Der Besuch der Trainer-Ikone Hans Meyer
Hans Meyer zog die Schiedsrichter in seinen Bann
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04.05. 08:00 Uhr
NÜRNBERG
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Die Lacher seiner vielen Zuhörer hat Hans Meyer schon vor Beginn der 90 Minuten auf seiner Seite. Die Zuhörer, das sind diesmal keine wissbegierigen Fußballspieler oder Trainerkollegen, das sind an diesem Abend die Nürnberger Schiedsrichter im vollbesetzten Saal des „Heidekrugs“.
Nach Javier Pinola und Marek Mintal durfte Obmann Hans Rößlein (rechts) nun auch Hans Meyer als Referent in der Schiedsrichtersitzung begrüßen.
Foto: Heinz Wraneschitz
Nach Javier Pinola und Marek Mintal durfte Obmann Hans Rößlein (rechts) nun auch Hans Meyer als Referent in der Schiedsrichtersitzung begrüßen.
Und als sich Hans Rößlein, der Obmann, zuallererst bei ihm für seine „spontane Zusage“ bedankt, muss er „gleich etwas richtigstellen“: „Wie eine Schmeißfliege“ habe ihn dieser Herr, er zeigt auf den stellvertretenden Obmann Gerhard Grünbaum, „zweieinhalb Jahre lang verfolgt“ – von „spontan“ könne also keine Rede sein.
Meyer sagt, was er denkt, er lässt sich nicht verbiegen und sich auch nicht auf eine falsche Fährte locken oder eine Regelfrage vorsetzen, die er vielleicht nicht beantworten könnte. In erster Linie aber kann der heute 68-Jährige „nach 38 Jahren als Trainer immer im Hochleistungsbereich“ viel erzählen: Seine Einschätzungen und Anekdoten lesen ihm die rund 130 anwesenden aktiven und passiven Schiris, darunter auch der Bezirksobmann Gerhard Pech und sein Beisitzer Siegmar Seiferlein, quasi von den Lippen ab; in den folgenden 90 Minuten – es wird ein kurzweiliges Fußballspiel ohne Halbzeitpause – hätte man eine Stecknadel fallen hören können.
Die weiterhin in Nürnberg wohnende Trainer-Ikone („Mein Herz hängt an Borussia Mönchengladbach und am Club“; spricht er vom Club, sagt er immer „wir“) bricht zunächst eine Lanze für die deutschen Schiedsrichter, „da stehen wir ganz oben in Europa“. Überhaupt hätte er sich schon früher immer gewundert, dass ihm die Schiedsrichter, wenn er als neutraler Beobachter auf der Tribüne saß, „viel besser vorkamen“, als wenn er selbst als Trainer am Spiel beteiligt war.
Probleme gab es nur mit Markus Merk
„Doch ich habe in meiner Laufbahn nur mit einem einzigen Schiedsrichter Probleme gehabt“, erzählt er: „Das war Markus Merk, der meine Mannschaften 13-mal gepfiffen und dabei aber auch achtmal schlechte Noten bekommen hat.“
Zuletzt aber habe Wolfgang Stark beim Spiel Real gegen Barca inklusive der Roten Karte alles richtig gemacht; wie schon „kicker“-Herausgeber Rainer Holzschuh im „Scheinwerfer“ und Ottmar Hitzfeld in der „kicker“-Kolumne hat auch Meyer kein Verständnis für die Ausfälle von José Mourinho: „Das war total unsachlich, bei ihm steht Gefühl über Sachlichkeit.“
Trotzdem würde er den Schiedsrichtern gerne zwei Sachen ans Herz legen: Gegen die Unsitte mit dem unsportlichen Ellbogeneinsatz bei Kopfballduellen werde immer noch nicht konsequent genug vorgegangen, prangert er an und steht mit dieser Meinung wohl nicht ganz alleine da. Von „Heuchelei“ und „Schein-Fairness“ spricht der deutsche Pokalsieger 2007 mit dem Club sogar, wenn es um die „Liegenbleiber“ nach vermeintlichen Fouls geht. „In zwei von 14 Fällen ist es nicht nötig, dass die Spieler liegenbleiben und der Ball ins Aus gespielt wird“, glaubt er; da müsse man „den Schiedsrichtern etwas an die Hand geben“, damit sie entscheiden könnten, auch mal nicht zu unterbrechen.
Für technische Hilfsmittel wie die Torkamera spricht er sich hingegen „nur in absoluten Ausnahmefällen“ wie zum Beispiel dem Helmer-Tor aus: „Wenn man jede Tatsachenentscheidung in Frage stellt, würde der Fußball schnell an Attraktivität verlieren“, ist er überzeugt. Umso schöner findet er es dafür, wenn mal ein guter Spruch die heiße Atmosphäre auf dem Platz abkühlt: „Als Anthony Baffoe einmal die Gelbe Karte drohte, hatte er zum Schiedsrichter gesagt, wir Schwarzen müssen doch zusammenhalten, und der Schiedsrichter verstand Humor und ließ die Karte stecken.“
Natürlich muss Meyer auch noch zum Club Stellung nehmen. Er lobt die bodenständige Art von Dieter Hecking und dessen guten Draht zu den jungen Spielern, sagt, dass es die Mannschaft in dieser Saison vor allem „nach vorne überraschend gut gemacht hat“ – und bricht noch eine Lanze für Andreas Wolf: „Ich hoffe nicht, dass er geht und es sich dann im Nachhinein bestätigt, wie wichtig er war. Er hat momentan zu Unrecht einen schweren Stand.“
Als Rößlein die Partie abpfeift, ist Hans Meyers Gastspiel bei der Schiedsrichtersitzung aber noch immer nicht zu Ende. Der Trainer-Ruheständler, der noch verrät, dass er „für acht Wochen Wolfsburg eine Menge Geld“ hätte bekommen können, muss noch jede Menge Autogramme schreiben und für private Fotos posieren: Ein Mann, der sich in Nürnberg wohlfühlt und den auch die heimischen Schiedsrichter ins Herz geschlossen haben.