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Wettberg: „Ich bin kein Gestriger“

Der Trainer des SV Seligenporten im Interview — Hocks Aussage wurmt ihn noch - 28.05.2012 08:00 Uhr

SVS-Trainer Karsten Wettberg (vorne).

SVS-Trainer Karsten Wettberg (vorne). © Fritz Etzold


Herr Wettberg, die Saison ist zu Ende. Jetzt heißt es, den Erfolg zu genießen. Wie sieht so etwas aus bei Ihnen?

Karsten Wettberg: Wir hatten nach dem letzten Saisonspiel gegen Haching II (0:1, Anm. d. Red.) eine kleine Feier. Da wurde dann auch mal auf unseren Erfolg angestoßen. Ich persönlich genieße eher für mich. Ich glaube, man kann hier durchaus von einer überragenden Saison sprechen. Allerdings ist es ja nicht so, dass die Arbeit für einen Trainer mit dem Abpfiff des letzten Spiels getan ist. Momentan führe ich viele Telefonate für die kommende Saison.

Das heißt, Sie gönnen sich gar keine Pause?

Wettberg: Doch, schon. Das brauche ich mittlerweile auch. Ich werde zusammen mit meiner Frau eine gute Woche nach Bad Füssing fahren und dort Wellness-Urlaub machen: Bäder, Schlammkuren, Massagen. Auch das Rennrad ist mit dabei. Aber mein Handy ist immer dabei und das eine oder andere Relegationsspiel schaue ich mir schon auch an. Ganz ohne Fußball geht es bei mir nicht.

Lassen Sie uns kurz zurückschauen. Was war für Sie der emotionalste Moment der Saison?

Wettberg: Zweifellos die Verbalattacken von Zuschauern gegen mich nach dem Spiel gegen Eltersdorf im vergangenen August. Ich hatte mich so geärgert, dass ich den Job hingeworfen habe. Zwei Stunden lang haben mich die Verantwortlichen des SV Seligenporten um Carlo Wild versucht umzustimmen. Sie haben mich an der Ehre gepackt.

Wie stressig war diese Saison?

Wettberg: Besonders die Vorrunde war aufreibend. Wir haben wochenlang mit nur acht Spielern trainiert, da das Verletzungspech den ohnehin kleinen Kader geschmälert hat. Trettenbach hat uns einen Tag vor Tranferschluss wieder verlassen, Köck ist nach Traunstein als Referendar gewechselt und Knorr hat sich das Kreuzband gerissen.

Verglichen mit all ihren anderen Erfolgen, wo reihen Sie da die Bayerische Hallenmeisterschaft und den Aufstieg mit dem SV Seligenporten ein?

Wettberg: Für mich ist immer der aktuelle Erfolg der schönste. Zweite Bundesliga, die Aufstiege – ich lebe nicht in der Vergangenheit, ich bin kein Gestriger.

Sie haben die Planungen für die kommende Saison angesprochen. Wie ist der Stand der Dinge?

Wettberg: Wichtig für mich ist, dass der Kader größer werden muss, gerade auch, weil wir mit voraussichtlich 20 Mannschaften in die neue Saison gehen werden. Das sind mit dem Pokalwettbewerb über 40 Pflichtspiele. Unser Ziel ist es, mindestens 16 bis 17 regionalligataugliche Kicker zu haben. Dazu sollen dann noch ein paar sogenannte Perspektivspieler kommen.

Die ja in der Zweiten in der Landesliga herangeführt werden können...

Wettberg: Das ist ein schöner Erfolg, Thorsten Pöllet hat gute Arbeit geleistet. Jetzt haben wir wieder eine gute Basis, denn man muss die Landesliga ja relativieren, es ist ja nur ein anderer Name für die weggefallene BOL.

Wie schlagkräftig wird die erste Mannschaft? Mit den zweiten Mannschaften namhafter Profivereine wird die Konkurrenz in der kommenden Saison ungleich größer sein.

Wettberg: Das ist richtig. Aber man muss auch sehen, dass sich auch beim SV Seligenporten viel getan hat. Wir haben ein neues Sportheim, ein neues Stadion, gerade im medizinischen Bereich haben wir einen gewaltigen Schritt nach vorne gemacht. Die Spieler schätzen es schon, dass sie bei Verletzungen noch am selben Tag zu Top-Ärzten in Behandlung kommen. Hier haben gewisse Entwicklungen mittlerweile ein Niveau erreicht, das man nicht unbedingt bei reicheren Vereinen in der Liga vorfindet. Wer mit weniger Geld auskommen muss, der muss eben kreativer sein.

Kreativ? Was bedeutet das?

Wettberg: Nehmen wir den Neubau des Sportheims und des Stadions. Die ehrenamtliche Leistung der – wie ich sie gerne nenne – Rentnergarde des SVS, ist beeindruckend. Wo findet man so etwas heute noch, dass täglich 20 bis 30 Rentner ihre Freizeit opfern, um ehrenamtlich auf einer Baustelle zu arbeiten? Das gibt es bei einem Stadtverein nicht, da ist alles anonymer und kostet Geld.

Vor allem neue Spieler kosten Geld.

Wettberg: Auch hier müssen wir kreativ sein: Wer einmal mit einem Carlo Wild verhandelt hat, der weiß, wie wir Erfolg haben. Deshalb wurmt mich noch immer eine alte Sache von vor zwei Jahren: Erich Hock, damals noch Trainer beim TSV Berching, hat über die Zeitung behauptet, ich laufe mit dem Geldkoffer zu den Vereinen und werbe Spieler ab. Im konkreten Fall war es der Spieler Christian Blaser, der in unsere Reserve gewechselt ist, sich aber nicht durchgesetzt hat. Sowas sagt man nicht öffentlich, wenn es nicht stimmt. Noch einmal: Seligenporten hat das Geld nicht, um andere Vereine zu überbieten. Woher soll das Geld denn kommen bei einem Zuschauerschnitt von 320? Die Neid-Diskussion sollte endlich zuende sein.

Gestandene Viertligaspieler treten aber nicht für ein Butterbrot an.

Wettberg: Die Philosophie des Vereins war stets auch auf junge, hungrige Spieler zu setzen. Dieser Philosophie werden wir auch weiterhin treu bleiben, das große Geld verdient hier keiner. Momentan ist der Spielermarkt noch gut gefüllt, weil einige Spieler erst noch die Relegation abwarten wollen, da sich ja nicht jeder Verein qualifizieren kann. Einige werden auf der Strecke bleiben und dann suchen die Spieler doch noch einen neuen Verein. Davon wollen wir profitieren.

Ein Neuzugang steht mit Mariusz Suszko vom TSV Gersthofen bereits fest. Was können die Fans erwarten?

Wettberg: Mariusz ist ein technisch versierter Kicker, der nahezu beidfüßig gleichgut schießen kann. Er ist vielseitig einsetzbar, sowohl hinten links, als auch vorne rechts sehr schnell.

Nach einigen Turbulenzen auf der Torwartposition hat sich mit Dominik Brunnhübner wieder eine echte Nummer eins gefunden. Zudem wurde mit Sebastian Ruhl die ersehnte Defensivstütze gefunden. Bleiben beide?

Wettberg: Dominik Brunnhübner hat bereits zugesagt, was mich sehr freut, wenngleich wir nach dem Weggang von Dietz (zum VfB Eichstätt, Anm. d. Red.) unbedingt noch einen regionalligatauglichen Torwart brauchen. Wir hatten diese Saison viel Glück, dass Brunnhübner nie ausgefallen ist. Bei Ruhl steht die Zusage noch aus. Es ist ähnlich wie bei Matthias Wolf. Bei beiden hängt es auch vom beruflichen Werdegang ab. Noch etwas spezieller ist es bei Marian Faltermeier, der jetzt auf die Zuteilung seiner Referendarsstelle wartet. Außenbahnspieler Knorr ist weg.

Sie werden es in der Vierten Liga mit Mannschaften zu tun haben, die professionell bis zu sieben Mal die Woche trainieren. Im Kloster sind die Spieler an drei Einheiten pro Woche gewöhnt. Wie wollen Sie dieses Ungleichgewicht auffangen?

Wettberg: Drei Einheiten wären sicher zu wenig. In der Vorbereitung, die am 18. Juni beginnt, sehen wir uns täglich, danach werden die Spieler dreimal in Seligenporten trainieren und Hausaufgaben bekommen. Ich kann die Spieler schon aus finanziellen Gründen nicht öfter nach Seligenporten kommen lassen.

Das bedeutet viel Eigenverantwortung, die Sie da von zum Teil sehr jungen Spielern verlangen.

Wettberg: Ich kenne die Mannschaft und ihren Charakter sehr gut und kann einschätzen, was ich ihnen zutrauen kann. Wer seine Hausaufgaben nicht macht, wird schnell die Konsequenzen spüren, denn das wird, genau wie in der Schule, auffallen.

Und wie werden Sie reagieren? Müssen die Spieler dann zum Nachsitzen?

Wettberg: Das werden wir im Einzelfall sehen. Wenn es soweit kommen sollte. Zuallererst aber müssten diese Spieler sich vor ihren Mitspielern rechtfertigen, und dann ist da ja, um im Bild zu bleiben, immer noch unser Klassensprecher Matthias Wolf. Und der ist nicht der Typ, der sich so etwas lange anschaut. Kein Spieler zieht sich freiwillig seinen Unmut zu. Deshalb blicke ich, was dieses Thema betrifft, relativ entspannt auf die kommende Saison. 

Interview: MATTHIAS MEDERER

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