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Herr Ulbricht, am Montagabend haben Sie erstmals seit Mai 2011 beim Jahn mittrainiert. Wie war’s?
Tobias Ulbricht: Es war relativ locker, wir waren laufen und danach im Königsbad in der Sauna. Auch sonst war der Empfang sehr warm, sehr herzlich. Ich habe bislang nur positives Feedback bekommen, sogar von anderen Vereinen kamen SMS mit Glückwünschen. Dadurch fühlt es sich jetzt noch mehr so an, als hätte ich mit dem Wechsel alles richtig gemacht.
Und der Empfang der Mannschaft?
Tobias Ulbricht: Der war auch sehr positiv. Vor allem die alten Kumpels wie Christoph Saffra, Senad Bajric, Christian Michl, Oliver Skuza und Nuhi Sylejmani waren froh, dass ich wieder mit ihnen zusammen spiele. Und natürlich Trainer Michael Hutzler, der eine gute Ansprache gehalten hat. Das hat mir gezeigt: Er ist genauso heiß wie ich auf die Rückrunde.
Es gibt aber auch neue Spieler, die jetzt Angst haben, wegen Ihnen auf der Bank zu landen...
Tobias Ulbricht: Die meisten neuen Mitspieler habe ich schon kennengelernt, die sind alle in Ordnung. Trotzdem gehört Konkurrenzkampf dazu und unser Trainer sagt, wer nicht fit ist, wird nicht spielen. Und er wird auch auf mich keine Rücksicht nehmen, sollte ich nicht fit sein.
Das verwundert jetzt. Ihr Wechsel aus Bruck ist ja gerade deshalb zustande gekommen, weil Sie nicht mehr so intensiv trainieren können.
Tobias Ulbricht: In Bruck habe ich schon drei Wochen Vorbereitung wegen Urlaub und Job verpasst. Ins Trainingslager nach Irland kann ich aus beruflichen Gründen auch nicht mit — das wäre die vierte Woche. Dann weiß ich, dass ich unter der Woche aus beruflichen Gründen ab und an ein, zweimal fehlen werde. Damit habe ich in der Bayernliga kaum noch Chancen zu spielen. Ich bin aber trotzdem körperlich fit, mache viel für mich selbst. Also mache ich mir keine Gedanken, dass ich nicht fit genug wäre, um dem Jahn weiterzuhelfen.
Wie haben die Brucker denn eigentlich so kurz vor Wechselfristende auf Ihre Entscheidung reagiert?
Tobias Ulbricht: Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zum Trainer Gerd Klaus, den ich frühzeitig informiert habe. Mit ihm habe ich als erstes alles besprochen, habe ihm erklärt, dass ich mit meinen 27 Jahren spielen will. Wäre ich erst 22, könnte ich auf meine Chance warten. Das war ok für ihn, auch weil ich Bruck wenig weiterhelfe, wenn ich oft nicht da bin. Letztlich haben sich die Verhandlungen zwischen den Vereinen noch eine Woche lang hingezogen.
Seit wann hatten Sie mit dem Gedanken gespielt zum Jahn zurückzukehren?
Tobias Ulbricht: Der Kontakt zum Jahn ist über die alten Kumpels nie abgerissen. Vor allem aber Christian Springer (Anm.d.Red.: Mitglied der Vorstandschaft mit dem Kerngebiet Fußball) hat sich seit Weihnachten sehr um mich bemüht und mir sein Konzept vorgelegt, in dem ich eine zentrale Rolle spielen könnte. Das hat mich überzeugt. Ich denke, dass der Jahn viel Potential hat.
Das hört sich nicht danach an, dass Sie Forchheim nach eineinhalb Spielzeiten wieder verlassen wollen.
Tobias Ulbricht: Das wird man sehen. Wenn wir jetzt den Aufstieg in die Bayernliga schaffen, sieht es gut aus. Ich habe mich in Forchheim schon immer sehr wohl gefühlt. Und der Jahn ist ja auch ein Traditionsverein mit Bayernligavergangenheit. Für mich war er schon früher immer so etwas wie der FC Bayern des Landkreises.
Trotzdem haben Sie den FC Bayern des Landkreises letzte Saison nach dem Klassenerhalt verlassen.
Tobias Ulbricht: Ja, da war einfach die sportliche Herausforderung, in Bruck Bayernliga spielen zu können. Ich habe das aber unterschätzt mit der neuen Arbeit und der höheren Liga, in die man sich eingewöhnen muss. Zwei Aufgaben, in die man sich hundertprozentig einbringen muss. Das war vielleicht zu viel.
Das bedeutet: Ihr Wechsel zum FSV Bruck war ein Fehler?
Tobias Ulbricht: Auf gar keinen Fall; der Trainer hat mir viel beigebracht, ich bin vor allem vom Kopf her weiter. Auch weil ich mal gesehen habe wie es ist, auf der Bank zu sitzen. Wenn ich nicht schon 27 wäre, hätte ich mir auch mehr Zeit gegeben, mich dort durchzubeißen. Aber ich will in meinem Alter einfach wieder mehr spielen.
Es gibt aber auch Leute die behaupten, Sie hätten wegen des Umbruchs in der Mannschaft und wegen des Trainers damals den Jahn verlassen.
Tobias Ulbricht: Nein, das stimmt nicht. Es waren ausschließlich sportliche Gründe.
Droht den Jahn-Fans, dass Sie Forchheim erneut als Sprungbrett nutzen könnten — zum Beispiel, um mit neuem Selbstbewusstsein nächste Saison nach Eltersdorf zu gehen?
Tobias Ulbricht: Ich glaube nicht, denn ich habe jetzt ja gesehen, dass es für mich mit dem Beruf nicht vereinbar ist, mehr Zeit in Fußball zu investieren. Mit dem Jahn Bayernliga zu spielen, das ist ein großes Ziel und wäre eine tolle Sache. Der Jahn ist keine Notlösung.
Letztes Jahr war Ihr Weggang Mitauslöser für andere Spieler auch zu wechseln. Könnte Ihre Rückkehr nun das Signal für weitere Ex-Jahnler sein, wie Sie zurückzukehren?
Tobias Ulbricht: Schwierige Frage. Es lag ja nicht nur an mir, dass Spieler sich neu orientiert haben. Es würde mich zwar freuen, wenn sie zurückkämen, denn wir hatten eine unheimlich tolle Zeit. Wir waren elf Freunde — mehr als elf! Aber ich glaube trotzdem nicht, dass nun alle meinetwegen zurückkehren.
Sie waren zuletzt Vize-Kapitän beim Jahn und hatten die Rückennummer 13. Haben Sie sich beides vertraglich wieder zusichern lassen?
Tobias Ulbricht: Nein, Kapitän ist der Christoph Saffra, der macht das auch klasse, hier gibt es gar keinen Bedarf, etwas zu ändern. Und um mal meine Meinung zu sagen, brauche ich denke ich auch nicht unbedingt diese Binde. Aber die 13, die hab’ ich wieder.
Klauen Sie die nicht Sturmpartner Florian Clausnitzer?
Tobias Ulbricht: Nein, der gibt sie gerne her, weil er sagt, sie habe ihm ohnehin kein Glück gebracht. Ich verbinde die Nummer stattdessen mit guten Spielzeiten und Michael Ballack. Ich finde, seine Präsenz auf dem Platz ist klasse. In Bruck musste ich oft auf die 31 ausweichen, vielleicht lief es deshalb dort für mich nicht optimal (schmunzelt).
So. 13.05.12
Fr. 11.05.12
Fr. 11.05.12