Der Chauffeur der Fußball-Profis
Hardy Hiesinger fährt das Team der SpVgg Greuther Fürth — Espressomaschine an Bord
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13.02. 10:00 Uhr
WOLFSBERG/FÜRTH
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Kleeblatt-Fans träumen von dem, was für Hardy Hiesinger zum Berufsalltag dazugehört: Er sitzt mit dem Zweitliga-Team vor dem Spiel beim Mittagessen, fiebert während des Spiels mit auf der Bank und klopft nach dem Spiel anerkennend oder tröstend auf die ein oder andere Spielerschulter. Zum Schluss lädt er alle ein: Hardy Hiesinger ist der „Bussi“, der Busfahrer der Greuther Fürther.
Hardy Hiesinger fährt die Greuther Fürther zu den Spielen und ist auch im Trainingslager vor Ort.
Foto: Leo Hühnlein
Hardy Hiesinger fährt die Greuther Fürther zu den Spielen und ist auch im Trainingslager vor Ort.
2009 kam Hiesingers Chef auf ihn zu, ob er nicht Lust habe, künftig die SpVgg Greuther Fürth zu fahren. Er habe doch selbst lange Fußball gespielt, erinnert sich Hardy Hiesinger. Der Wolfsberger ist seit 20 Jahren Busfahrer und arbeitet bei Schmetterling Reisen in Geschwand. Die Lust war da, obwohl er zu diesem Zeitpunkt als Fan noch fremd ging, genauer gesagt, ins Nürnberger Stadion zum Club. Inzwischen gehört sein Fußballerherz allein den Fürthern. Ein bisschen auch noch dem SV Wolfsberg und der SpVgg Obertrubach, bei denen er als Mittelfeldspieler aktiv war. „Jetzt fehlt mir dazu die Zeit.“
Mit „Von A nach B fahren“ ist es in Fürth nicht getan. Hardy Hiesinger unterstützt auch Zeugwart Josef Gran bei seiner Arbeit, wuchtet die Ausrüstung in den Bus, stattet die Kabinen bei Auswärtsspielen mit aus und begleitet auch mal einen Spieler, der vorzeitig vom Platz geschickt wurde. Deswegen ist Hiesinger auch ohne seinen Bus im Einsatz, war zum Beispiel im Januar-Trainingslager in der Türkei mit von der Partie.
Der Bus transportiert die Spieler in die Zweitliga-Städte und ist bei Abend-Heimspielen in Aktion. Dann fährt Hiesinger das Team vom Training ins Hotel, damit die Fußballer dort essen und sich ausruhen können und wieder zurück ins Stadion. „Es hat alles seinen Rhythmus“, den der Familienvater inzwischen in- und auswendig kennt.
„I sing a Liad für di“
Er habe sich vom ersten Tag an gut aufgehoben gefühlt, erinnert sich Hardy Hiesinger. Mit den meisten ist der „Bussi“ (von Busfahrer), so sein Spitzname per Du, es bleibt auch Zeit für persönliche Gespräche, selbst Freundschaften seien entstanden. Locker gehe es zu in der „Familie“ der Kleeblätter — aber auch hochprofessionell, betont Hiesinger. Die Route muss gut vorbereitet sein, Staus einkalkuliert, die Logistik muss passen. Und der Song an Bord sein: „I sing a Liad für di“ von Andreas Gabalier. „Haben wir unser Lied dabei?“ hat Trainer Mike Büskens auf der Rückfahrt von Sinsheim gefragt, nach dem historischen DFB-Viertelfinal-Sieg gegen Hoffenheim. Es war dabei. Und dann haben sie alle gesungen, auch Hiesinger, die Freude war groß.
Gefeiert wurde im Bus aber nicht mehr viel. „Es war ein raues Spiel, viele waren geschafft.“ Nach dem Essen — Putenschnitzel mit Nudeln — haben die einen ferngesehen, die anderen ihren iPod bearbeitet oder im Internet gesurft. Vielleicht hat jemand auch die Espressomaschine bedient, weil er nicht gleich einschlafen wollte. Der Fürther Bus gehört in seiner Gattung zur XXL-Luxus-Variante. Multimediatechnisch voll ausgestattet, auch mit Bezahlfernseh-Abo versteht sich, um die Konkurrenz zu beobachten.
In dem überlangen Bus mit nur 28 Sitzen nimmt Hardy Hiesinger auch Mal Club-Fans mit. Wenn der Bus nicht für die Greuther im Einsatz ist, fährt der Wolfsberger Schmetterling-Kunden zu Kreuzfahrt-Anlegestellen oder begleitet sie auf ihre Städtetrips. „Wenn ich Kunden in Nürnberg abhole, höre ich schon mal einen lockeren Spruch, da könne man ja gar nicht einsteigen“, erzählt Hiesinger. Der Bus ist mit Greuther-Werbung beklebt. Sobald die Gäste das Innenleben sehen, seien „Vorbehalte“ aber schnell abgebaut, schmunzelt er.
Club-Fans werden schwach
Abgesehen von den vielen technischen Extras können die Sitze zu Schlafsesseln umgebaut werden. Da fangen auch Club-Fans an zu träumen. Wahrscheinlich aber eher nicht vom Aufstieg der Fürther in die 1. Bundesliga. Hardy Hiesingers Einschätzung: „Mein Herz sagt ja, mein Gefühl ist schwammig.“ Egal wohin die Fürther nächste Saison fahren, am Steuer wird Hardy Hiesinger sitzen.