Dergahspor: Überrascht von der Herzlichkeit
Nach einem halben Jahr in der Fußball-Landesliga zieht man beim Aufsteiger zufrieden Zwischenbilanz
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20.02.12
NÜRNBERG
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Dergahspor übt die Konsolidierung. Bei einer Presserunde am vergangenen Samstag sprachen Vereinsführung und Trainer über Zukunftskonzepte, Spielerwechsel und das eigene Selbstverständnis. Wie zukunftsorientiert der Stab um Vereinsvorstand Hasan Karali denkt, wurde auch durch einen mahnenden Hinweis auf das Schicksal eines türkischstämmigen Ex-Vereins deutlich.
Dergahspors Spielertrainer Turgay Karali.
Foto: Sportfoto Zink
Dergahspors Spielertrainer Turgay Karali.
Natürlich, momentan läuft es rund bei Dergahspor. Zwar taugt das in einem grauen Zweckbau am Pferdemarkt gelegene Vereinsheim nur bedingt als würdiger Repräsentationsraum von Nürnbergs zweitbestem Fußballverein, aber schließlich geht es um das Sportliche. Und da steht man nach zwei Aufstiegen in Folge zur Winterpause auf Platz 14 der Landesligatabelle. Neue Farbe hätte man in die Landesliga gebracht, so Hasan Karali, man selbst sei im Übrigen überrascht von der Herzlichkeit, mit der man bei Auswärtsfahrten behandelt wurde. Das Zwischenfazit der Premierensaison fällt also durchweg positiv aus.
Trennung von Bölük
Dass man sich aber nicht mit der Rolle des netten, aber harmlosen Neulings zufriedengeben wird, formuliert Trainer Turgay Karali mit der Zielsetzung für die Rückrunde. Man sei besser als der Tabellenstand, viele Punkte habe man unglücklich in den letzten Minuten verschenkt. „Wir haben die Hoffnung auf einen Platz unter den ersten acht nicht aufgegeben“, sagt er und rückt damit den Fokus auf die direkte Qualifikation für die kommende Bayernligasaison. Ein ambitioniertes Ziel für einen Verein, der von sich selbst feststellt, strukturell noch großen Nachholbedarf zu besitzen. Sie seien eben Sportler, fügt er noch hinzu, „wir wollen immer Erfolg haben“.
Dieser Erfolg wird in Zukunft mit Hilfe von vier jungen Neuzugängen, allerdings ohne Torjäger Akin Bölük eingefahren. Der „hochtalentierte Stürmer und schwierige Charakter“ habe nicht mehr in die Mannschaft gepasst. „Das ist zwar schade, aber er war einfach nicht mehr tragbar“, so Karali. Eine Entscheidung, die auch die Vereinsführung mittrug.
Eben jene Vereinsführung weiß nämlich auch, dass man für einen langfristigen Erfolg Maßstäbe in allen strukturellen Bereichen festlegen muss, um so auch mögliche kurzfristige Misserfolge wegstecken zu können. Da ist ein gesundes Mannschaftsgefüge nur ein Faktor. Vor zehn Jahren habe man noch in der Kreisklasse gespielt, seitdem ginge es stetig bergauf. Dass für einen Verein wie den Ihrigen natürliche Grenzen bestehen, ist Vorstand Hasan Karali bewusst — ebenso wie das Schicksal des Türkischen FK, der bis vor
ein paar Jahren das Aushängeschild der türkischstämmigen Fußballgemeinde Nürnbergs war und nach finanziellen Drahtseilakten und sportlichen Rückschlägen im Jahre 2007 aufgelöst wurde.
Die Tür steht offen
So bündelt man bei Dergahspor also die Kräfte nicht nur für den Erhalt des sportlichen Status quo, sondern kümmert sich um Nachhaltigkeit. Einen Aufbau von weiteren Jugendmannschaften hat man ins Auge gefasst, schon im nächsten Jahr will man mit einer eigenen B-Jugend im Spielbetrieb starten, um so langfristig mehr eigene Jugendspieler in den Seniorenbereich zu integrieren. Auch eine kaufmännische Abteilung wurde eingerichtet, um die vorhandenen Mittel besser zu nutzen und neue Sponsoren zu akquirieren. Der — nach eigenem Selbstverständnis — deutsche Verein mit türkischen Wurzeln ist also bemüht, sich als ernstzunehmende Stimme in der Nürnberger Fußballfamilie zu etablieren.
Natürlich braucht man dazu auch einen festen und ausreichend großen Personalstamm. Die Zeit der großen Fluktuation auf diesem Gebiet soll beendet werden, man hofft auf Ehrenamtliche, die sowohl aus den eigenen Reihen als auch von außerhalb stammen können – ganz im Zeichen des Vereinsnamens. „Dergah“, so Hasan Karali, „kann man mit Tür übersetzen. Egal welche Mentalität oder Nationalität man hat, jeder wird eingeladen, durch diese Tür zu gehen.“ Und auch wenn es die eines einfachen Zweckbaus ist, herzlich sind sie dahinter allemal.