsvorsitzenden gewählt, und Walter Wolf übernahm das Amt des Trainers, das er sage und schreibe 36 Jahre innehatte. Als Zuschauer verfolgt er noch heute mit Begeisterung das Geschehen auf dem Spielfeld und ist bei Heimspielen ein immer gern gesehener Gast.

Schnell zum ersten Titel

Das erste Spiel fand aber erst am 29. April 1972 statt. Zu dieser Zeit gab es im damaligen Fußball-Kreis Erlangen-Forchheim nur sieben Frauenfußballmannschaften. Schon 1973 konnte in einem Entscheidungsspiel gegen den SC Egloffstein der erste Meistertitel geholt werden. Die gegnerische Mannschaft löste sich danach mangels Spielerinnen auf, und drei der besten kamen zur SpVgg 1904 Erlangen, deren Blütezeit nun begann.

Immer vorn dabei

Das Team rangierte anhaltend auf den vorderen Tabellenrängen und wurde von 1977 bis 1979 (Hallen-) Bezirksmeister, verlor jedoch 1979 mit 1:2 nach Verlängerung das Halbfinale in der Endrunde um die Bayerische Meisterschaft. 1980 stieg Erlangen in die damals erstklassige Oberliga Bayern-Nord auf. Zwei Jahre später wurde diese Liga freiwillig wieder verlassen, weil sich fünf Spielerinnen der SpVgg Fürth anschlossen und drei wegen Verletzungen die Schuhe an den Nagel hängen mussten. Es folgten schwierige Jahre des Auf- und Abstieges in Bezirks- und Kreisligen, aber aufgestanden ist die Spielvereinigung immer wieder.

2004 stellte sich der Erfolg wieder ein – und was für einer. Die „Spieli“ stieg — dank einer hervorragenden, geschlossenen Mannschaftsleistung — in die neu gegründete Bezirksoberliga Mittelfranken auf, in der sie auf Anhieb den fünften Tabellenplatz belegte. Bereits 2006, schaffte sie als Mittelfränkischer Frauen Bezirksoberliga (BOL)-Meister unter Trainer Thomas Hertwich den Aufstieg in die Landesliga Bayern-Nord, zu dieser Zeit die vierthöchste Spielklasse in Deutschland.

Nach einer erfolgreich verlaufenen Saison, in der auch Jugendspielerinnen in der Landesliga Erfahrungen sammeln konnten, folgte nun eine turbulente Zeit.

Mitte 2007 wurde Walter Wolf vom aktiven Frauenfußball verabschiedet. Ein Fußball-Idol, das sich von 1971 an zu einem Leistungsträger und Vorbild für die Erlanger Frauenfußball-Jugend entwickelt hat, ist zu einer Trainer-Fußballlegende geworden. Wegen seines hohem Engagements, seines fachlichen Könnens und seines guten Einfühlungsvermögens erwarb er sich Anerkennung und den Respekt aller.

Verantwortliche für den Frauenfußball wurde für etwa 15 Monate zunächst Martina Metzner. Seit zwei Jahren lenkt Juliane Schlegel die Geschehnisse im Erlanger Frauenfußballverein SpVgg 1904 mit Bravour.

Nach zwei Abstiegen in unmittelbarer Folge aus der Landesliga Bayern-Nord über die Bezirksoberliga Mittelfranken in die Bezirksliga Mittelfranken-Nord, mussten Mannschaft und Verein etliche Trainer- und Spielerwechsel über sich ergehen lassen.

In der Saison 2009/10 hat sich das Frauenteam etwas konsolidiert und mit Ach und Krach den Klassenerhalt verwirklicht. Im darauf folgenden Spieljahr kam dann der endgültige Umschwung. Neue Ideen und Strategien sowie eine verbesserte Abteilungsorganisation führten zu einer sehr erfolgreichen Saison.

Tolle Platzierungen

Die Erlanger Frauenfußballmannschaft erzielte unter Trainer Olaf Müller Bestplatzierungen wie den 2. Tabellenplatz in der Bezirksliga und in den Hallenkreismeisterschaften. Parallel hierzu konnte der Gewinn der U19-Meisterschaft mit Kevin Schmidt als Trainer den Aufwärtstrend abrunden. Zudem gewannen die „Spieli“-Frauen in der Bezirksliga Nord den diesjährigen Fairnesspreis einer Bierbrauerei.

Das Team funktioniert sehr gut in allen Bereichen und überzeugt durch Geschlossenheit und einen starken Willen, die gesamten 90 Minuten zu dominieren. Daher gehört die SpVgg 1904 heute zu Recht zu den erfolgreichsten Mannschaften.

Der frühere Konkurrenzkampf um Siege und Spielerinnen ist heute einer fruchtbaren Zusammenarbeit gewichen. Durch eine bessere Nutzung der vorhandenen Ressourcen werden den jungen Fußballerinnen ein stufengerechtes Angebot sowie eine professionelle Ausbildung ermöglicht. Somit kann die spielerische Qualität der „Spieli“ weiter erhöht werden. Erstmals tritt die „Spieli“ ab der kommenden Saison nun auch mit einer 2. Mannschaft an, was vormals nur Spitzenvereine wie der 1. FC Nürnberg, Post SV Nürnberg und die SpVgg Greuther Fürth schafften.

Aktuell hat der Gesamt-Verein 1500 Mitglieder, darunter sind 11 Mädchen (U13), 14 Jugendliche (U17) und über 40 erwachsene Fußballspielerinnen, die aktiv am Spielgeschehen mitwirken. Sehr zufriedenstellend verläuft die Entwicklung im Jugendbereich, der alle Spielklassen durchgängig belegt hat. Kevin Schmidt trainiert die U17 sowie ab kommender Saison die 2. Mannschaft. Die U13 betreut Andreas Tschorn als erfahrener Trainer.

Gesamt-Jugendleiter ist Helmut Stünkel, der von Theo Mpairaktaridis sowie Philipp und Lukas Gerstle unterstützt wird.

Auf dem Sportgelände des am 20. Juni 1922 eröffneten „Waldsportpark“ finden auf dem A-Platz alle Heimspiele der beiden Frauenteams statt. Eine überdachte Haupttribüne aus Holz mit 400 überdachten Sitzplätzen genießt Kultstatus und sorgt für eine einladende Atmosphäre.

Auch im Beach Soccer aktiv

Wie schon seit vielen Jahren nimmt die Abteilung Frauenfußball mit Erfolg an großen Veranstaltungen wie den Hallenbezirksmeisterschaften teil. Seit zwei Jahren nun auch an den Beach Soccer Meisterschaften. Die Spieli belegte in einem überaus kampfbetonten Spiel bei den German Masters 2010 in Köln den 4. Platz.

Mehr über die Frauenfußballmannschaft der SpVgg 1904 Erlangen ist unter www.spieli-erlangen.de nachzulesen. 

Volkmar Knauf

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