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Eisstockschießen statt Vorbereitungsspiel

Wie die Bezirksoberligisten Kornburg und Buch dem Winter trotzen - 09.02. 16:50 Uhr

NÜRNBERG  - Von wegen geregelte Vorbereitung. Die heimischen Amateurfußballer haben mit den eiskalten Temperaturen und hartgefrorenen Plätzen zu kämpfen. „Die Not beziehungsweise der Winter machen erfinderisch“, könnte man momentan sagen. Die NZ hat sich knapp drei Wochen vor dem Start in die zweite Saisonhälfte bei den beiden Nürnberger Bezirksoberligisten TSV Buch und TSV Kornburg umgehört.

Beim Duell in der Hinrunde, welches der TSV Buch (in weiß) beim TSV Kornburg mit 1:2 verlor, freuten sich die beiden Nürnberger Bezirksoberligisten über einen grünen Rasen. Momentan würden sie sich diesen wünschen.
Beim Duell in der Hinrunde, welches der TSV Buch (in weiß) beim TSV Kornburg mit 1:2 verlor, freuten sich die beiden Nürnberger Bezirksoberligisten über einen grünen Rasen. Momentan würden sie sich diesen wünschen.
Foto: Eduard Weigert
Beim Duell in der Hinrunde, welches der TSV Buch (in weiß) beim TSV Kornburg mit 1:2 verlor, freuten sich die beiden Nürnberger Bezirksoberligisten über einen grünen Rasen. Momentan würden sie sich diesen wünschen.
Beim Duell in der Hinrunde, welches der TSV Buch (in weiß) beim TSV Kornburg mit 1:2 verlor, freuten sich die beiden Nürnberger Bezirksoberligisten über einen grünen Rasen. Momentan würden sie sich diesen wünschen.
Foto: Eduard Weigert

„Ekelhaft und arschkalt“, meint Florian Beck relativ nonchalant auf die Frage nach den Befindlichkeiten eines Trainers in der aktuellen Wintervorbereitung. Mitte Januar hat der Trainer des TSV Kornburg mit seinen Schützlingen wieder losgelegt, zunächst ganz zufriedenstellend. Die Kornburger konnten in den ersten Einheiten noch auf den Platz und mit dem Ball arbeiten. Am letzten Januarwochenende kam dann aber der Schnee – und vorbei war es mit der fußballerischen Herrlichkeit.

„Die ersten Male nach dem Schneefall konnten wir noch auf unseren B-Platz“, berichtet Buchs Coach Roland „Landi“ Frey über die bisherige Vorbereitung bei den Knoblauchsländern, „aber wenn du den Platz nicht mehr abziehen kannst und der Boden tiefgefroren ist, dann geht nichts mehr.“ Doch es ist ja nicht das erste – und sicherlich nicht das letzte – Mal, dass der Winter die heimischen Gefilde in der Vorbereitungszeit der Fußballer im Griff hat. „Es geht ja fast allen so“, sagen Florian Beck und „Landi“ Frey unisono. Improvisationskünste seien neben den unvermeidlichen Laufeinheiten, deren Sinn bei zweistelligen Minusgraden aber auch bezweifelt werden darf, eben gefragt.



In Kornburg können die Kicker die Schulturnhalle nutzen, ab und an steht ein Ausflug in die Schwabacher Soccer Plaza an, zudem werden das Fitness-Studio und Spinning als Alternativen genutzt. In Buch steht die eigene Halle am Wegfeld – wenn sie denn nicht belegt ist – oder Fitnesstraining mit Physiotherapeutin Nadine Jezmann auf dem Plan. Zudem lassen die Trainer auch mal Nachsicht walten. „Vergangenen Freitagabend war es dermaßen kalt, da haben wir eben spontan einen Mannschaftsabend gemacht“, erzählt Florian Beck. Roland Frey und seine „Bucher Jungs“ hatten nach einer Testspielabsage eine interessante Idee: „Wir waren alle Eisstockschießen“, so der 43-Jährige schmunzelnd.

Auch wenn natürlich der sportliche Aspekt nicht zu kurz geraten darf, Aktivitäten im Sinne der Kameradschaft – neudeutsch „Teambuildingmaßnahmen“ – sind ja gerade für die Neuzugänge nicht das Schlechteste.

Beim TSV Buch gilt es drei neue Gesichter in den Kreis der ersten Mannschaft zu integrieren. Kai Rupprecht (21 Jahre, Sturm, vom FC Stein), Tim Kett (22, offensives Mittelfeld, Tuspo Nürnberg) und Marco Engel (35, Sturm, FC Kalchreuth) haben sich dem BOL-Aufsteiger angeschlossen. Trainer Frey freut sich über diese Personalien speziell im offensiven Bereich, da René Schumann aus beruflichen Gründen weiter kürzer treten muss. „Wir haben nicht aufgerüstet wie andere. Zum einen lockst du ohne Geld kaum Spieler und das entspricht auch nicht unserer Philosophie in Buch, zum anderen haben wir ja auch eine eingespielte Truppe“, sagt Frey und meint mit den „anderen“ auch durchaus den Nachbarn aus dem Nürnberger Süden.

Denn beim TSV Kornburg konnte man doch den ein oder anderen „dicken Fisch“ an Land ziehen. Allen voran Stephan Schwendinger (21, Sturm), der nach seinem sicherlich lehrreichen Abstecher zum SV 73 Süd wieder zurückgekehrt ist. Oder Christian Richert (30, Abwehr, SG Quelle Fürth) der bereits einige Landesligaspiele in seiner Vita stehen hat. Was auch für den Ex-Spielertrainer des Kreisligisten SV Barthelmesaurach, Marcus Sieber, gilt, der speziell in Schwabacher Fußballerkreisen (DJK und SC 04) kein Unbekannter ist. In Kornburg will es der nunmehr 34-jährige Allrounder noch einmal wissen. Große Stücke hält Beck nach den ersten Eindrücken auch auf die jungen Offensivspieler Christian Wölfel (20, SK Lauf) und den jüngeren Bruder von Stephan Schwendinger, Philipp (18, „U19“ SV 73 Süd). Mit Oliver Schmidmeier, der lange an den Folgen einer Bauchmuskelzerrung laborierte, meldet sich in absehbarer Zeit ein weiterer Akteur zurück.

Während der TSV Buch keine Abgänge zu verzeichnen hat, sind es in Kornburg deren drei. Yakup Basoglu wechselte zu Türkspor Freystadt, Jörg Führer und Christian Wolf, die beide zum Kader der (Kreisliga-)Reserve zählten, zum FC Bayern Kickers beziehungsweise TSV Altenfurt. Bei Stürmer Marco Perras hat Florian Beck wenig Hoffnung, dass es nach dessen Kreuzbandriss noch etwas werden könnte mit einer Rückkehr in dieser Saison. „Ich würde mich freuen, wenn er noch mal spielt, aber wir werden da sicherlich nichts überstürzen“, sagt Beck, der in Sachen Knieverletzungen selbst ein gebranntes Kind ist.

Einigkeit besteht bei den beiden Nürnberger Kontrahenten dagegen wieder in der Zielsetzung für die restliche Saison: Die Vorgabe heißt direkte Landesligaqualifikation. Wobei die Voraussetzungen wiederum unterschiedlich sind. Beim TSV Kornburg hatten sie von vornherein den direkten Weg in die Landesliga angepeilt, also einen Platz unter den ersten sechs. Momentan reicht es aber „nur“ zu Platz zehn, der die Qualifikation zur neuen Spielklasse bedeuten würde. Bei nur fünf Punkten Rückstand auf den sechsten Rang und noch zwölf ausstehenden Spielen ist die Beibehaltung des ursprünglichen Ziels aber auch keine Utopie. Am 4. März wird es für die Beck-Truppe mit dem Auftritt in Baiersdorf wieder ernst.

Der TSV Buch hat sich dagegen von seiner ursprünglichen Zielsetzung verabschiedet. „Eigentlich hatten wir die Qualifikationsrunde zur Landesliga als Ziel ausgegeben“, erinnert sich „Landi“ Frey, der allerdings selbst auch nicht mit solch einem Saisonverlauf gerechnet hätte. Denn der Aufsteiger ist zweifelsohne als positive Überraschung der Saison zu sehen, Platz vier mit 35 Punkten hätte sich Frey „nicht zu träumen gewagt, das ist schon der Wahnsinn“.

Nun wollen sie in Buch, das am 4. März mit dem Heimspiel gegen den BSC Erlangen startet, diesen direkten Aufstiegsplatz halten. Diese Marschroute ist vom Trainer aber mit einem Zusatz versehen, der bislang schon ein Plus der mannschaftlich so geschlossen auftretenden „Bucher Jungs“ war. „Wir werden alles dafür tun und wollen auch unter die ersten sechs – andere Vereine müssen es“. 



Mathias Hochreuther

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