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Auslöser der Diskussion ist der Fall der inhaftierten Oppositionspolitikerin und früheren Regierungschefin Julia Timoschenko, der eine Ausreise zur medizinischen Behandlung verweigert wird. Bereits den Prozess wegen Korruption hatte die Europäische Union als politisch motiviert bezeichnet und dann mehrfach die Bedingungen ihrer Haft kritisiert. Jüngst forderte deshalb die menschenrechtspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Jutta Steinbach, Spiele unter anderem nach Deutschland zu verlegen. Die Mitglieder der EU-Kommission indes wollen den EM-Spielen fernbleiben.
Obwohl er die Nachrichtenlage verfolgt, trübt die derzeitige Entwicklung seine Vorfreude auf die EM nicht. Edmund Kainer vom Fanclub Clubfreunde Burk-Forchheim hat sich seine Tickets für die Vorrundenspiele der deutschen Nationalmannschaft bereits gesichert. „Vor einer Absage des Turniers habe ich keine Angst. Das können sich die Organisatoren gar nicht leisten“, sagt Kainer. Die Politik versuche mit derartigen Drohgebärden, das Land zu einem westlichen Kurs zu drängen. In einer Krise steckte im Jahr 2010 auch das damalige WM-Gastgeberland Südafrika. „Die Veranstaltung verlief trotz großer Bedenken ohne Zwischenfälle“, erzählt Kainer, der sich vor Ort ein Bild gemacht hatte.
Huso Bajric beschäftigt sich noch intensiver mit der politischen und gesellschaftlichen Dimension des Fußballs. Der langjährige Spieler und Trainer richtet an Pfingsten ein Integrationsturnier aus, an dem viele Fußballer aus dem Raum Forchheim in verschiedenen Nationalmannschaften teilnehmen. „Gerade wegen der politischen Brisanz sollte die EM in der Ukraine stattfinden“, sagt Bajric, „das Turnier ist eine Chance für die Menschen und das Land, von der Welt gesehen und gehört zu werden.“ Wird der Ukraine die EM weggenommen, ändert die Politik gar nichts, ist sich Bajric sicher. Deshalb begrüßt er auch die Vergabe der Fußball-WM 2018 nach Russland und 2022 nach Katar.
„Politiker und Sportler sollten vor Ort öffentlich auf Missstände aufmerksam machen und so die Machthaber unter Druck setzen“, spricht sich Kreisspielleiter Max Habermann ebenfalls gegen einen EM-Boykott aus. Als Begleiter der mittelfränkischen C-Jugend-Auswahl lernte Habermann vor zwei Jahren die Ukraine kennen und erinnert sich noch genau an das „Nebeneinander von Arm und Reich“. Unabhängig von dem sportlichen Event sollte der Entwicklung des Landes mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden, findet er.
Fast ausschließlich auf den Fußball richtet Jahn-Fußballer Tobias Ulbricht seinen Blick. Was damit zu tun hat, dass er für einen bekannten Sportartikelhersteller in Herzogenaurach arbeitet und beruflich wohl einige Tage zur EM reisen wird. „Jetzt nach Jahren der Planung alles umzuschmeißen wäre sinnlos. Über die Lage in den Austragungsländern sollte sich die Uefa (europäischer Fußballverband, d.Red) vorher Gedanken machen“, sagt Ulbricht.
Do. 23.05.13
Do. 23.05.13
Di. 21.05.13
Di. 21.05.13