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Das neue Dergahspor vertraut auf die alten Werte

Nach dem Weggang von Turgay Karali optimiert Erman Chamza das Gewohnte nach und nach - 21.01.2013 17:35 Uhr

Nürnberg  - Am Samstag wollte Dergahspor bei der Hallen-Bezirksmeisterschaft groß aufspielen. Man vertrat immerhin den Fußballkreis Nürnberg in der Erlanger Emmy-Noether-Halle. Doch erst wurde man von zwei Kreisligisten geärgert, dann auch noch vom Vorjahressieger.

Im Halbfinale gegen Regionalligist Seligenporten (unser Bild) und  am Turnieranfang gab es Ausrutscher, ansonsten zeigte Dergahspor eindrucksvoll, dass mit dem neuen Trainer auch die Spielfreude nicht verloren geht.
Im Halbfinale gegen Regionalligist Seligenporten (unser Bild) und am Turnieranfang gab es Ausrutscher, ansonsten zeigte Dergahspor eindrucksvoll, dass mit dem neuen Trainer auch die Spielfreude nicht verloren geht.
Foto: Klaus-Dieter Schreiter
Im Halbfinale gegen Regionalligist Seligenporten (unser Bild) und  am Turnieranfang gab es Ausrutscher, ansonsten zeigte Dergahspor eindrucksvoll, dass mit dem neuen Trainer auch die Spielfreude nicht verloren geht.
Im Halbfinale gegen Regionalligist Seligenporten (unser Bild) und am Turnieranfang gab es Ausrutscher, ansonsten zeigte Dergahspor eindrucksvoll, dass mit dem neuen Trainer auch die Spielfreude nicht verloren geht.
Foto: Klaus-Dieter Schreiter

Die Motivation überlässt Erman Chamza zwei Bildern, die er an die Kabinenwand gehängt hat. Eines zeigt die jubelnde Dergahspor-Meute nach dem Sieg beim Burgpokal, eines die jubelnde Dergahspor-Meute nach dem Sieg bei der Kreismeisterschaft. Darunter, über ein wirres Gekritzel auf einem Taktikbrett, hat der neue Trainer nur einen Satz geschrieben: „Der Star ist die Mannschaft.“

Viel, sagen sie bei Dergah, soll sich nicht ändern, seitdem nicht mehr Turgay Karali, sondern Erman Chamza das Sagen hat. Chamza sei offener, führe mehr Einzelgespräche, habe aber vor allen Dingen den großen Wert auf Disziplin und Selbstkritik von seinem Vorgänger übernommen. „Das Vertrauen ist da, beidseitig“, sagt Chamza knapp über sein Verhältnis zur Mannschaft.


Karali hatte, wie mehrfach berichtet, vor gut zwei Wochen überraschend das Handtuch geschmissen, „Das war eine sehr schwere Entscheidung, ich habe lange Zeit alles für Dergahspor gegeben. Daher habe ich auch lange überlegen müssen“, sagt Turgay Karali. Letzten Endes seien aber die „Differenzen mit der Vorstandschaft“ so groß gewesen, dass er nicht mehr weiterarbeiten wollte.

Wenn man sich umhört bei Dergahspor, erfährt man, dass Karalis autoritäre Art nicht bei allen gut angekommen ist. Abteilungsleitung und Vorstandschaft hätten mehrfach Mitspracherecht bei wichtigen Entscheidungen verlangt, Karali habe aber weiter eigenbrödlerisch gearbeitet. „Ich habe das immer situationsabhängig gemacht. Es gab Entscheidungen, die ich allein getroffen habe. Aber auch welche, bei der ich Meinungen eingeholt habe“, sagt Karali. Seine Entscheidung sei definitiv, eine Rückkehr zu Dergahspor schloss er nicht grundsätzlich aus. „Ich habe keine Baustelle hinterlassen, die Mannschaft ist top ausgebildet. Ich habe überall Spuren hinterlassen“, sagt Karali stolz.

So auch bei der Hallenbezirksmeisterschaft am Samstag in der Erlanger Emmy-Noether-Sporthalle, wo man der Mannschaft nichts von all den Quärelen anmerken konnte. „Wir sind gekommen, um attraktiven Fußball anzubieten. Wir wollen Spaß und Freude haben“, sagte Emre Chamza.

Das mit der Attraktivität stimmte von Beginn an, nur vergaßen die Grün-Weißen erst einmal das Toreschießen. Und ließen sich sogar von Kreisligisten düpieren: Im Auftaktspiel gegen Holzheim sprang nur ein 1:1 heraus, gegen den Regionalligisten SC Eltersdorf, der nur seine zweite Mannschaft, die ebenfalls in der Kreisliga kickt, geschickt hatte, unterlag Dergahspor sogar mit 3:4.

Ein starker Auftritt gegen Erlangen-Bruck (5:2) im letzten Gruppenspiel sicherte dank des besseren Torverhältnisses doch noch den Einzug ins Halbfinale, wo Dergahspor allerdings von Vorjahressieger und Regionalligist Seligenporten mit 0:4 in die Schranken gewiesen wurde. Immerhin sicherte sich die Mannschaft noch Platz 3, durch einen 4:1-Kantersieg über Eltersdorf. Der Sieg ging am Ende erneut an den SV Seligenporten.

Platz 2 ist das Ziel

„Platz 2 ist das Ziel in der Rückrunde“, sagt Neu-Abteilungsleiter Dieter Rebel. Er hat einen Dergahspor-Wimpel an die Kabinentür gehängt, „auch wenn die Leute sagen werden: Schau’ hin, der verrückte Rebel wieder“, sagt er und grinst. Vier, fünf Neuzugänge hat er im Blick, „drei davon sind so gut wie sicher“: Von Süd 73 Nürnberg kommt Sascha Amtmann als Innenverteidiger. Für die Offensive steigt Manuel Fiori, ebenfalls von Süd 73, im Februar ins Training ein, Ferdinand Eck trainiere bereits eifrig mit, man teste den Schwabacher aber noch auf seine Bereitschaft, andere Hobbys dem Fußball hinten anzustellen.

Er sei stolz, erster deutscher Abteilungsleiter bei Dergahspor zu sein, sagt Rebel, der sich das Amt mit Cesur Colak teilt. „Das entspricht unserer Philosophie, deshalb ja auch die türkische und die deutsche Flagge im Logo“, sagt Rebel und nestelt an der Jacke, um mit dem Zeigefinger auf das Vereinsemblem zu zeigen.

An andere Dinge, sagt der Abteilungsleiter, müsse er sich aber noch gewöhnen. Er fände es klasse, dass in der Kabine Tee gekocht und Kuchen gegessen würde. „Aber dass plötzlich jemand am Boden kniet und betet, das ist neu für mich.“ 

CHRISTOPH BENESCH


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